Grün, grün, grün sind alle meine Hörtipps

„Partei sucht Auftrag – Ist das Grüne Projekt ausge­reizt?” fragt die Sendung von SWR2 Forum. Es disku­tie­ren Parteienforscher Prof. Ulrich Eith, Prof. Hubert Kleinert, Alt-Grüner und Politologe und Ulrike Winkelmann, Journalistin von der taz: „Der Atomausstieg ist ein Unionsprojekt, die Homo-Ehe ist schon einge­führt und Kita-Plätze sind inzwi­schen ein Elternrecht. Soziales ist bei SPD und der Linken zu Hause, die Union punktet mit Wirtschaftskompetenz. Nur der Liberalismus ist im Bundestag verwaist. Bleibt den Grünen am Ende nichts anderes übrig, als die neue FDP zu werden?” „Grün, grün, grün sind alle meine Hörtipps“ weiter­le­sen

Freiwilligkeit funktioniert nicht

In der Debatte um die Zukunft der Medien gibt es ja immer wieder die Idee von freiwl­li­gen Zahlungen, Freemium-Modellen und derglei­chen. Die taz hat jetzt unge­fähr ein Jahr expe­ri­men­tiert und im November eine Extra-Pseudo-Paywall einge­führt, Ergebnis:

Am 22. November haben wir auf taz.de die Pay-Wahl einge­führt. Damit fragen wir die NutzerInnen, ob sie frei­wil­lig für taz.de zahlen möchten, lieber nicht zahlen möchten oder dies schon in irgend­ei­ner Form tun. Es ist nicht neu, dass wir danach fragen, nur ist die jetzige Ansprache – mit einem großen Layer übern der Seite — um einiges offen­si­ver als die vorhe­rige, bei der seit April 2011 unter den Artikeln steht “Dieser Artikel ist mir was wert”.

Im November kamen 7.839,59 Euro über die frei­wil­li­gen Zahlungen auf unser Konto, das sind 3.860 Euro mehr als im Oktober. Nach einem extre­men Peak am 22.11. und 23.11 haben sich die Zahlungen auf einem erfreu­li­chem Level einge­pen­delt. Im Durchschnitt kommen täglich noch immer drei mal mehr Zahlungen mit etwa drei mal höheren Beträgen wie vor Einführung der Paywahl.

Tja. Davon kann viel­leicht ein 3-Leute-Blog auf start-up-mäßig prekär leben, aber eine Zeitung? 8000 Euro oder von mir aus auch 10.000 Euro im Monat — was soll man damit anfan­gen? Für eineN EinzelkämpferIn wäre das super, gar keine Frage. Aber eine Redaktion kann man damit nicht einmal ansatz­weise unter­hal­ten.

Freiwilligkeit scheint also nicht zu funk­tio­nie­ren. Ordentliche Abo-Modelle müssen her, wenn die Online-Medien über­le­ben wollen. Schon jetzt einschlä­gig ist der gute Artikel von Stephan Dörner.

(Ich halte auch das Modell der WELT nicht für effek­tiv. Wenn man eine Paywall baut, dann sollte sie auch funk­tio­nie­ren.)

Dialektik-Schmialektik

Eine rasche Kommentierung eines „taz”-Kommentars:

„Eigentlich hätte man damit rechnen müssen, dass die Besitzer von ameri­ka­ni­schen Staatsanleihen in Panik geraten. Schließlich bekamen sie amtlich bestä­tigt, dass sie ihr Geld even­tu­ell nicht wieder­se­hen.”

» S&P ist keine Behörde und auch kein Amt, sondern eine private Firma.

„Um es vorweg­zu­neh­men: Die Investoren irren nicht. Sie folgen zwar gern dem Herdentrieb, aber rechnen können sie trotz­dem.”

» Die Behauptung „die Investoren irren sich nicht” ist erstaun­lich. Das sind schließ­lich auch nur Menschen. Woher wollen wir wissen, dass die sich nicht irren? Davon abge­se­hen gibt es „die Investoren” nicht, so wenig wie es „die Mieter” oder „die Jogger” gibt.

„Doch neuer­dings sind alle Renditen im Minus, so dass sich das Kapital nicht mehr akku­mu­liert — sondern selbst vernich­tet.”

» Es sind nicht alle Renditen im Minus. Einige fallen, andere steigen.

„Sogar Konservative glauben inzwi­schen nicht mehr, dass dies nur eine unglück­li­che Phase sei, die wie jede Konjunkturdelle in einem Aufschwung mündet.”

» Die Aussage verstehe ich nicht. Entweder es ist so oder es nicht so. Eine Frage des Glaubens ist es nicht. (Warum ausge­rech­net die Einschätzung von Konservativen so wichtig sein soll ist auch unklar. Sind das Wirtschaftsexperten per se?)

