Krokodilstränen und „endlich Klartext”

Xavier Naidoo und Kool Savas haben sich zu ihrem Text geäu­ßert:

Zuerst möchten wir all unsere Sympathie und unseren großen Respekt gegen­über allen Schwulen und Lesben welt­weit bekun­den (siehe Ende: http://www.prosieben.de/tv/xavier-naidoo-und-freunde-praesentieren-sing-um-dein-leben/video/clip/2016713-auftritt-xavas-schau-nicht-mehr-zurueck-1.3431877/)
Xavier Naidoo sagt: Ich stehe, seit ich denken kann, mit der katho­li­schen Kirche auf Kriegsfuß, weil sie Schw
ule, Lesben und Transsexuelle nicht respek­tiert und akzep­tiert. Diese Haltung ist völlig inak­zep­ta­bel, und wer gegen diese Menschen Verachtung und Hass aufbringt, der hat Jesus nicht verstan­den.

Zu den Anschuldigungen möchte ich anmer­ken, dass jeder von uns, damit meine ich Savas und mich, seinen Text selbst­ge­schrie­ben hat. Den Text von „Wo sind sie jetzt” habe ich noch im Studio des Produzenten geschrie­ben während ich das Instrumental gehört habe. Es handelt sich also nicht um einen Text, der bereits exis­tierte und dann anschlie­ßend vertont wurde.
Die ersten zwei Zeilen des Textes geben den Bericht eines Augenzeugen wieder, der mir nach einem Konzert 2010 davon erzählte. Dieses Ritual beschreibe ich in kleinen Auszügen.
Ich beschäf­tige mich seit 1996 mit der Thematik, dies war kurz bevor der Fall „Dutroux“ ans Licht kam. Seitdem dachte ich, wenn ich in meinem Leben eines errei­chen möchte, dann, dass nie wieder Kinder auf diese furcht­bare Weise ums Leben kommen. Schon mit den Titeln „Wenn ich schon Kinder hätte” und 2010 mit „Sie verdie­nen einen beson­de­ren Schutz” wollte ich darauf aufmerk­sam machen.
Bitte schaut Euch auf NDR die Doku „Höllenleben” (http://www.youtube.com/watch?v=zCFXRNanSvQ )an. Diese habe ich, zwei Tage bevor ich meinen Part geschrie­ben habe, gesehen. Ich habe versucht, mich in das dort Gesehene und Gehörte hinein­zu­ver­set­zen. Ich glaube nicht, dass diese Täter schwul oder pädo­phil sind. Ich habe, da ich selbst im Alter von acht Jahren in die Hände eines pädo­phi­len Mannes geraten bin, in gewis­ser Hinsicht Verständnis für deren tragi­sches Schicksal, da sie Triebtäter sind. Und gegen ihren Trieb nichts ausrich­ten können. Im vorlie­gen­den Fall von Ritualmorden an Babys oder Kindern komme ich an eine Grenze, an der man aktiv etwas tun möchte, und selbst zur Bestie wird, um sich einer mensch­li­chen Bestie entge­gen zu stellen. Natürlich gilt der Ruf im Refrain unter anderem unseren aktu­el­len Führern, Politikern und Verantwortlichen in Medien, Polizei, Verfassungs- und sogar Staatsschutz. Es ist mir unver­ständ­lich, wie man das falsch inter­pre­tie­ren kann. Ich hoffe, dass nun das nötige Licht auf diese furcht­ba­ren Verbrechen gelenkt wird, zum Schutz der Betroffenen und der Kinder, denen dies wider­fährt und wider­fah­ren ist.
Kool Savas sagt: Ich möchte klar stellen, dass es nie die Absicht unseres Liedes war, Homosexualität und Pädophilie gleich­zu­set­zen, oder zur Gewalt gegen Menschen aufzu­ru­fen. Ich hatte auch nie den Eindruck, dass die Textzeilen von Xavier falsch verstan­den werden könnten. Unsere Absicht war nie eine nega­tive. Was künst­le­risch versucht wurde, war es, die Verzweiflung und die Wut zum Ausdruck zu bringen, die ein Mensch genau in der Sekunde empfin­det, in der er erfährt, dass ein Kind miss­braucht wurde. Ich hoffe, dass wir mit dieser Erklärung alle Bedenken und Fehlinterpretationen unseres Liedes ausräu­men konnten.

Weitere Links zu diesem Thema: http://lichtstrahlen-oldenburg.de/lichtstrahlen/filme/hollenleben-1/ oder http://www.multidot.de/Hinweis.htm

In Liebe und Hochachtung,
XAVAS

Rührend. Dicke fette Krokodilstränen.

