Unterschicht und Demokratie

Wie lösen wir den Grundwiderspruch auf, dass die, deren Leben durch Politik am meisten beeinflusst wird, nämlich die auf Sozialtransfers (Hartz IV) angewiesen sind, sich am wenigsten für Politik interessieren? Dass die Unterschicht, die am meisten zu gewinnen hätte, würde sie sich einbringen und ihre Rechte einfordern, sich am wenigsten einbringt? Was bedeutet das für neue Verfahren wie die Direkte Demokratie, die ich persönlich gut finde? Bei denen ich aber befürchte, dass hier vor allem die Mittelschicht zu den großen Gewinnern gehören wird und die Unterschicht unterliegt? Die Hamburger Schulreform hat gezeigt: das Bürgertum weiß für seine Interessen zu kämpfen, die Unterschicht nicht. „Mediaspree versenken“ in Berlin zeigt das auch: die urbanen Berliner, die sich kulturell frei entfalten wollen, wollen ein „Spreeufer für alle“. Was der Verkäuferin bei Aldi nach einem 8-Stunden-Tag herzlich wenig bringt. In Baden-Württemberg ist der Protest gegen „Stuttgart 21“ natürlich auch kein Volksprotest. Beamte, Hipster, ergraute 68er, Wertkonservative, Grüne – eifrig vereint im Bahnhofskampf. Wo bleiben die Abgehängten? Wann melden sie sich zu Wort? Wie erreicht man Partizipation?

Kann das die SPD leisten? Hat sie die Kraft noch dazu? Brauchen wir ein „Forum Unterschicht“, das die unteren 10 Prozent anspricht, die sich das Bier auf der Ortsvereinssitzung nicht leisten können?