Unternehmerische Freiheit ist zu respektieren

Einige Verlage, die Kinder- und Jugendbücher verlegen, haben angekündigt, bestimmte Begriffe aus ihren Büchern zu streichen und durch andere Begriffe zu ersetzen. Keine große Sache, sollte man meinen.

Umgehend brach ein solcher Sturm im deutschen Feuilleton aus, dass man sich schon an den Historikerstreit erinnert fühlte.

Dabei ist die Debatte völlig schwachsinnig.

Denn es geht hier um die unternehmerische Freiheit. Wenn ein Verlag ein Buch in einer Neuauflage in einer anderen Fassung veröffentlichen möchte, dann ist dagegen gar nichts zu sagen. (Es sei denn natürlich, der Verlag hat die dazu notwendigen Rechte nicht – aber dafür gibt es ja Urheber- und Verwertungsrechte und JuristInnen.)

Denn die diversen DebattenteilnehmerInnen haben schlicht und ergreifend nicht begriffen, dass es nicht um textkritische Editionen geht. Es wird keine „Geschichtsfälschung“ betrieben, wenn Neuausgaben von Werken zwecks kommerzieller Verwertung verändert werden. Verlage wollen Geld verdienen. Das dürfen sie.

Auch von „Zensur“ zu sprechen ist nichts anderes als schwachsinnig: Denn „Zensur“ kann nur der Staat ausüben. Wenn ich hingegen mich entscheide, in meinen Texten auf einen bestimmten Begriff zu verzichten, dann ist das einzig und allein meine eigene Entscheidung. Und wenn ich mich entscheide, andere Menschen zu verachten, die bestimmte Begriffe benutzen, dann ist das auch meine eigene private Entscheidung.

Allgemein: Wer glaubt, die kulturelle Zukunft Deutschlands sei abhängig von Kinderbüchern, hat eh einen kompletten Hau weg und wird von mir als kultureller Nichtskönner und Gernegroß betrachtet.