Im Jahr eins nach Sarrazin

Die „Welt“ berichtet:

Die Akmans sind geradezu das Urbild einer gut integrierten Migrantenfamilie. Die letzten, von denen man annehmen möchte, dass sie im Zentrum einer Auseinandersetzung um Rassismus stehen würden. Aber seit Wochen ist der Frieden in der Gemeinde Bad Grund gestört. Weil Herr Akman die rassistische Äußerung eines Lehrers gegenüber seiner Tochter nicht hinnehmen wollte. Ein Bericht aus der deutschen Provinz im Jahr eins nach Sarrazin.

Tja. „Aber man muss doch sagen dürfen …“ Nein. Muss man nicht.

Sarrazin und die Taxifahrer

Taxifahrer 1:

Der türkische Taxifahrer, der mich nachts vom Bahnhof Spandau nach Hause fuhr. Bei der Ankunft stieg er aus, berührte meinen Oberarm, schüttelte mir die Hand und sagte „Gut gemacht“.

Taxifahrer 2:

Der deutsche Taxifahrer, der mich in Duisburg zum Bahnhof fuhr. Er erzählte: „Die meisten Taxikonzessionen in Duisburg gehen mittlerweile an Türken, die bieten die höchsten Preise. Und im Duisburger Taxifunk wünscht man den Taxifahrern mittlerweile alles Gute zum Opferfest, anstatt zu den Weihnachtstagen.“

These: wüsste Taxifahrer 1, dass Sarrazin nicht nur ihn, sondern auch Taxifahrer 2 dergestalt zitiert, er sagte wohl nicht „Gut gemacht“, sondern etwas nicht Jugendfreies.

Und im Übrigen hat Jakob Augstein im „Freitag“ das Notwendige über Sarrazins Lügen in der „FAZ“ geschrieben. Ausgerechnet an Weihnachten veröffentlicht die „FAZ“ so einen Unfug. Peinlich.

Theorie und Praxis

Theoretisch sollen Ärzte diesen Eid befolgen:

… Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung. …

Praktisch hat die Sarrazin-Debatte u.a. folgende Auswirkungen:

Der Arzt hatte drei Regeln verfasst. Unter anderem schrieb er: „In dieser Arztpraxis gilt ein striktes Verbot von Kopftüchern bei islamistischen Frauen und Mädchen“ sowie „Kinderreiche islamistische Familien mit mehr als 5 leiblichen Kindern werden in dieser Arztpraxis nicht behandelt“. Grundkenntnisse der deutschen Sprache werden „zwingend vorausgesetzt“.

Antideutsche gegen Sarrazin

Rasch verlinkt: zwei Antideutsche gegen Sarrazin. Zum einen, kurz und knapp und ziemlich böse, „Sarrazins Kinder“ bei „Nichtidentisches“. Zum anderen ein wirklich langer Text von Justus Wertmüller in der „Bahamas“ mit dem hübschen Titel „Frei nach Thilo Sarrazin. Leistung und Intelligenz in der Beamtenrepublik Deutschland“. Der lange Text schlägt in die gleiche Kerbe wie der kurze, insofern muss man nicht beide Texte lesen, wenn man wenig Zeit hat. Lesenswert sind sie jedenfalls beide, auch wenn man nicht vollständig übereinstimmt. (Dank für den Tipp geht an den Kollegen Mark P.)

„Sarrazin darf in der SPD bleiben“

Ich wollte nichts mehr zu Thilo Sarrazin schreiben. Aber nun gut. Ein abschließender Kommentar: für mich ist Sarrazin ein Rassist. Alan Posener sieht das wie ich. Einen schönen Hintergrundartikel zum Thema hatten wir hier auch. Ebenso eine Verteidigungsrede für Sarrazin. Und diverse Verweise auf andere Artikel.

Die Berliner Landesschiedskommission hat jetzt geurteilt: Sarrazin darf in der SPD bleiben.

Eine völlig absurde Entscheidung. Witzig ist allerdings, dass sich gerade jetzt über diese Entscheidung etliche Sozialdemokraten mit dem Verweis auf Meinungsfreiheit freuen, die noch vor wenigen Stunden den Rechtspopulismus des Guido Westerwelle beklagt haben. Obwohl, eigentlich ist es nicht witzig. Sondern eher dämlich.