Naidoos Fans reden da schon eher klare Kante.

zuerst muss ich mich mal fragen ob eigent­lich die Politiker in Deutschland nichts anderes zu tun haben als Songtexte zu kontrollieren?!!!!zum zweiten : der Song spie­gelt wirk­lich das nieder was in den Haushälten oder Straßen auf der Welt passiert. Alle schauen da weg. Ich finde den Grundgedanke diesen Song zu präsen­tie­ren wirk­lich klasse! Da kann man wirk­lich nur in die Hände klat­schen! Nur weil 2 Leute (Xavier und Savas) es auf den punkt gebracht haben spielen die verrückt!!! unver­ständ­lich !!!!

Endlich einer, der das Thema aufgreift! Wer Höllenleben gesehen hat, weiß, dass man endlich was tun muss. Vergewaltigte Kinder, die Babys kriegen und vor anderen töten und deren Herz essen müssen, weil es Kraft gibt.… Und ihr heult rum weil jemand mal Klartext redet.… Mach weiter so Xavier, meinen Respekt hast du.…

LIEBER XAVIER BRAVO FUR DIE WAHRHEIT:))))DIE BETROFFENE HABEN SICH SOFORT ERKANNT.DU HAST DEIN MISSION GESCHAFFT:))))))U DER GANZE SYSTEM ZITERT SICH VON WAHRHEIT HAHAHA BUSSI U TSCUSSI AN GANZE MANNHEIM:)))))))P.S.JEZT WEIST GANZE WELT DAS DIE WAHRHEIT IST VERBOTEN IN DEUTSCHLAND.….LG VON WORLDFACE:))))

also ich finde ja bei dem thema kinder hört jede venupft auf, da gibt es keine rich­tige wort wahl meiner meinung nach sollte man kinder schän­der im keller an ketten vehun­gern lassen oder gleich die kugel. mein rispeckt an Xavier Naidoo.

es is doch ganz einfach so: wenn man ein biss­chen Menschenkenntnis besitzt und ansons­ten bei Xaviers Songs auf die Texte achtet, dann kennt man seine prin­zi­pi­elle Einstellung und kommt gar nicht auf die absurde Idee, Xavier oder Savas könnten auch nur im Ansatz was gegen Schwule, Lesben, Transen usw. haben… ja und wenn man dann noch bei dem spezi­el­len Song hin hört, dann sind das doch genau die Gedanken, die man hat, wenn man mal wieder in den Nachrichten sieht oder liest, dass schon wieder ein kleines unschul­di­ges Kind miss­han­delt oder miss­braucht wurde, zum Teil auf so abson­der­li­che Art und Weise, dass einem das Kotzen im Hals steckt und man dem Täter Schmerzen ohne Ende wünscht, einen lang­sa­men, grau­sa­men Tod als gerechte Bestrafung empfin­det und was nicht noch alles.. ich versteh das Rumgetue nicht und finde auch, dass die Entschuldigungen oder Erklärungen, die Xavas abge­ge­ben haben, über­flüs­sig sind, da es eigent­lich vorher schon unmiss­ver­ständ­lich war.. nichts­des­to­trotz, was tut man nicht alles, um wirk­lich jeden Deppen, der es von allein nicht blickt, zu errei­chen… ich an eurer Stelle würd den Bonus-Track lassen wo er ist.. jo, das von mir zu diesem Thema. Weiterhin alles Gute und ich geb ja die Hoffnung nicht auf, euch beide mal irgendwo zu treffen, ein Pläuschchen zu halten und wenn nicht, dann hör ich mir weiter eure geile Mukke an :)

Zu dem Gesagten von Xavier Naidoo; Jesus akzep­tiert zwar jeden Menschen und liebt ihn ohne Bedingung aber trotz­dem heißt er das schwul­sein nicht gut.

Ich denke zu diesem Thema genau dasselbe wie zu Thilo Sarrazin:
Hier wurde das gesagt was der Großteil der Deutschen denkt!

Nicht unter­krie­gen lassen, Deutschland(zumindest der denkende Teil) steht hinter euch!

Xavier hat einen Orden dafür verdient!!!!!! Strafanzeige???? Paaaaa das ich nicht Lache für sowas reagiert man schnell aber wenn es um Kindesmisshandlung geht dauert es ewig bis zu einer Anzeige , oder man bekommt Freispruch !!!! Dieser Text dieses Lied ist ein muss!!! Es gibt kein Land auf der ganzen Welt wo so viele Kinder miss­han­delt werden wie in Deutschland !!! Und wo die Strafen so milde ausfal­len bzw wo es nicht einmal Strafen gibt !!!! Eine Schande ist das !!!!! Xavier naidoo du hast einen Orden verdient !!!!!!!!

