„Es ist Deutschland hier”

In den inter­na­tio­na­len Medien wird der künf­tige Außenminister schon verspot­tet, noch ehe er über­haupt im Amt ist. Vier Jahre müssen wir Guido Westerwelle nun ertra­gen. Was das für Deutschlands Ansehen in der Welt bedeu­tet? Man darf gespannt sein.

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Über Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

17 Replies to “„Es ist Deutschland hier””

  1. >In den inter­na­tio­na­len Medien wird der künf­tige Außenminister schon verspot­tet
    :In welchen?
    Deutsche Politiker bemühen sich seit Schröder darum, einen Sitz im Weltsicherheitsrat zu bekom­men und Deutsch neben Englisch und Französisch als Gleichberechtigte Arbeitssprache der EU durch­zu­drü­cken.
    Wenn die BBC für ihre Berichterstattung über DEUTSCHE Wahlen auf die DEUTSCHE Pressekonferenz einer DEUTSCHEN Partei keine Mitarbeiter mit entspre­chen­den Sprachkenntnissen (Deutscher Sprachraum: ~95 Mio. Menschen) schi­cken kann, ist das pein­lich für die BBC. Deutschland ist kein exoti­scher Zwergstaat, die Pressekonferenz hat auch keinen aktu­el­len Bezug zur Außenpolitik.
    In Frankreich würde man sowas gar nicht erst WAGEN.
    Ich muss aber Recht geben, dass die Antwort etwas holpe­rig war. Guido war bisher der Stand-Up-Steuersenker. Fürs inter­na­tio­nale Parkett muss er die passen­den Floskeln erst noch üben.

    Nebenbei: Die Frage selbst ist jour­na­lis­tisch schwach, weil keine Antwort mit echtem Nachrichtenwert zu erwar­ten war. Hätte man Steinmeier oder Fischer nach Amtsantritt die gleiche Frage gestellt, es wäre bei Floskeln über „Deutschland als verläss­li­cher Partner”, „Europäische Integration stärken”, „Friedliche und dauer­hafte Lösung für Afghanistan/Nahost/Kosovo/etc.” geblie­ben.
    Die Bedeutung deut­scher Außenpolitiker wird mMn general maßlos über­schätzt. Falls nicht gerade Krieg oder Wiedervereinigung ist, verbren­nen sie viel Kerosin auf Reisen, schüt­teln Hände oder Feilschen um 500 zusätz­li­che Soldaten für ein Krisengebiet. Die EU hat sich inzwi­schen Verselbständigt und läuft auf Beamtenebene, und die Krisenherde dieser Welt werden entwe­der von den Amerikanern oder gar nicht gelöscht. Deutschland kann ledig­lich entschei­den, ob es mitmacht (Balkan, Hindukusch, Piraten) oder raus­hält (Irak).

    • Der Ton macht die Musik. Westerwelle war hier einfach nur pein­lich, und genau so kam er auch an.

      Wie wichtig oder unwich­tig deut­sche Außenminister sind, weiß ich nicht mit Sicherheit. So unwich­tig, wie Du zu glauben scheinst, sind sie mit Sicherheit nicht.

      • >So unwich­tig, wie Du zu glauben scheinst, sind sie mit Sicherheit nicht.
        :Nenne 1 bedeu­tende Leistung der *deut­schen* Außenpolitik seit der Wiedervereinigung.
        Die wich­tigs­ten euro­päi­schen Verträge (EG->EU, Währungsunion) waren alles Verhandlungsergebnisse mehre­rer Partner. Deutschland zahlt jedes Jahr einige Milliarden dafür.

        • Ganz einfach: durch früh­zei­tige Anerkennung von Kroatien, Slowenien usw. 1991- 1993 ein Anstacheln des sog. völki­schen Konflikts im (dann) ehem. Jugoslawien.
          Es gab mal SPD-Mitglieder, die Frieden wollten- ja, der dama­lige AMin war, wenn ich mich richtig erin­nere, entwe­der noch Genscher oder schon Kinkel, jew. FDP- die SPDler in Folge haben keine Wende in der Außenpolitik herbei­ge­führt, sondern mit der Kriegslüge („Hufeisenplan”) durch R. Scharping die Grünen und ihre AnhängerInnen 1999 auf Linie gebracht, das ist auch außen­po­li­tisch ein „Erfolg” (wenn Bomben auf Belgrad ein Erfolg sein sollen).
          Im Übrigen- was ist außen­po­li­tisch ein „Erfolg”? Wenn Bomben, Raketen und SoldatInnen geschickt werden? Oder wenn Hilfe zur Selbsthilfe geleis­tet wird?

