Wenige Sätze zu Stuttgart 21

Stuttgart 21 wird vermutlich deutlich mehr kosten, als von der Deutschen Bahn als Bauherrin geplant. In einem gewissen Umfang war das zu erwarten, was aktuell an Mehrkosten verbreitet wird, sprengt jedoch den Rahmen, mit dem ich gerechnet habe.

Es wäre klug, würde die Bahn das Projekt Stuttgart 21 einstellen und versuchen, jetzt noch das Beste aus dem zerstörten Bahnhof zu machen – irgendwie. Ein privates Unternehmen würde bei einem vergleichbar großen Projekt vermutlich jetzt die Reißleine ziehen.

Aber: Die Bahn ist kein privates Unternehmen. Die Bahn hat zwar die Rechtsform einer Aktiengesellschaft, wobei 100% der Aktien beim Bund liegen. Die Bundesregierung ist Alleineigentümerin der Bahn und betrachtet Stuttgart 21 als das, was es ist: als politisches Projekt.

Und ein politisches Projekt dieser Größenordnung darf nicht scheitern. Nicht im Wahljahr 2013 und erst recht nicht, nachdem die CDU wegen Stuttgart 21 schon Baden-Württemberg verloren hat. Diesen Triumph, Stuttgart 21 zu verhindern, wird Schwarz-Gelb den Grünen nicht gönnen.

Was passieren wird: Der Bahn-Aufsichtsrat wird „ganz genau“ prüfen, das Missmanagment des Bahn-Vorstands anprangern, vielleicht muss jemand gehen – und dann werden die Mehrkosten „mit Bauchschmerzen“ genehmigt werden.

So läuft das eben, wenn ein Projekt durchgezogen werden soll.

Feiermann

Oberbänker Ackermann durfte bei Angela Merkel Geburtstag feiern und ein paar Spielkameraden einladen. Das Problem hierbei sind nicht die Kosten: ein paar tausend Euro sind, bezogen auf den Staatshaushalt, Peanuts. Das habe ich bei der Debatte um Ulla Schmidts Dienstwagen so gesehen und formuliert, und das sehe ich jetzt genauso. (Natürlich macht Kleinvieh auch Mist und Verschwendung ist niemals gut, aber man soll doch bitte die Kirche im Dorf lassen.)

Johannes Kahrs Kommentar hingegen ist treffend und richtig: „Das Kanzleramt ist kaum der richtige Ort, um Events der sogenannten High Society zu veranstalten. Dazu gibt es genügend Orte in Frankfurt, auf Sylt und in Blankenese. Und überdies genügend Gastgeber, die das Ganze aus eigener Tasche bezahlen.“

Außerdem möchte ich mich Raysons Frage anschließen: „Also entweder sind wir ein Volk von Erbsenzählern, oder wir haben uns längst daran gewöhnt, dass unsere Regierung mit Konzernmanagern so sehr gemeinsame Sache macht, dass die Einladung an sich als völlig normal erscheint. Letzteres würde einiges erklären.“

Ackermann-Party

Unrechtsbewusstsein, Problembewusstsein? Zumindest bei Ackermann-Spielkamerad Frank Schirrmacher ist davon nichts zu spüren, er macht sich sogar noch über die Kritik und die Kritiker lustig: „Anders als manche meiner journalistischen Kollegen, die sich niemals zum Essen einladen lassen und jedes Büffet verschmähen, bin ich schwach geworden. Wir sind weit gekommen, in der Beschädigung der Würde nicht nur der Politiker, sondern auch der Verfassungsorgane, aber alles hat seinen Preis. Verzeihung kann ich nicht erwarten, aber Verständnis. Mit keinem Mitschuldigen habe ich geredet. Mein Bekenntnis kommt aus freiem Willen. Ich habe bekannt, nun richtet mich.“

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Der gemeine Bürger steht diesem Treiben ohnmächtig gegenüber. Hier ist ziviler Ungehorsam richtig wohltuend, ob in Form einer Ackermann-Party für alle oder einer „Buchungsanfrage ans Kanzleramt zwecks Geburtstagsfeier“.

Bild: Bündnis 90/Die Grünen (CC-BY 2.0)