ARD und ZDF: Geht’s noch?

Ich war immer ein Verteidiger des öffent­lich-recht­li­chen Systems im Rundfunk- und TV-Bereich. (Ich kann mir prin­zi­pi­ell auch öffent­lich-recht­li­che Lokalzeitungen für Regionen vorstel­len, in denen es keine echten Zeitungen mehr gibt.) Aber ARD und ZDF schei­nen echt alles zu unter­neh­men, um ihre Verteidiger wie mich wieder und wieder vor den Kopf zu stoßen. Das Antrittsinterview der ARD-Chefin Piel im „Tagesspiegel” war schon schlimm, mit der Aussage, dass Google eine Bedrohung (!!) für die ARD sei. Das war schon schön doof.

Es wurde und wird leider nicht besser. Nun haben ARD und ZDF eine Verlautbarung unter­zeich­net und mit einigen Lobbyverbänden die „Deutsche Content Allianz” gegrün­det. Da ist dabei der „Börsenverein des Deutschen Buchhandels”, der „Bundesverband Musikindustrie”, die „GEMA”, die „Produzentenallianz”, „SPIO”, der „VPRT” — und eben ARD und ZDF. Die Forderungen sind weit­ge­hend absurd (das war zu erwar­ten), aber das tut gar nichts zur Sache.

Was drama­tisch ist, ist allein die Tatsache, dass ARD und ZDF einer „Deutschen Content Allianz” beitre­ten. Wie bitte kommen die gebüh­ren­fi­nan­zier­ten Einrichtungen ARD und ZDF auf die dumme Idee, sie hätten gemein­same Interessen mit Verbänden und Produzenten, die mit ihren Werken Geld verdie­nen müssen?

Völlig klar ist: die Verleger etc. pp. haben jedes Recht der Welt, ihre Forderungen laut­stark zu vertre­ten; ich bin zwar der Ansicht, die Politik tut besser daran, die meisten bis fast alle dieser Forderungen abzu­leh­nen, aber das kann man ja im Wettstreit der Ideen klären: am Ende entschei­det es sich dann eben an der Wahlurne. So läuft das in einer Demokratie.

Was mich wirk­lich erschüt­tert, ist, dass ARD und ZDF doof genug sind, solche Sätze zu unter­schrei­ben:

In der digi­ta­len Realität beglei­tet von einer wach­sen­den Zahl an Urheberrechtsverletzungen wird es zuneh­mend schwie­ri­ger, hoch­wer­tige und profes­sio­nelle Medienangebote zu refi­nan­zie­ren.

Nochmals zur Erinnerung: ARD und ZDF sind gebüh­ren­fi­nan­ziert. GEBÜHRENFINANZIERT. Die MÜSSEN sich gar nicht refi­nan­zie­ren. Die bekom­men AUTOMATISCH Geld und zwar bald von JEDEM deut­schen Haushalt.

Also entwe­der die Verantwortlichen bei ARD und ZDF sind so doof, dass sie das nicht wissen. Oder sie fahren eine völlig schwach­sin­nige Taktik, bei der sie versu­chen, auch noch ihre letzten Verteidiger wie mich zu vergrau­len. (Selbstmord aus Angst vor dem Tod.) Oder sie halten uns alle für so bescheu­ert, dass sie glauben, wir merkten nicht, was für einen Stuss die unter­schrie­ben haben.

PS: Die Sache mit der Gage von einer halben Million Euro pro Jahr für ein paar Minuten Sendung pro Woche für Monika Lierhaus aus Fernsehlotterie-Geldern ist dagegen fast schon ein Klacks. (Aber nur fast. Ein Skandal ist das natür­lich auch.)

Verlage aus dem Suchindex kicken

Klare Kante im Heise-Forum:

Liebe Suchmaschienenbetreiber,

bitte kicken Sie im Interesse aller die indi­zier­ten Seiten der Verlage von Axel Springer bis Zeitverlag aus dem Index und sorgen Sie so dafür, dass der Flachsinn von Bild, Spiegel & Co im schwar­zen Loch des Internets versinkt. Webmaster, Seitenersteller, Werbetreibende und Forumsteilnehmer: linkt nicht auf Seiten der Medien, die Gier mit Qualitätsjournalismus und Lobbyismus mit Recht gleich­set­zen. Sorgen wir alle gemein­sam dafür, dass die schein­hei­li­gen Medien, die von Deppen Geld verlan­gen, aber Besuchern, die via Google kommen, bereit­wil­lig und entgelt­frei ihren angeb­lich unver­zicht­ba­ren Content darbie­ten, Inseln im Nirgendwo werden. „Verlage aus dem Suchindex kicken“ weiter­le­sen

Über Google, Verlage und Marktwirtschaft

google-hqAktuell auf „spiegel.de”:

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) fordert von Google eine faire Internetsuche, bei der der Konzern keine Treffer bevor­zugt behan­delt („fair search”), und eine finan­zi­elle Beteiligung („fair share”). „Wir wollen wissen, wie gelis­tet wird und warum welches Angebot oben in der Ergebnisliste steht, und wir wollen an den Werbeeinnahmen, die mit unseren aufwen­dig herge­stell­ten Qualitätsinhalten gene­riert werden, betei­ligt werden”, hatte ein BDZV-Referent Ende vergan­ge­nen November gesagt.

Sollten die Forderungen tatsäch­lich derge­stalt sein, wären sie grotesk: „Über Google, Verlage und Marktwirtschaft“ weiter­le­sen