ARD-Chefin Monika Piel im Interview: „Google ist ‚natürlich’ eine Bedrohung für die ARD”

Das Interview mit der neuen ARD-Vorsitzenden Monika Piel im „Tagesspiegel” ist eine einzige Katastrophe. Auf jeden Knaller folgt noch einer, man weiß nicht, was schlim­mer ist. Einige Auszüge kommen­tiert:

Diese Entwicklung führt doch aber zu bedeu­tend mehr Zentralismus in der ARD, oder?

Ja. Das ist ein Stück mehr Zentralismus, der aber wirt­schaft­lich sehr viel Sinn macht.

Zentralismus macht selten Sinn. Gerade die föde­rale ARD sollte sich hüten vor vermeint­li­chen Effizienzsteigerungen qua Zentralisierung.

Diese Prüfung der Online-Präsenz durch die Rundfunkräte, der soge­nannte Dreistufentest, gilt als büro­kra­ti­sches Monstrum. Ist er über­haupt praxis­taug­lich?

Der Dreistufentest ist natür­lich ein Bremsklotz. Wir mussten in der ARD viel Geld für Gutachten ausge­ben, um die markt­wirt­schaft­li­chen Auswirkungen unserer Internetangebote zu über­prü­fen. Ich bin über die Beschränkung im Netz aber gar nicht in allen Punkten unglück­lich. Es darf nicht um Masse im Web gehen. Lieber weniger Inhalte im Internet, aber dafür höchste Qualität.

Nicht zu fassen: die ARD-Chefin ist „nicht in allen Punkten unglück­lich” darüber, dass die ARD im Internet nicht alles machen darf, was möglich wäre. Äh?

Da machen Sie es sich aber einfach. Sie treten mit Ihren Netz-Seiten doch auch gegen die Informationsangebote von Zeitungen und Zeitschriften an, die mit ihren Internetangeboten noch kein Geld verdie­nen. Ist es nicht unfair, mit Gebührengeldern den Wettbewerb zu verzer­ren?

Ich suche das Gespräch mit den Verlagen. Ich verstehe die Lage der Zeitungen und Zeitschriften, von denen viele in einer unge­heuer schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen Lage sind. Mir liegt daran, dass die Printbranche über­lebt.

Ähhhhh? Die Aufgabe der ARD-Chefin ist es nicht, das Überleben der „Printbranche” zu organ­sie­ren. Dafür ist die Printbranche verant­wort­lich und mögli­cher­weise die Politik, wenn die gesell­schaft­li­che Stimmung so sein sollte. Die ARD-Chefin hinge­gen ist für die ARD zustän­dig.

Was tun Sie, um den Zeitungen zu helfen?

Wir bieten Kooperationen an. Mathias Döpfner, der Springer-Chef, denkt bei diesem Thema in die rich­tige Richtung. Er will eine Allianz der Qualitätsanbieter im Wettbewerb, unter anderem gegen Google, Apple und Vodafone. Die ARD steht dafür bereit.

ARD-Chefin macht sich mit Axel-Springer-Chef (!!) gemein. Bämm. Dümmer geht’s eben immer.

Ist Google eine Bedrohung für die ARD?

Natürlich. Das gilt aber nicht nur für uns, sondern für alle Qualitätsmedien.

Der abso­lute Hammer. Warum sollte ausge­rech­net die gebüh­ren­fi­nan­zierte (!!) ARD (!!!!!) von Google bedroht werden? Mal abge­se­hen von der Tatsache, dass keine Zeitung von Google bedroht wird.

Die private Konkurrenz hat prak­tisch bei der Information die Waffen gestreckt …

… das ist doch logisch. Mit Information kann man schließ­lich kein Geld verdie­nen. Wenn ich ein kommer­zi­el­les Unternehmen leiten würde, würde ich das ähnlich machen.

Achso. Na dann.

Sind Sie damit denn schon zufrie­den?

Nein, ich wünsche mir mehr Innovation, mehr Schräges. Ich ermun­tere unsere Mitarbeiter: Seid mutig, Neues auszu­pro­bie­ren! Heute braucht man sonst sofort vom ersten Tag an Erfolg. Es gibt zu wenig Nischen, um sich zu entwi­ckeln. Daran müssen auch wir arbei­ten.

Einerseits mehr Zentralismus einfüh­ren, ande­rer­seits zu wenige Nischen bekla­gen. Ahja.

Ihr Kollege von Pro Sieben Sat 1, Thomas Ebeling, verdient rund sechs­mal so viel wie Sie.

Ich habe hier nie wegen des Geldes gear­bei­tet. Mancher Produzent oder Moderator verdient deut­lich mehr als eine Senderchefin. Als ich zur Intendantin gewählt wurde, wusste ich nicht einmal, wie viel ich verdie­nen werde. Ich bin Überzeugungstäterin.

Na klar, kosten­los würde sie wohl auch arbei­ten. Puh.

Ich bin ja wirk­lich ein über­zeug­ter Freund des öffent­lich-recht­li­chen Rundfunksystems. Aber Leute wie Frau Piel machen es mir richtig, richtig schwer.