Warum ich Kretschmann nicht mag

Gut, dass Kretschmann selbst mir ab und zu in Erinnerung ruft, warum ich ihn nicht leiden kann:

Der eigene Kirchturm kann kein Maßstab sein. Es geht um Hunderttausende von Jahren. So will ich Politik machen: gemeinwohlorientiert. Einzelinteressen müssen sich hinten anstellen.

Es ist ein nationaler Konsens nötig. So ein Wort nehme ich nicht dauernd in den Mund. Das heißt: Am Ende wird auf Bundesebene entschieden, nicht auf regionaler Ebene. Eine Volksabstimmung ist derzeit nicht möglich, weil sie gar nicht in der Verfassung steht. Sollte sich das ändern, kann natürlich das Volk die Entscheidung an sich ziehen.

Es ist schwierig, auch aus Mentalitätsgründen. Was dem Ami die Waffe, ist dem Deutschen das Rasen. Es wäre zweifellos ein starkes Signal für die Energiewende. Aber Tempolimit ist Bundesangelegenheit.

(Hervorhebungen von mir.)

Demokratie statt Demoskopie

Die Grüne Partei in Baden-Württemberg ist traurig. Grund: Kretschmann darf nicht am SWR-Duell Mappus gegen Schmid teilnehmen. Weil, so der SWR, Wahlergebnisse bedeutsamer seien als Umfragen. Nun rufen die Grünen-Landesvorsitzenden ihre Anhänger dazu auf, den SWR mit Mails zu bombardieren und die Facebook-Seite des SWR unbenutzbar zu machen.

Alles legitim. So läuft das in der Politik. Da wird mit harten Bandagen gekämpft.

Nur: es ist eben nicht aufrichtig.

Denn: hat man auch nur eine einzige Stimme des Protests oder des Bedauerns seitens der Grünen gehört, dass bei der Geißler-Show (vulgo: Schlichtung) zu „Stuttgart 21“ die SPD keine Vertreter entsenden durfte? Nein, hat man nicht. Die Grünen haben die Öffentlichkeit für ihre Partei dankbar eingestrichen – um danach das Ergebnis der „Schlichtung“ in Bausch und Bogen zu verwerfen.

Deshalb fehlt mir das Verständnis für die Errregung der Grünen Partei und ich betrachte das Geschehen als ausgleichende Gerechtigkeit.

Außerdem bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass wir in einer „Demokratie“ und nicht in einer „Demoskopie“ leben. Man mag mich deshalb für altmodisch halten. Aber da bin ich stur.

PS: Die Attacken auf die Facebook-Seiten des SWR treiben seltsame Blüten. Statusmeldung SWR:

In Kairo hat es die ganze Nacht über Kämpfe zwischen Demonstranten und Anhängern des Mubarak-Regimes gegeben. Mehrere Menschen sollen erschossen worden sein.

Antwort von mutmaßlichen Grünen-Anhängern:

In Stuttgart demonstrierten die ganze Nacht gegen S21. Und der SWR will im TV-Duelll nur mit Anhängern diskutieren. OK, kein Vergleich aber ärgerlich!

KEINE KUSCHELRUNDE DER TUNNELPARTEIEN! An dem TV-Duell des SWR zur Landtagswahl sollen nur Mappus (CDU) und Schmid (SPD) teilnehmen. CDU und SPD unterstützen beide das Milliardenprojekt, die Kritik an S21 würde völlig unter den Tisch fallen. Das könnt Ihr nicht bringen, Eure Arbeit war schon häufig fragwürdig. Wo sind …Kretschmann, Palmer, Winfried Herrmann etc. Oben Bleiben

Ja, der Kampf eines Volkes um Demokratie und Freiheit ist unbedingt vergleichbar mit dem Bau eines dümmlichen Bahnhofs. Genau. NICHT! Wie verblendet kann man sein? Die Grünen machen sich lächerlich. Und das ist milde formuliert.