„Vor einem Jahr kostete die Unze etwa 1.200 Dollar, jetzt sind es rund 1.800 Dollar. Dieser Anstieg wird gern als „Wertsteigerung” titu­liert. Doch tatsäch­lich handelt es sich um eine versteckte Inflation.”

» Natürlich ist hier eine Wertsteigerung einge­tre­ten. Ich weiß gar nicht, wie man so etwas schrei­ben kann. Wenn ich Gegenstand X zu 1000 Dollar gekauft habe und für 1800 Dollar wieder verkaufe, dann habe ich 800 Dollar Gewinn gemacht. (Es sei denn, der Dollar wäre auf einmal nichts mehr wert. Das ist aber nicht der Fall.)

„Man stelle sich aber die gleiche Entwicklung bei Nahrungsmitteln vor: Wenn ein Brot erst 1,20 Euro pro Kilo kostet und ein Jahr später schon 1,80 Euro verlangt werden, dann würde niemand von Wertsteigerung spre­chen — sondern eine Hyperinflation von 50 Prozent erken­nen.”

» Brot ist ein Nahrungsmittel und wird geges­sen, ist also nach Gebrauch weg. Gold ist nach Gebrauch noch da. (Der rich­tige Vergleich wären Optionsscheine auf Nahrungsmittel.)

„Übrigens ist der Run aufs Gold ein weite­res Indiz, dass der Kapitalismus in der Krise steckt. Denn bekannt­lich ist Gold kein Produktionsmittel und wirft daher auch keine Zinsen oder Dividenden ab.”

» 1000 Dollar für Gegenstand X, die zu 1800 Dollar werden, entspre­chen einem Gewinn von 180%.

„Diese heim­li­che Inflation lässt sich auch messen. Im Jahr 1992 hatten die Deutschen ein Vermögen von 7,26 Billionen Euro, wie sich beim Statistischen Bundesamt nach­le­sen lässt. 2008 waren es schon 15,07 Billionen: Macht ein statt­li­ches Plus von nominal 107,6 Prozent.”

» http://ec.europa.eu/econom​y_finance/focuson/inflatio​n/how_de.htm

„Doch der Trend ist klar: Es wird noch viel Kapital vernich­tet werden müssen, bevor es sich wieder rentiert, Kapital zu besit­zen.”

» Keine Ahnung, was man dazu schrei­ben soll. Dass „die Konzerngewinne” und priva­ten Vermögen der oberen 10% steigen ist doch bekannt?

Schröder gegen Lafontaine

Die ARD-Sendung „Duell: Schröder gegen Lafontaine” war sehr aufschluss­reich. Meine Einschätzung, dass Lafontaine in unver­ant­wort­li­cher Art und Weise die Partei im Stich gelas­sen hat, nur wegen des eigenen Egos, hat sich nach­hal­tig gefes­tigt.

Eine kleine Anmerkung noch zum „taz”-Artikel zu eben­die­ser Sendung. Da steht ein Satz: „Für die von der SPD verbrei­tete Version, dass Lafontaine unbe­herrscht und im bloßen Affekt alles hinge­wor­fen habe, spricht nicht viel.” Und ein paar Sätze weiter steht noch ein anderer Satz: „Lafontaines Rücktritt am 11. März war eine spon­tane, einsame Entscheidung.” Möchte mir jemand erklä­ren, wie man es als Journalist schafft, sich in einem Artikel von gut 3500 Zeichen funda­men­tal selbst zu wider­spre­chen?

Das in diesem Artikel eingangs geschil­derte Szenario ist natür­lich trotz­dem klasse.

Migranten? Nö, Deutsche!

Die „taz” will’s wissen: nun sag, wie hältst Du es mit der Nation? Also: wir sind keine Migranten oder mit Migrationshintergrund — wir sind Deutsche. Und wie schon während der Fußball-WM zeigt sich auch hier: das passt den „progres­si­ven”, „linken” Bio-Deutschen über­haupt nicht! „Wer deutsch ist und wer Migrant, das bestim­men wir”, so unge­fähr sind die Kommentare zu verste­hen.

Norbert Bolz scheint wohl nicht ganz Unrecht zu haben mit seinem Kommentar (auch in der „taz”), in dem er „linke Lebenslügen” beschreibt.

Die Nation hat sich mit Europa nicht erle­digt, auch wenn das die ach so klugen Linksintellektuellen sich auch noch so sehr wünschen. Ob es über­haupt wünschens­wert ist, möchte ich auch bezwei­feln. Richtig ist, dass die moder­nen Nationen neuar­tige Gebilde sind, wenn man sich die Menschheitsgeschichte als Ganzes anschaut. Richtig ist aber auch, dass es kein trag­fä­hi­ges Gegenmodell gibt, in einer natio­na­len Welt. Und, es gilt: keine Dekonstruktion ohne Konstruktion.