Rückblick auf das PolitCamp

Das PolitCamp im Radialsystem in Berlin gab es jetzt zum vierten Mal, ich habe zum zweiten Mal daran teilgenommen. Nach wie vor ist das Ziel, mehr Vernetzung zwischen „dem Internet“ und „der Politik“ zu erreichen. Da hat sich mittlerweile schon einiges getan, gerade Twitter ist der Megastar unter Bundestagsabgeordneten und Umweltministern.

Anwesend waren gut 250 TeilnehmerInnen, also weniger als in den Vorjahren. Ich finde das gar nicht schlimm, dieses Jahr gab es vor dem PolitCamp allein in Berlin sechs netzpolitische Events. Da ist es nachvollziehbar, dass sich die Personen verteilen – es hat ja nicht jedeR immer Zeit und man muss Schwerpunkte setzen.

Für mich war das PolitCamp wie im Vorjahr erneut ein Gewinn; ich habe spannende Leute getroffen, manche zum wiederholten Mal, andere zum ersten Mal live.

Die Debatten waren in meinen Augen hochwertiger und klarer in der Sache als im Vorjahr, mittlerweile sind durchaus gewisse Unterschiede bei den Parteien erkennbar. Das ist auch richtig so, Netzpolitik ist Gesellschaftspolitik, ergo muss es auch verschiedene Gesellschaftsentwürfe geben. Alles andere wäre sehr erstaunlich und eigentlich nicht zu erklären.

Spannend fand ich die Session zu Kulturförderung, die u.a. von Björn Grau veranstaltet wurde. Deutlich geworden ist, dass es erhebliche Unterschiede in der Position zu Hochkultur gibt. Einige lehnten den Begriff in Gänze ab und würden die Förderung am liebsten komplett streichen. Ob allen, die diese Forderung im Munde führen, klar ist, dass das letztendlich auf den Tod der Oper und vieler Theater hinausliefe, ist mir nicht klar. Denn klar ist: die Opern-Landschaft in Deutschland konnte in dieser Form nur entstehen, weil NachwuchssängerInnen eine Chance haben, sich zu entwickeln. Oper unsubventioniert lebte einige Jahre von der Substanz, dann gäbe es irgendwann keinen Nachwuchs mehr und ein wertvolles Kulturgut wäre verloren. Ich will das nicht.

Lobenswert war die Teilnahme von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die erst einen Parforceritt durch die Netzpolitik startete um sich dann in einem „Fishbowl“ den Fragen der TeilnehmerInnen zu stellen. Ein kluges Format, das uns voranbrachte. Beeindruckend fand ich weiterhin, dass es die FDP hinbekommen hat, Vizekanzler Rösler zu einer Stippvisite zu animieren – so etwas hätte ich mir auch von meiner eigenen Partei gewünscht.

Außerdem sehr gut gefallen hat mir die Session von Claus Junghanns, der seine Idee „BarCamp bei einem Parteitag“ vorstellte. (Claus‘ Präsentation ist im Übrigen ein Paradebeispiel für einen gelungenen Vortrag – allgemein ein kluger Mensch und ein Glücksfall für die CDU.)

Ganz kurz zur SPD: Viele Sozis waren anwesend, darunter u.a. ein Bundestagsabgeordneter (Lars Klingbeil) und ein Landesminister (Ulrich Commerçon) – aber das war’s dann leider (fast) auch schon an Prominenz. Warum die SPD-Bundestagsfraktion diese Chance nicht genutzt hat, ihren Kreativpakt, den ich für ausgezeichnet und wegweisend halte, einem Publikum voller Multiplikatoren vorzustellen – ich verstehe es einfach nicht. Eine verpasste Möglichkeit. Schade.

Alles in allem war das PolitCamp wieder eine sehr runde Sache, die Organisation war absolut vorbildlich. An dieser Stelle sei ausdrücklich namentlich Valentin Tomaschek gedankt, der vermutlich die meiste Arbeit mit diesem Event hatte. Dass es kein umfangreiches Catering gab finde ich ganz und gar nicht schlimm, schließlich war der Ostbahnhof mit vielen Essensmöglichkeiten direkt um die Ecke.

Die menschliche Seite ist mir persönlich am wichtigsten, insofern haben mir die vielen Gespräche (parteiübergreifend!) am meisten Freude bereitet.

Ich komme gerne wieder.

PS: Zum Lauer-Abgang schreibe ich nichts, dazu hat Hansjörg Schmidt schon alles gesagt, was zu sagen ist.