Sonneborn bei Sarrazin

http://www.youtube.com/watch?v=IXuxd14rwo8

Herrlich: „Thilo Sarrazin hat den Ostdeutschen gerade erklärt, dass sie eigentlich zu dumm sind, sein Buch zu verstehen, das Publikum ist begeistert, rennt raus und kauft die Büchertische leer.“

Der Schlusssatz ist zynisch, aber leider viel zu wahr: wenn die Politiker dann merken, dass Integration und Bildung viel Geld kosten, dann wird das Thema schnell beerdigt.

Sowas kommt von sowas: „Report Mainz: Sarrazin macht NPD salonfähig“

http://www.youtube.com/watch?v=Xl5KwFBdBFM

Die Berliner SPD hat in der Tat völlig versagt. Sarrazin hatte schon nach seinem „Lettre“-Interview nichts mehr in der SPD verloren, die dort geäußerten Meinungen unterscheiden sich von seinem Buch qualitativ nicht wirklich. Es ist überaus erstaunlich, dass sich ausgerechnet Wowereit jetzt gegen Sarrazin positioniert, mit einer Chupze, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Wer hat denn Sarrazin bitte zum Senator und zum Bundesbankvorstand gemacht, wenn nicht Wowereit? (Aber okay, die Berliner SPD habe ich seit ihrem Anti-Religions-Kampf eh gefressen.)

Misik: Thilo Sarrazin, Held der Bösmenschen und Hassposter

„Riesenunfug“ habe er geredet, windet sich Thilo Sarrazin jetzt, um sein Bundesbankersalär zu retten. Und die „Bild“-Zeitung baut den Großmeister der Implausibilitätsmathematik und Intelligenzgen-Eugenik schon zum Märtyrer auf. „Das wird man ja wohl noch sagen dürften“, prangt fett am Titelblatt und oben drüber: „BILD kämpft für die Meinungsfreiheit!“ Und der „Spiegel“, der traditionell den subtileren Humor pflegt, adelt Skandal-Thilo zum „Volksheld Sarrazin“. Halten wir unser Ohr an diesen Echo-Raum, aus dem heraus Sarrazin zugejubelt wird. Dieser Echo-Raum, in dem Muslime Hinternhochbeter und Schafficker genannt werden, diese gute Gesellschaft, in der man sich vor Geifer nicht halten kann, diese „Endlich dass es mal jemand laut aussrpicht“-Ranküne-Gesellschaft. Sie sind ja nicht zu überhören, die da mit überschlagender Stimme schreien: Raus mit denen!

(via)

SPD immun gegen Sarrazin?

Frage: Könnten Sie sich vorstellen, eine neue Partei zu wählen, wenn Thilo Sarrazin Vorsitzender dieser Partei wäre?
Nach Parteianhängern (in %):

  • SPD: JA 9 / NEIN 86
  • CDU/CSU: JA 17 / NEIN 81
  • Grüne: JA 10 / NEIN 88
  • FDP: JA 12 / NEIN 68
  • Linke: JA 29 / NEIN 66
  • Sonstige: JA 54 / NEIN 40

Hieraus geht meines Erachtens hervor, dass SPD-Anhänger gegen den Verführer Sarrazin weitgehend immun sind. Damit ist das Parteiausschlussverfahren durchaus wohlbegründet. Die Linkspartei indessen sollte sich ein paar Gedanken machen. Ob Lafontaines „Fremdarbeiter“ vor diesem Hintergrund Kalkül waren, kein Ausrutscher?

Die Frage ist indessen: wie ist in dieser Frage „Parteianhänger“ definiert und wie groß ist die Menge „Sonstige“?

Theorie und Praxis

Theoretisch sollen Ärzte diesen Eid befolgen:

… Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung. …

Praktisch hat die Sarrazin-Debatte u.a. folgende Auswirkungen:

Der Arzt hatte drei Regeln verfasst. Unter anderem schrieb er: „In dieser Arztpraxis gilt ein striktes Verbot von Kopftüchern bei islamistischen Frauen und Mädchen“ sowie „Kinderreiche islamistische Familien mit mehr als 5 leiblichen Kindern werden in dieser Arztpraxis nicht behandelt“. Grundkenntnisse der deutschen Sprache werden „zwingend vorausgesetzt“.

