Der Fall Edathy aus kinderpolitischer Perspektive

Es ist erstens sehr befremd­lich, dass die „Zerstörung der bürger­li­chen Exisenz” Edathys beweint wird, anstatt sich dezi­diert gegen sexua­li­sierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu stellen.

Josephin Tischner ist Bundesvorsitzende der „Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken“. In einer internen Debatte hat sie sich dezidiert zum Fall Edathy geäußert und mir freundlicherweise gestattet, diesen Text als Gastbeitrag für ROTSTEHTUNSGUT zu verwenden. Das mache ich sehr gerne – und betone dabei gleichzeitig, dass ich inhaltlich voll hinter diesem Beitrag stehe.

Es ist erstens sehr befremdlich, dass die „Zerstörung der bürgerlichen Exisenz“ Edathys beweint wird, anstatt sich dezidiert gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu stellen.

Ich finde es zweitens sehr problematisch, mit welchem Aufwand Journalisten und einige Nutzer (und ja, es sind komischerweise fast ausschließlich Männer) bei Facebook versuchen, die Taten Edathys als nicht strafrechtlich relevant zu erklären. Mir geht diese Fixierung auf strafrechtlich relevante Taten in diesem Fall deutlich am Thema vorbei.

Wir haben eine Person des öffentlichen Lebens, die (und das ist jetzt auch erwiesen) Grenzen verletzt hat. Und zwar die Grenzen von Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren.

Unsere Erfahrung im Kinder- und Jugendverband zeigt:

1. Es gibt beim Thema sexualisierte Gewalt höcht selten unbegründeten Verdacht.

2. Die Beweise, die man hat, sind meistens nur die Spitze des Eisberges.

3. Das Strafrecht bezieht längst nicht alle Grenzüberschreitungen, die Kinder und Jugendliche verletzen, mit ein.

4. Pädophilie ist in weniger als der Hälfte der Fälle die Motivation für den Täter. Bei der Ausübung von sexualisierter Gewalt geht es vorrangig um Macht.

Bei den Taten Edathys gibt es also folgende Probleme: Es sind Nacktbilder von Kindern. Die Entstehung der Bilder ist ungeklärt. Die Freiwilligkeit der Kinder ist infrage zu stellen. Edathy hat die Bilder für Geld in Auftrag gegeben oder zumindest bestellt. Wahrscheinlich gibt/gab es noch mehr Material.

Die öffentliche Diskussion erklärt ihn als Opfer und nicht zum Täter. Bei den wirklich Betroffenen (nämlich den Kindern und Jugendlichen) ist momentan niemand.

Für mich ist klar: Sein Verhalten missachtet die Grenzen von Kindern und Jugendlichen. Edathy ist als Politiker nicht mehr tragbar.