          • 1991 gab es noch keinen Völkermord.
            Die Kriegsgründe so zu verfla­chen, wie Du es grade machst, wird den Opfern auf allen Seiten nicht gerecht.
            Die Diskussion wird hier auch nicht gerne gesehen, weswe­gen gleich große retho­ri­sche „Geschütze” aufge­fah­ren werden. Mit dem „Völkermord unterbinden”-Argument wird dem deut­schen außen­po­li­ti­schen Engagement Unrecht getan- hier ging es zuerst nur um Einfluß und Geostrategie, nicht um Menschenrechte. Zudem ist mit dem …-unter­bin­den-Argument jedes außen­po­li­ti­sche Handeln vorab und für alle Zeiten legi­ti­miert- zumin­dest, wenn die Machart der Argumentataionskette nicht durch­schaut.
            @Christian: nenne mich meinet­we­gen einen Träumer. Ich war KDVler und stehe nach wie vor zum Anti-Militarismus und zu den Grundfesten des Grundgesetzes, z. B. zum Verbot des Angriffskrieges.

  2. Dass auf Pressekonferenzen bezüg­lich der Landessprache bestimmte Regeln gelten ist ja nun nichts Ungewöhnliches. Wie Westerwelle reagiert hat fand ich aller­dings trotz­dem unge­schickt. Der Rest der Pressekonferenz hat mich aller­dings mehr aufge­regt.

  3. Kann der Mann nicht einfach Innenminister werden? Ich stelle mir das lustig vor, wie er uns vorführt, was das F in FDP bedeu­tet.

  4. Naja, da finde ich das Video mit „The Aufschwung is da” schon ulkiger. Bis zu dem Teil mit der Einladung zum Tee, muss ich Westerwelle da leider Recht geben.

    Aber viel­leicht lernt er noch ein bischen was, und wirkt in 2 Jahren nicht mehr so nervös wenn er eine Frage auf Englisch gestellt bekommt.

  5. Das war nur der Anfang. Wir koennen uns auf 4 heitere Jahre gefasst machen. Der Rest der Welt auch, voraus­ge­setzt, sie verste­hen ihn und seinen ‚Humor’.

    • Nach dem langen Hin-und-Her den letzten Satz nicht in bestem, gespreiz­ten Oxford-English zu bringen, zeigt, dass der „Gute” so Einiges gelernt hat, aber sog. soft-skills, hier das Gespür dafür, wann es ange­zeigt ist, sich mal- zum Schein- devot zu geben, gehört m. E. nicht dazu.

  6. nord­stadt: Den Opfern wird vor allem nicht gerecht, sich selbst als Pazifist und alle anderen als Unmenschen und Kriegstreiber hinzu­stel­len. Wenn Du glaubst, damit erreichst Du in Diskussionen irgend­was, dann tust Du mir leid.

    • @Christian:
      „alle anderen”- nein, nur die Verantwortlichen. Hast Du mit abge­stimmt bei den jewei­li­gen BT-Entscheidungen?
      Wir drehen uns im Kreis- eine Diskussion geht nicht mit Plattitüden, da sind wir- hoffent­lich- einer Meinung. Und grüne (Krokodils-)Tränen oder SPD-TINA-Argumentationsketten helfen auch nicht weiter dabei, diese Welt fried­li­cher, gerech­ter und sozia­ler zu machen. Entweder Politik ist zum Gestalten da- und dann muß unsere Außenpolitik disu­tiert werden (dürfen) oder wir begeben uns (ohne Not) jedes Anspruchs auf einen nach­drück­li­chen Gestaltungswillen.

  7. Tja Herr Westerwelle sollte mal sich ne Scheibe von Willy Brandt abschnei­den oder auch Joschka Fischer… Die haben nicht lang rumge­ei­ert, sondern dem Journalisten prompt geant­wor­tet: bei Willy Brandt, dem Sprachtalent, oft in der jewei­li­gen Landessprache.

    Im Übrigen wurden 1998 auch Gerhard Schröder nach der Wahl von inter­na­tio­na­len Journalisten Gagafragen gestellt, die er ziem­lich abge­klärt und belus­tigt auf Deutsch (!) beant­wor­tet hat.

    Oh FDP mir graust es um dein F, wenn ich euer geistig verarm­tes steifes Spitzenpersonal so ansehe, das nur noch die Religion des Geldes hoch­hält und auch noch glaubt, das wäre Liberalismus.

  8. Jetzt gibt es ja die Loesung des Aussenministerproblems — Genscher ist wieder da.

    Exakt, Arnomane! Und der weniger sprach­ta­len­tierte Joschka hat wenigs­tens nicht so nicht versucht, mit popu­lis­ti­schem Poebeln von seinen fremd­sprach­li­chen Grenzen abzu­len­ken. Er wusste viel­mehr, was in seiner Stellenausschreibung stand und hat dann seinen Job gemacht. Diese perma­nente Selbstinszenierung — selbst noch nach der Wahl — ist ueber­flues­sig, rufscha­e­di­gend und mir perso­en­lich absolut zu wider.