Peer ist wieder da

Die letzte für die SPD erfolg­lose Bundestagswahl ist jetzt fast zwei Jahre her. Manch einer hat sie mögli­cher­weise schon wieder fast erfolg­reich verdrängt.

Keine Sorge. Gegen das Vergessen haben wir den Peer Steinbrück, den erfolg­reichs­ten Kanzlerkandidaten der SPD seit Frank-Walter Steinmeier.

Was schreibt uns Genosse Steinbrück ins Stammbuch? Man liest ja, er habe sich selbst­kri­tisch geäu­ßert zu seiner Kandidatur. Er habe Fehler einge­stan­den, hört man.

Peer Steinbrück

Was hat Steinbrück also im SPIEGEL verkün­det, gleich­sam von der Kanzel — für die Kanzlei hat es ja nicht gereicht.

Das:

Der Held der SPD ist im Übrigen nicht der Bürgermeister, nicht der Landrat, der Ministerpräsident, der Minister, der gutes poli­ti­sches Handwerk beherrscht und dem Augenmaß zuer­kannt wird, sondern es ist der gesin­nungs­ethisch und partei­ver­träg­lich stark auftre­tende Delegierte auf der Parteikonferenz.

Das ist doch schön.

Klartext, den findet Steinbrück ja super: Die Partei hat sich für Steinbrück im Wahlkampf hervor­ra­gend ins Zeug gelegt, die Fehler Steinbrücks im Wahlkampf (und es gab viele davon!) wurden soli­da­risch igno­riert und verleug­net, mitun­ter auch auf Kosten der eigenen Glaubwürdigkeit im eigenen Freundeskreis.

Zum Dank dafür also, dass die Unzulänglichkeiten Steinbrücks von den Aktiven, den Ehren- wie den Hauptamtlichen glei­cher­ma­ßen, mitge­tra­gen worden sind — zum Dank gibt’s von Steinbrück zwei Jahre später frontal eins in die Fresse.

Was sagt Steinbrück denn mit diesem Satz? Nicht nur, dass die Parteibasis im Grunde genom­men völlig verblö­det ist, da sie ja die Genialität der Führung nicht im Mindesten aner­kennt, sondern auch, dass die MandatsträgerInnen und AmtsträgerInnen der SPD letzt­end­lich Fremdkörper im „gesin­nungs­ethi­schen” System SPD sind. Schön. Sehr schön.

Die Kandidatur Steinbrücks war in der Tat ein Fehler. Ein Fehler der SPD. Steinbrück hat die Wahl versenkt und spielt sich jetzt auf wie der große Zampano. Es ist nur noch pein­lich.

PS: Dass Steinbrück der SPD bei der Gelegenheit zusätz­lich empfiehlt, die Rente mit 63 und die Mütterrente tempo­rär (tempo­rär, klar) auszu­set­zen, also die neben dem Mindestlohn erfolg­reichs­ten Gesetzesnovellen, spricht für sich, aber auch nicht für Steinbrück.

Schwarz-Gelb kann gewinnen — Rot-Grün auch

Es ist ein Glücksfall für die Demokratie, dass beide großen Lager eine Chance haben, die Bundestagswahlen zu gewin­nen. Gerade hat Schwarz-Gelb in den Umfragen eine Mehrheit, vor ein paar Wochen hatte Rot-Grün eine Mehrheit, zwischen­durch hatte keine Seite eine Mehrheit.

Ich gehe davon aus, dass sich das bis in den September noch weiter zuspit­zen wird. Das ist nicht nur gut für die Demokratie, sondern es ist auch gut für die SPD: Denn nur dann, wenn wirk­lich klar ist, dass es um etwas geht, gehen unsere WählerInnen auch in Scharen zur Wahlurne.

Die Alternativen sind ganz einfach und klar: Schwarz-Gelb mit Merkel — oder Rot-Grün mit Steinbrück.

Es sind noch einige Monate bis zur Entscheidung, auf der Wegstrecke liegt noch eine lange Sommerpause. Es ist noch nichts entschie­den, das Rennen ist komplett offen.

Also: Ärmel hoch­krem­peln, anpa­cken. Nicht kirre machen lassen. Am Ende entschei­det das Wir.

Die rote Mauritius

Zum Verkaufsstart der Sonderbriefmarke „150 Jahre SPD” wurde das Willy-Brandt-Haus am Donnerstag kurzer­hand zur Postfiliale umfunk­tio­niert — inklu­sive promi­nen­tem Schalterbeamten: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück stem­pelte unter großem Andrang die begehr­ten Wertzeichen ab. Video nach dem Klick:

Zum Verkaufsstart der Sonderbriefmarke „150 Jahre SPD” wurde das Willy-Brandt-Haus am Donnerstag kurzer­hand zur Postfiliale umfunk­tio­niert — inklu­sive promi­nen­tem Schalterbeamten: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück stem­pelte unter großem Andrang die begehr­ten Wertzeichen ab.

FDP: Jetzt ohne Logik

Peer Steinbrück hat sich zum Wahlausgang in Italien geäu­ßert:

Steinbrück hatte am Dienstagabend einen Wahlkampfauftritt in Potsdam. Er sprach über die Mehrwertsteuer und die Bundesregierung, über die Rente mit 67 und, nun ja, über den Wahlausgang in Italien. „Bis zu einem gewis­sen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewon­nen haben”, sagte er. Gemeint waren die Ergebnisse von Ex-Premier Silvio Berlusconi und Komiker Beppe Grillo.

Große Aufregung! Alle entsetzt: Da spricht einer aus, was alle denken. Die FDP: Ganz beson­ders aufge­regt.

Eine Kostprobe:

Italiens schil­lern­der Ex-Premier Silvio Berlusconi ist in Berlin nicht gerade beliebt — seine Skandale, Schmutzeleien und sein Populismus sorgen bei deut­schen Politikern oft für Augenrollen. Dass SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nun ausge­rech­net mit dem Cavaliere vergli­chen wird, dürfte ihn nicht freuen. Doch der stell­ver­tre­tende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, verspot­tet ihn genauso. „Er mutiert zuneh­mend zu einem deut­schen Peerlusconi”, sagte Wissing Handelsblatt Online.

Wissing! Zu versu­chen, Steinbrück mit dem nur mäßig origi­nel­len Namenswitz „Peerlusconi” zu schmä­hen, zeigt v.a., dass Steinbrück voll und ganz Recht gehabt hat. Denn als Lob kann Wissing das ja wohl kaum gemeint haben.

Ach, FDP. Einfach mal nur fünf Minuten nach­den­ken, bevor man sich komplett blamiert. Wäre das nichts?