Ein paar Sätze zur „Digitalen Gesellschaft e.V.”

Ich finde Markus Beckedahl gut. Und ich finde „netzpolitik.org” gut. Und ich finde die mir bekann­ten Beteiligten an „Digitale Gesellschaft e.V.” gut. Aber ich bin der Meinung, dass der gewählte Weg der falsche ist. Wenn man Transparenz von der Politik einfor­dert, wenn man mehr Demokratie einfor­dert, mehr Partizipationsmöglichkeitein einfor­dert, etc. pp. — dann kann man nicht einen Verein gründen, dessen Strukturen das Gegenteil von dem ausma­chen, was man einfor­dert.

Es ist nicht klar, wer alles mitmacht bei „Digitale Gesellschaft e.V.”; die Satzung ist nicht online; andere Leute können derzeit nicht Mitglied werden und auf den Kurs des Vereins ergo auch keinen Einfluss nehmen. Das ist von Markus auch genau so geplant — und ich finde es falsch.

Wohlgemerkt: ich finde die Vereinsgründung an sich richtig und gut und ich habe auch kein Problem mit dem Namen „Digitale Gesellschaft”. Dass der Verein nicht für „die” digi­tale Gesellschaft ist ja wohl offen­sicht­lich. Eine „Anmaßung” sehe ich da auch nicht. Der „Verein Deutsche Sprache” spricht ja auch nicht für die deut­sche Sprachgemeinschaft (da bin ich übri­gens Mitglied). Sondern für seine Mitglieder, die dessen Ziele richtig und gut finden (so wie mich). Und das „Institut Solidarische Moderne” spricht nicht für die soli­da­ri­sche Moderne, so wenig wie die INSM den Alleinvertretungsanspruch für die Marktwirtschaft hat.

Wenn der „Digitale Gesellschaft e.V.” aller­dings nur ein weite­rer Lobbyverband sein will, dann ist das auch okay; ich fände das zwar schade, weil ich glaube, dass ein offener Verein, in den sich alle einbrin­gen könnten, die daran Interesse hätten, mehr Einfluss hätte — aber letzt­lich ist es die Entscheidung von Markus und seinen Mit-Vereinsgründern.

Wäre mehr Transparenz von Anfang da, dann könnten auch nicht CDU-MdB ganz locker den Gegner ausschal­ten. Und die Kollegen am linken Rand könnten nicht andeu­ten, dass es nichts anderes als ein „grünes U‑Boot” sei. Ich glaube das jeden­falls nicht — ein „grünes U‑Boot” kann es nicht sein, da jeder, der es wissen will, weiß, dass Markus bei den Grünen Mitglied ist. Wäre es ein U‑Boot, dann wäre es das am schlech­tes­ten getarne U‑Boot aller Zeiten.

Außerdem verweise ich noch auf Nico Lumma und auf einen Rant bei „netzpolitik.org”, der eigent­lich gar kein Rant ist und laut Autor auch nichts mit diesem Thema zu tun hat.

Wie auch immer. Wir werden schon irgend­wie klar­kom­men.

6 Jahre netzpolitik.org: Glückwunsch! Nebst Anmerkungen zu Blogs im Allgemeinen

netzpolitik.org feiert Geburtstag und alle feiern mit. Alles Gute!

Besonders inter­es­sant:

Bevor ich zu einigen Highlights der letzten sechs Jahre komme, viel­leicht mal ein paar Statistiken. Insgesamt finden sich 8,651 Artikel im System und 68,096 Kommentare. Nicht gezählt sind die vom Spamfilter aussor­tier­ten Kommentare, die dürften in die Millionen gehen. Wir tracken nicht so genau, wieviele Menschen hier vorbei­kom­men, aber im Monat sind es regel­mä­ßig über eine Million Besucher bei rund vier Millionen Seitenabrufen.

Wenn das stimmt, und ich wüsste nicht, warum es nicht stimmen sollte, dann bedeu­tet das:

  1. Es ist möglich, als Einzelkämpfer mit viel Arbeit und Mühe erfolg­reich zu sein. Das ist die indi­vi­du­elle Perspektive.
  2. Verlage müssen aufpas­sen: ihre Vorherrschaft in der Medienlandschaft ist nicht gott­ge­ge­ben. Besonders Lokalblogs werden meiner Meinung nach noch stark zuneh­men und haben das Potenzial, Lokalzeitungen das Wasser abzu­gra­ben. Das ist die mediale Perspektive.
  3. Die SPD und der Vorwärts verschen­ken ein riesi­ges Potenzial. Es wäre ein Leichtes, ein Team von 10 Leuten zu finan­zie­ren, die nur die Aufgabe haben, ein Blog aus sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Perspektive zu betrei­ben. Leider ist vorwärts.de grob unter­fi­nan­ziert und spd.de wird ständig neu gestal­tet. Es fehlt, mit einem Wort, an Nachhaltigkeit. Das ist die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Perspektive.