‎.…ja unter dem deck­män­tel­chen der kirche/politik lässt sich vieles verschwei­gen. und dann kommt einer und nennt die dinge beim namen und will aufmerk­sam machen auf viele missstände/missbräuche, dann wird er ange­zeigt! hatten wir das nicht schon vor ca. 2000 jahren? heute werden sie zu deinem glück Xavier, nicht mehr ans kreuz gena­gelt!!!! ich habe respekt für menschen die für ihre sache einste­hen und hoffe es wird noch viele mehr geben die so sind wie Xavier:)

Quelle: https://www.facebook.com/XavierNaidoo

Und das sind nur die aktu­el­len Beiträge.

Naidoo, Savas und die Ritualmorde

Xavier Naidoo und Kool Savas haben gemein­sam ein Album aufge­nom­men, bei der in Form eines sog. „Hidden Tracks” u.a. folgen­der Text zu hören ist:

Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?

(Zitiert nach: http://www.freitag.de/autoren/liebernichts/hidden-track)

Darin ist ober­fläch­lich enthal­ten: Gewalt- und Vergewaltigungsphantasien gegen Menschen, die sich der Vergewaltigung von Kindern schul­dig gemacht haben, Androhung von Mord. „Ihr tötet Kinder und Föten” meint wohl Abtreibungsärzte — Frauen können in der Welt von Naidoo/Savas wohl keine Ärztin sein, denn: „ich zerquetsch euch die Klöten”. Die Zeile „Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?” zeigt eindeu­tig an, dass der Liedtext mitnich­ten ausschließ­lich auf Menschen gerich­tet ist, die Kinder verge­wal­ti­gen, sondern auf schwule Männer allge­mein. Naidoo/Savas unter­stel­len Schwulen also impli­zit, sie würden Kinder verge­wal­ti­gen. Hilfe kann nur einer bringen: der starke Führer. „Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?”

Ein Text voller Hass. Hass gegen Frauen, Hass gegen Schwule, Hass gegen Abtreibungsärzte. Und voller Sehnsucht nach einem „Führer”. Ein wider­li­cher Text.

Ich frage mich, ob Kool Savas über­haupt versteht, was er da getex­tet hat — seine Zitate auf Twitter deuten nicht darauf hin:

Unser Song über Kindesmissbrauch ist in der Tat schlim­mer als die Statements der anderen Jungs stimmt’s ?

(Zitiert nach: http://meinrap.de/2012/11/13/kool-savas-ausert-sich-zu-den-vorwurfen-der-linksjugend/)

Savas scheint zu glauben, es ginge im gemein­sa­men Text mit Naidoo ausschließ­lich um „Kindesmissbrauch”. Die Bedeutung dessen, was er dort noch rappt, geht ihm mögli­cher­weise gar nicht auf — oder er flüch­tet sich in Schutzbehauptungen. Beurteilen kann ich das letzt­end­lich nicht.

Naidoo indes­sen weiß offen­sicht­lich sehr genau, was er tut:

Xavier Naidoo dagegen fühlt sich miss­ver­stan­den. Dem Radiosender FFN sagte er: „Da geht es um furcht­bare Ritualmorde an Kindern, die tatsäch­lich ganz viel in Europa passie­ren, über die aber nie jemand spricht, nie jemand berich­tet.”

(Quelle: http://www.bz-berlin.de/thema/voice-of-germany/hetz-song-xavier-naidoo-angezeigt-article1581874.html)

Hier wird es nun so richtig eklig und es wird klar, was Naidoo in diesem Text noch im Sinn hatte; mitnich­ten geh es ihm „nur” um Vergewaltigung von Kindern, er erfin­det noch die dunkle Bedrohung „furcht­bare Ritualmorde an Kindern”, über die angeb­lich „nie jemand spricht, nie jemand berich­tet”. Ist das vorstell­bar? „Furchtbare Ritualmorde an Kindern”, über die „nie jemand berich­tet”? Wie soll das in unserer Medienwelt funk­tio­nie­ren? Das funk­tio­nierte natür­lich nur, wenn es ein mäch­ti­ges Kartell gäbe, das Berichte dieser Art zensiert und unter­drückt. Zu dieser Wahnvorstellung passt hervor­ra­gend, dass das Motiv „Ritualmord an Kindern” ein uraltes anti­se­mi­ti­sches Topos ist und schon im Mittelalter genutzt wurde, um Pogrome an jüdi­schen Gemeinden durch­zu­füh­ren.

