Bundespräsident Wulff

Heute, zum 20. Tag der Deutschen Einheit, hat Bundespräsident Wulff seine erste umfang­rei­che Rede gehal­ten. Der „Süddeutschen Zeitung” ist die Rede nur ein lako­ni­sches „Zumindest aber ist die Rede kein Reinfall gewor­den.” wert.

Eine unfaire Bewertung. Es war eine gute, große Rede, die Christian Wulff gehal­ten hat. Und das sage ich als jemand, der sich gewünscht hat, dass Joachim Gauck unser Bundespräsident wird. Aber, nun kann ich sagen: Christian Wulff ist auch mein Bundespräsident. Er ist es jetzt mehr, als es Horst Köhler war, den ich immer als emoti­ons­lo­sen Bürokraten wahr­ge­nom­men habe, mit dem ich nie warm­ge­wor­den bin.

Ein paar Zitate aus der Rede des Bundespräsidenten, die mir persön­lich beson­ders gut gefal­len:

Ohne die euro­päi­sche Freiheitsbewegung ist die deut­sche Einigung nicht denkbar. Nicht ohne die polni­schen Arbeiter mit dem polni­schen Papst im Rücken, Johannes Paul II., der vor Ort predigte „Fürchtet Euch nicht”.

Weitsichtige Staatsmänner halfen, die Ängste und Widerstände zu über­win­den: Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher gemein­sam mit Lothar de Maizière. Wegbereiter waren Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt. Sie alle haben Vertrauen geschaf­fen. Ohne dieses Vertrauen hätte es die Wiedervereinigung so nicht gegeben.

Wir haben von drei Lebenslügen längst Abschied genom­men. Wir haben erkannt, dass Gastarbeiter nicht nur vorüber­ge­hend kamen, sondern dauer­haft blieben. Wir haben erkannt, dass Einwanderung statt­ge­fun­den hat, auch wenn wir uns lange nicht als Einwanderungsland defi­niert und nach unseren Interessen Zuwanderung gesteu­ert haben. Und wir haben erkannt, dass multi­kul­tu­relle Illusionen die Herausforderungen und Probleme regel­mä­ßig unter­schätzt haben.

Wir achten jeden, der etwas beiträgt zu unserem Land und seiner Kultur.

Mit der Europäischen Union haben wir ein wunder­ba­res Modell dafür geschaf­fen, wie Kooperation gelin­gen kann. „In Vielfalt geeint” ist zu Recht das euro­päi­sche Motto, nach dem wir eine beispiel­lose Integration von Nationalstaaten geschaf­fen haben. Es zeigt der ganzen Welt: Wir Europäer haben aus der Geschichte gelernt!

Und das soll keine große Rede gewesen sein? Ich jeden­falls bin zufrie­den, das ZDF auch (dort gibt es die Rede als Video).

Einen schönen Tag der Deutschen Einheit wünsche ich uns allen!

Tag der Deutschen Einheit

Nach der Wende war ursprüng­lich der Tag des Mauerfalls von 1989, der 9. November, als Nationalfeiertag vorge­se­hen. Wegen der Datumsgleichheit mit dem Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 sowie der Novemberpogrome 1938 galt dieses Datum als unge­eig­net, so dass der 3. Oktober, der Tag an dem die deut­sche Einheit voll­zo­gen wurde, als Nationalfeiertag fest­ge­legt wurde. „Tag der Deutschen Einheit“ weiter­le­sen