Dialektik-Schmialektik

Eine rasche Kommentierung eines „taz“-Kommentars:

„Eigentlich hätte man damit rechnen müssen, dass die Besitzer von amerikanischen Staatsanleihen in Panik geraten. Schließlich bekamen sie amtlich bestätigt, dass sie ihr Geld eventuell nicht wiedersehen.“

>> S&P ist keine Behörde und auch kein Amt, sondern eine private Firma.

„Um es vorwegzunehmen: Die Investoren irren nicht. Sie folgen zwar gern dem Herdentrieb, aber rechnen können sie trotzdem.“

>> Die Behauptung „die Investoren irren sich nicht“ ist erstaunlich. Das sind schließlich auch nur Menschen. Woher wollen wir wissen, dass die sich nicht irren? Davon abgesehen gibt es „die Investoren“ nicht, so wenig wie es „die Mieter“ oder „die Jogger“ gibt.

„Doch neuerdings sind alle Renditen im Minus, so dass sich das Kapital nicht mehr akkumuliert – sondern selbst vernichtet.“

>> Es sind nicht alle Renditen im Minus. Einige fallen, andere steigen.

„Sogar Konservative glauben inzwischen nicht mehr, dass dies nur eine unglückliche Phase sei, die wie jede Konjunkturdelle in einem Aufschwung mündet.“

>> Die Aussage verstehe ich nicht. Entweder es ist so oder es nicht so. Eine Frage des Glaubens ist es nicht. (Warum ausgerechnet die Einschätzung von Konservativen so wichtig sein soll ist auch unklar. Sind das Wirtschaftsexperten per se?)

„Vor einem Jahr kostete die Unze etwa 1.200 Dollar, jetzt sind es rund 1.800 Dollar. Dieser Anstieg wird gern als „Wertsteigerung“ tituliert. Doch tatsächlich handelt es sich um eine versteckte Inflation.“

>> Natürlich ist hier eine Wertsteigerung eingetreten. Ich weiß gar nicht, wie man so etwas schreiben kann. Wenn ich Gegenstand X zu 1000 Dollar gekauft habe und für 1800 Dollar wieder verkaufe, dann habe ich 800 Dollar Gewinn gemacht. (Es sei denn, der Dollar wäre auf einmal nichts mehr wert. Das ist aber nicht der Fall.)

„Man stelle sich aber die gleiche Entwicklung bei Nahrungsmitteln vor: Wenn ein Brot erst 1,20 Euro pro Kilo kostet und ein Jahr später schon 1,80 Euro verlangt werden, dann würde niemand von Wertsteigerung sprechen – sondern eine Hyperinflation von 50 Prozent erkennen.“

>> Brot ist ein Nahrungsmittel und wird gegessen, ist also nach Gebrauch weg. Gold ist nach Gebrauch noch da. (Der richtige Vergleich wären Optionsscheine auf Nahrungsmittel.)

„Übrigens ist der Run aufs Gold ein weiteres Indiz, dass der Kapitalismus in der Krise steckt. Denn bekanntlich ist Gold kein Produktionsmittel und wirft daher auch keine Zinsen oder Dividenden ab.“

>> 1000 Dollar für Gegenstand X, die zu 1800 Dollar werden, entsprechen einem Gewinn von 180%.

„Diese heimliche Inflation lässt sich auch messen. Im Jahr 1992 hatten die Deutschen ein Vermögen von 7,26 Billionen Euro, wie sich beim Statistischen Bundesamt nachlesen lässt. 2008 waren es schon 15,07 Billionen: Macht ein stattliches Plus von nominal 107,6 Prozent.“

>> http://ec.europa.eu/econom​y_finance/focuson/inflatio​n/how_de.htm

„Doch der Trend ist klar: Es wird noch viel Kapital vernichtet werden müssen, bevor es sich wieder rentiert, Kapital zu besitzen.“

>> Keine Ahnung, was man dazu schreiben soll. Dass „die Konzerngewinne“ und privaten Vermögen der oberen 10% steigen ist doch bekannt?

Subventionen, Subventionen

Die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, kurz: „INSM“, wird vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall getragen und betreibt klassische Lobbyarbeit für Arbeitgeber, nur eben modern. Im Allgemeinen machen die ziemlichen Unfug und sind harsch zu kritisieren, aber manchmal findet eben auch ein blindes Huhn ein Korn: „Subventionen kürzen, Haushalt konsolidieren!“ Denn Subventionen sind, ganz allgemein gesprochen, ein Übel. Und treiben die Staatsverschuldung in die Höhe. Interessanterweise profitieren von Subventionen hauptsächlich die etablierten Konzerne, also die Arbeitgeber, also eigentlich die Auftraggeber der INSM.

In diesem Sinne empfehle ich heute, hier und jetzt, die Kampagne „Das Richtige tun“ – eine Kampagne der neoliberalen, Arbeitgeber-finanzierten und einseitigen INSM. Was bin ich doch für ein Fuchs!

Ohne Schulden läuft nichts

Thomas Strobl ist CFO, Blogger und Autor des Buches „Ohne Schulden läuft nichts„. Darin erklärt er warum uns Sparsamkeit nicht reicher, sondern ärmer macht. Seine These präsentiert Strobl im Kreisky Forum am 22. November 2010:

Beginn des Vortrags bei etwa 6:20 Minuten.

Umschuldung?

Wie wäre es, wenn der Bund einmalig alle Schulden der Kommunen und Länder übernehmen würde, mit dem gleichzeitigen Verbot für Kommunen und Länder, neue Schulden aufzunehmen? Dann könnten die Kommunen und Länder freier atmen, vielleicht wären die Zinsen im Endeffekt auch niedriger, da der Bund vermutlich bessere Konditionen als Kommunen und Länder erhält. Außerdem wäre klar, wie hoch die Staatsverschuldung wirklich ist.

Ist allerdings nur ein Gedankengang.