Vorwärts mit Statoil

Dass Parteizeitungen wie der Vorwärts neben einem Teil der Mitgliedsbeiträge auf weitere Finanzierungswege, wie etwa Werbeanzeigen, ange­wie­sen sind, ist würdig und recht. Die Artikel einer solchen Zeitung sollen kontro­vers sein und zur inner­par­tei­li­chen Diskussion anregen. Ob dies auch die Aufgabe der Werbung sein sollte, ist jedoch höchst frag­lich.

Unser Gastautor Tim Odendahl ist aktiv bei den Juso-SchülerInnen.

Dass Parteizeitungen wie der Vorwärts neben einem Teil der Mitgliedsbeiträge auf weitere Finanzierungswege, wie etwa Werbeanzeigen, ange­wie­sen sind, ist würdig und recht. Die Artikel einer solchen Zeitung sollen kontro­vers sein und zur inner­par­tei­li­chen Diskussion anregen. Ob dies auch die Aufgabe der Werbung sein sollte, ist jedoch höchst frag­lich.

Dieser Tage flat­terte wieder der neueste Vorwärts auf den Frühstückstisch. Normalerweise lege ich das sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Monatsblatt zur Seite und studiere es erst an den kommen­den Nachmittagen, doch sollte es diesmal anders kommen. Mein Vater ergat­terte sich die Westfalenpost und sogar meine Schwester, die eigent­lich sonst nie Zeitung liest, schnappte sich, aus uner­klär­li­chen Gründen, einen Teil davon. An jedem anderen Tage hätte ich dagegen protes­tiert und einen Teil einge­for­dert, doch wandte ich mich an diesem Morgen dann lieber dem Parteiorgan der SPD zu.

Beim Blättern durch die ewig glei­chen Seiten, mit Inhalten, die man längst schon aus dem Netz kennt, blieben meine verschla­fe­nen Augen an einer ganz­sei­ti­gen Anzeige des staat­li­chen norwe­gi­schen Erdöl/-gas-Unternehmen Statoil hängen. Im Fokus eine heller­leuch­tete deut­sche Fußball-Arena, aus der ein Stromkabel zu einer Verteilerbox führt. Darüber prangt der Werbespruch „Deutsche Leidenschaft. Gesichert durch Gas aus Norwegen.“

Gedanken rattern durch meinen Kopf; nun bin ich echt wach — und das ohne Kaffee! Hatte die SPD nicht noch ein paar Tage vor dem Erscheinen des Vorwärts die Bundesregierung ange­grif­fen, weil diese die Energiewende aus ihrer Sicht nicht schnell genug ankur­beln würde? Stand auf Seite 7 der Zeitung nicht sogar noch eine Anzeige, auf der für die aus Ökostrom herge­stell­ten Tetra-Packs gewor­ben wurde? Glaubwürdigkeit adé!

Und da kam sie wieder, die Erinnerung an meine Irritation über ähnli­che Werbung in der vor- und vorvor­letz­ten Vorwärts-Ausgabe. RWE und auch Statoil hatten damals mit nicht allzu unter­schied­li­chen Anzeigen gewor­ben. „Ist ja nicht unbe­dingt die ziel­grup­pen­ori­en­tier­teste Werbung“, dachte ich mir, „Ökostrom-Anbieter hätten hier doch bessere Karten?!“. Doch genau dies ist ziel­grup­pen­ori­en­tierte Werbung. Es ist der Versuch, die Meinung der SPD zu beein­flus­sen.

Warum lässt man solche Werbung über­haupt zu? Was treibt die Marketingabteilung der Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft mbH da? Seit meinem Eintritt in die SPD erzäh­len mir Genossinnen und Genossen davon, dass die Qualität des Vorwärts zuneh­men würde. Die Qualität der Werbung hinge­gen nimmt stetig ab!

Werbeblocker-Egoisten treiben Online-Medien in den Ruin!

„SPON” berich­tet aktuell darüber, wie teuf­li­sche Werbeblocker-Egoisten brave Online-Medien in den Ruin treiben. Die Diskussion ist natür­lich nicht neu. Drüben bei den Ruhrbaronen wird Verständnis für den Appell geäu­ßert: man möge doch bitte ohne Werbeblocker surfen. „Werbeblocker-Egoisten treiben Online-Medien in den Ruin!“ weiter­le­sen

In eigener Sache: Werbung auf „Rot steht uns gut”?

Von Zeit zu Zeit kann es sein, dass auf „Rot steht uns gut” Google-Anzeigen erschei­nen. Diese werden nicht von mir geschal­tet, sondern von WordPress.com — ich profi­tiere davon ergo nicht; Zitat WordPress.com:

Manchmal schal­ten wir unauf­fäl­lige AdSense-Anzeigen auf deinem Blog; dieses erlaubt uns, die Gratis-Features auch weiter­hin kosten­frei zur Verfügung zu stellen.

„Go Ad-Free” (29,97$ pro Jahr) ist, genau wie „Be the master of your domain” (9,97$ pro Jahr) und „Custom CSS” (14,97$ pro Jahr) ein Premium-Produkt von WordPress.com. Mir erschien der Nutzen des No-Ad-Upgrades margi­nal zu sein und deshalb keine 30 Dollar wert.

In der Hoffnung auf Verständnis danke ich für die Aufmerksamkeit.

Wahlkampf und Wahlwerbung

Wahlkampf als Begriff trägt in sich zwei verschie­dene Bedeutungen: einmal die „Wahl”, welche prin­zi­pi­ell auto­ma­tisch mit Freiheit und Selbstbestimmung einher­geht und dem Zwang als Gegensatz zuzu­ord­nen ist, wohin­ge­gen der zweite Wortteil „Kampf” eher mit Zwang verbun­den wird.

Dieser Bedeutungsunterschied schwingt immer mit, wenn vom Wahlkampf die Rede ist: es ist ein Kampf mit Worten, nicht mit Schwert und Faust, ein Kampf, der ein frei­heit­li­ches Recht, das Wahlrecht, beein­flus­sen möchte, nämlich in die eine oder andere Richtung. Der Wahlkämpfer, so die Wahrnehmung, übt also Zwang aus, durch den Versuch der Beeinflussung. „Wahlkampf und Wahlwerbung“ weiter­le­sen