Zum Papst-Rücktritt

1.
Deutschland ist der Nabel der Welt. Jedenfalls gewinnt man diesen Eindruck, wenn man Kommentare aus dem linken Spektrum zum Rücktritt des Papstes liest, die ungefähr so klingen: „Der Papst hat versagt, die Kirche ist am Ende, sie muss sich ändern, etc. pp.“ Ich übertreibe? Aber mitnichten. Ines Pohl, Chefredakteurin der „taz“, schreibt:

Gut, dass dieser Papst weg ist. Denn nichts ist gut. Nicht im Staate Vatikan und schon gar nicht im Rest der Weltkirche. Papst Benedikt XVI. ist es in seinem fast achtjährigen Pontifikat gelungen, die Befürchtungen sogar zu übertreffen.

Pohl hat offensichtlich keine Ahnung, dass es der Weltkirche hervorragend geht und sie seit Jahren wächst. Vielleicht weiß sie es auch, zieht es aber vor, es zu ignorieren – einerlei. Es bleibt eine deutschlandfixierte Analyse ohne Kenntnis von der Welt. Und wenn man sich die diversen linken/linksliberalen Medien anschaut, dann ist das quasi geradezu prototypisch.

2.
Über den Papst und die Katholische Kirche darf jedeR spotten, es mag auch noch so billig und ordinär sein. Die großen Online-Medien spielen dieses Spiel mit. Dass es in Deutschland noch immer ein Drittel Katholiken gibt, ist egal – deren Gefühle scheinen komplett irrelevant zu sein.

3.
Vielleicht war Benedikts Rücktritt die wichtigste Entscheidung für die Katholische Kirche seit Jahrzehnten – aber aus anderen Gründen, als viele Medien glauben. Denn rechtlich vorgesehen war die Möglichkeit des Rücktritts immer, nur faktisch galt: ein Papst bleibt bis zum Tode auf dem Stuhl Petri. Komme, was wolle. Das ist nun anders, Benedikts Nachfolger werden diese Option also auch haben. Und das heißt, dass die Kardinäle keinen alten Mann wählen müssen, damit es kein „ewiger“ Papst wird, sondern dass es auch ein „junger“ (also ungefähr 50 Jahre alt) werden könnte.

4.
Ich persönlich habe Ratzinger/Benedikt als großen Philosophen und Theologen immer bewundert. Es gibt nicht viele Denker von Weltrang, die zum Fürsten aufsteigen. In Benedikt wurde Platons Ideal vom Philosophenkönig verwirklicht. Benedikts Nachfolger hat übergroße Fußabdrücke zu füllen.

5.
Noch nie konnte ein Papst auf die Wahl seines Nachfolgers so umfangreich Einfluss nehmen: Die wahlberechtigten Kardinäle im Konklave, die Benedikt benannte, haben schon fast alleine die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Und, noch viel wichtiger: Benedikt/Ratzinger lebt noch und erfreut sich guter Gesundheit.

6.
Das war ein historischer Tag. Vielleicht erleben wir es nie mehr, dass ein Papst zurücktritt – aber es ist ebenso möglich, dass das künftig eine denkbare Option ist.

7.
Viele Medien haben schlicht und ergreifend keine Ahnung von der Materie und auch kein Interesse daran, sich bzw. uns ordentlich zu informieren. Dazu kann man bei Teresa mehr lesen.

Der Papst in Deutschland

Ich finde es gut und richtig, dass der Papst heute im Bundestag gesprochen hat. Die Rede war eine große, bei der FAZ kann man sie nachlesen. Ich respektiere übrigens, dass einige Abgeordnete der Rede ferngeblieben sind, auch wenn ich dafür wenig bis kein Verständnis aufbringen kann. Glücklich gemacht hat mich, dass die Demonstration gegen den Papst nur aus ungefähr 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestand – ein echter Flop in einer 3,5-Millionen-Stadt. Nicht, weil ich die Anliegen der Menschen als unberechtigt abtue – sondern weil ich diese Dagegen-Haltung nicht mag. Der Jubel der Menschen im Olympiastadion hat mich berührt – Christinnen und Christen sind eine Minderheit in Berlin, aber sie sind in der Lage gemeinsam zu feiern. Das ist eine schöne und große Tatsache, die nicht selbstverständlich ist und die deshalb Hoffnung macht.

Kulturkampf 2.0

Die Kritiker und Feinde der römisch-katholischen Kirche sehen sich gerade im Aufwind: zeigen nicht die Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche und der „suboptimale“ Umgang der Kirche mit diesen Fällen, dass „die Kirche“ eben von Grund auf böse und Gläubige per se dumm und einfältig sind? „Kulturkampf 2.0“ weiterlesen