Das Handelblatt überraschte vor ein paar Tagen mit einem Artikel zu einer Großstudie zur Langzeitwirkung des Sozialstaates. Dabei fanden die Forscher heraus: „In mancher Hinsicht ist der Wohlfahrtsstaat in Europa besser als sein Ruf.”
Das Handelblatt überraschte vor ein paar Tagen mit einem Artikel zu einer Großstudie zur Langzeitwirkung des Sozialstaates. Dabei fanden die Forscher heraus: „In mancher Hinsicht ist der Wohlfahrtsstaat in Europa besser als sein Ruf.”
Erst der Sozialstaat hat die Armut der Massen beendet und Rechtssicherheit für die Schwachen hergestellt. Der neuzeitliche Kapitalismus kann nicht von jedem Einzelnen, jeder für sich allein, gebändigt werde, dazu braucht es Organisation und Struktur. Der Sozialstaat ist nicht perfekt, wohl wahr, aber ein „Asozialstaat”, wie von manch einem kommentiert, ist er mitnichten. Das zu postulieren ist schlichtweg wohlfeiles Geschwätz, oftmals überdies noch aus dem Munde von Sozialstaatprofiteuren (Studenten, Kindergeldempfänger, Professoren, etc. pp.) Dass es Unperfektheiten gibt ist unbestritten, aber der Sozialstaat ist eben von Menschenhand gemacht und demzufolge kann er nicht perfekt sein — deshalb ihn in Bausch und Bogen zu verdammen ist in der Tat die vollständige Absage an jegliche reformistisch-progressive Politik. Das von Menschenhand geschaffene humanistische Projekt Sozialstaat gilt es zu verteidigen und zu verbessern. Das...
Die Deutsche Presse-Agentur, die dpa, hat vor ein paar Tagen eine Meldung mit dem schönen Titel „Reiche Dänen zahlen freiwillig mehr Steuern” veröffentlicht. Bei „Welt”, „Zeit”, „Stern” und diversen Lokalzeitungen schaffte es diese Meldung in den dpa-Ticker — aber eben nur in den dpa-Ticker. Der Inhalt der Meldung: In Dänemark schrieb vor einigen Wochen ein Einwohner an das Finanzministerium und bot an, er wolle freiwillig mehr Steuern zahlen. Damit solle die Regierung den Wohlfahrtsstaat ausbauen. Erstaunlich — denn die Dänen zahlen im EU-Vergleich schon die meisten Steuern. Der Spitzensteuersatz liegt bei 67 Prozent, im täglichen Leben schlagen 25 Prozent Mehrwertsteuer zu Buche. Man sollte meinen, diese Meldung würde umfassender kommentiert, analysiert, bewertet, einige Leitartikel würden geschrieben. Schließlich führen wir in Deutschland gerade, wie so oft, eine Debatte über unseren Sozialstaat...
Ein Mensch der hungert kann und wird nicht von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen. Wir sprechen von negativer (abwehrender) und positiver (ermöglichender) Freiheit: Freiheit ist nicht nur die Abwesenheit von Zwang durch andere Menschen, sondern auch die Möglichkeit tatsächlich diese Freiheit zu leben. Wenn ich sagen soll, was mir neben dem Frieden wichtiger sei als alles andere, dann lautet meine Antwort ohne Wenn und Aber: Freiheit. — Willy Brandt
Ich bin Besserverdienender und verbitte mir, von Bettlern in Seidenkrawatten bevormundet zu werden: Ich bewundere die Errungenschaft Sozialstaat, ich zahle gerne und pünktlich Steuern, und ich verachte Speichellecker, die mir schöntun und dafür enthemmt den inneren Zusammenhalt dieser Gesellschaft schreddern. Ja, ich verdiene gut, und wenn ich alle Steuern bezahlt habe, habe ich immer noch Geld und dazu ein gutes Gewissen. Die Idee, dass jeder Besitzende ein Recht auf Habsucht wolle, muss die FDP günstig bei der SED gekauft haben, damals in den schweren Jahren. –Friedrich Küppersbusch, Journalist und Fernsehproduzent
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