Alles in allem: mir fehlen ein biss­chen die Worte. Dass solche Zeilen in Deutschland im Jahr 2012 von einem bekann­ten Musiker wie Naidoo geschrie­ben und gesun­gen werden können, ohne dass es jemand bei den Verantwortlichen im Label bemerkt bzw. bean­stan­det — das ist extrem. Wäre Naidoo irgend­ein unbe­deu­ten­der Provinzkünstler wie bspw. die Band Bandbreite, wäre das alles erwart­bar und nicht weiter erwäh­nens­wert. Aber Naidoo gehört zum popkul­tu­rel­len Establishment Deutschlands — und kann problem­los so einen Dreck veröf­fent­li­chen. Die „Welt” hat den Song in der Tat schon vor einigen Wochen behan­delt, aber nur am Rand und nur im Kulturressort. Das ist zu wenig. Naidoo schürt Hass, sein Text ist problem­los anschluss­fä­hig zur „Neuen Rechten”. Er macht Politik und muss poli­tisch bekämpft werden. Das ist jetzt die Aufgabe der Zivilgesellschaft.

Wer sich gegen Rechtsextremismus engagiert, macht sich verdächtig! Aufruf gegen Generalverdacht und Bekenntniszwang

In der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung wurde beschlos­sen, die Bundesprogramme gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus auszu­wei­ten. Auch die Auseinandersetzung mit Linksextremismus wurde zur Zielsetzung erklärt. Dagegen wurde in einer unter dem Titel „Folgenreiche Realitätsverleugnung: Das neue Extremismusbekämpfungsprogramm der Bundesregierung“ veröf­fent­lich­ten Erklärung u.a. einge­wandt, dass dieser Neuakzentuierung der Bundesprogramme keine fach­lich begrün­dete Problemdiagnose, sondern das poli­ti­sche Motiv zu Grunde liegt, eine verän­derte Gefahrendiagnose durch­zu­set­zen; eine Gefahrendiagnose, die auf einer nicht akzep­ta­blen Gleichsetzung linker Gesellschaftskritik mit anti­de­mo­kra­ti­schen und rassis­ti­schen Positionen basiert. Zu befürch­ten war, dass dies zu einer Ausgrenzung anti­ras­sis­ti­scher Initiativen und Projekte aus dem Kreis derje­ni­gen führen wird, die als Angehörige der demo­kra­ti­schen Zivilgesellschaft und damit als legi­time Gegner des Rechtsextremismus aner­kannt werden. „Wer sich gegen Rechtsextremismus enga­giert, macht sich verdäch­tig! Aufruf gegen Generalverdacht und Bekenntniszwang“ weiter­le­sen

Neue Eskalationsstufe: Aaron Koenig verlinkt Anti-Islam-Propaganda-Filmchen

Aaron Koenig, Mitglied im Bundesvorstand der Piratenpartei, kann’s nicht lassen: obwohl er herbe Kritik für seine Anti-Islam-Hetze einste­cken musste und die „taz” schon berich­tete, macht er einfach weiter: aktuell verlinkt er ein Anti-Islam-Propaganda-Filmchen. „Neue Eskalationsstufe: Aaron Koenig verlinkt Anti-Islam-Propaganda-Filmchen“ weiter­le­sen

Kurz verlinkt: Dirk von Lowtzow über Antisemitismus

Julia Seeliger hat mit Dirk von Lowtzow ein Interview geführt, und ich finde es wunder­bar und absolut richtig, was der Tocotronic-Sänger postu­liert:

Und es wird viel mit vermeint­li­chen Gleichsetzungen gear­bei­tet – in Wirklichkeit ist es oft blanker Antisemitismus, was getarnt als Israelkritik daher­kommt.

Piratenpartei-Querfront: „Freiheit über alles!”

An dieser Stelle habe ich einmal die Befürchtung geäu­ßert, die Piratenpartei könne der SPD eine weitere Generation entzie­hen, nachdem sie schon eine Generation an die Grünen und eine weitere teil­weise an die Linkspartei verlo­ren hat.

Nun ist mir klar: die Befürchtung war unnötig. Die Piratenpartei hat es geschafft, Menschen in Spitzenämter zu wählen, die mit einem für Politiker unge­wöhn­li­chen Attribut tref­fend beschrie­ben sind: sie sind unpo­li­tisch. „Piratenpartei-Querfront: „Freiheit über alles!”“ weiter­le­sen