Einstimmig

Pressemitteilung der Deutschen Bundesbank:

Der Vorstand der Deutschen Bundesbank hat heute einstimmig beschlossen, beim Bundespräsidenten die Abberufung von Dr. Thilo Sarrazin als Mitglied des Vorstandes zu beantragen. Der „Corporate Governance“-Beauftragte der Deutschen Bundesbank, Professor Dr. Uwe Schneider, unterstützt diesen Antrag uneingeschränkt.

Gute Entscheidung, aber „einstimmig“ kann sie ja wohl nicht gewesen sein; oder hat Thilo Sarrazin etwa zugestimmt?

Sarrazin: SPD-Ausschluss oder nicht?

Der Genosse Thilo Sarrazin lässt mir keine Ruhe. Die geneigten Leser mögen mir die Einseitigkeit dieser Publikation in den letzten Tagen verzeihen.

Wie bereits überall zu lesen ist, hat der SPD-Parteivorstand beschlossen, ein Parteiausschlussverfahren gegen Thilo Sarrazin anzustrengen. Begründung: er bewege sich außerhalb der sozialdemokratischen Grundwerte. Nun, das sehe ich auch so. Es wird aber verdammt schwer, das juristisch sauber zu argumentieren. Das Parteiengesetz in Deutschland ist da ziemlich strikt. Zum Glück, möchte ich noch erwähnen.

An der SPD-Basis soll der Ausschluss kritisch gesehen werden. Das ist ein gutes Zeichen: ein Ausschluss muss generell kritisch, als „Ultima Ratio“ gesehen werden. Das spüren die SPD-Mitglieder offensichtlich. Allein das ist überaus positiv. Heinz Buschkowsky, der Bürgermeister von Berlin-Neukölln, hält nichts von dem Sarrazin-Rauswurf, Johannes Kahrs MdB, Sprecher des Seeheimer Kreises, sieht das ebenso.

Sigmar Gabriel baut Sarrazin in der „BILD“ eine (letzte?) goldene Brücke:

Ich habe ihm nichts zu raten. Vor einem möglichen Parteiausschluss wird er angehört und hat dann erneut die Chance, sich zu korrigieren und sich für seine Äußerungen zu entschuldigen.

Warum tut er das? Nun, das ist leicht zu erklären: Gabriel vermutet vermutlich, dass ein Ausschluss Sarrazin zum Märtyrer mache und der SPD letztendlich schade, da das Gefühl aufkomme, sie lasse notwendige Diskussionen nicht zu, trimme die Partei auf Kadavergehorsam. (Das ist natürlich Unfug, aber die öffentliche Meinung ist eben manchmal seltsam.)

Die Gefahr dieser goldenen Brücke ist nun allerdings, dass Gabriel damit die Menschen vor den Kopf stößt, die sich von Sarrazin beleidigt fühlen, dass es seltsam erscheint, wenn der Parteivorstand erst einstimmig etwas beschließt, um dann zwei Tage später etwas anderes zu sagen.

Bundeskanzlerin Merkel und ihre CDU-Vasallen haben die SPD darüber hinaus in eine Zwickmühle gebracht: „In der Union hätte Sarrazin keinen Platz“, so der Tenor. Das ist natürlich ziemlich starker Tobak: unbemerkt werfen die Christdemokraten den Sozis vor, ihren „Fall Hohmann“ nicht schnell genug geklärt zu haben.

Wie man es dreht und wendet, Sarrazins Thesen werden der SPD schaden.

Übrigens: dass sich ausgerechnet der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit als Rächer der Entrechteten aufspielt ist schon reichlich skurril. Schließlich hat niemand anderes als Wowi Sarrazin den Job bei der Bundesbank verschafft. Sollte die SPD wider Erwarten die Wahlen in Berlin noch einmal gewinnen, wäre es super, Wowereit würde dann mehr Sorgfalt bei der Auswahl seiner Senatoren an den Tag legen. (Und Wowereit wurde von einigen ernsthaft als SPD-Parteivorsitzender gehandelt. Irre.)