Immer druff

Liebe Leute, die ich mehrheitlich eigentlich schätze: ist das euer Ernst, gefühlte 1000 Kommentare ins Internet zu stellen, weil sich ein paar Leute von der Grünen Jugend gegen Rassismus engagieren, sich dabei aber ein bisschen doof anstellen?

So wollt ihr die Gesellschaft positiv verändern? Wirklich?

Mein Tipp: das wird nicht klappen.

Fragen zur deutschen Mehrheitsgesellschaft

Was ist „deutsch“, was ist die deutsche Mehrheitsgesellschaft? Wann ist Integration abgeschlossen, was ist das Ziel von Integration? Wann ist man ein „guter Deutscher“? Muss man ein „guter Deutscher“ sein, um in Deutschland zu leben? Muss man Deutscher sein, um in Deutschland zu leben? Müssen alle in Deutschland Lebenden die deutsche Sprache beherrschen? Welche „deutsche Sprache“ überhaupt? Sind Dialekte bald verboten? Müssen Schwaben und Sachsen befürchten, abgeschoben zu werden?

Warum spricht niemand über die grandios gescheiterte Integration der Russlanddeutschen? Was halten eigentlich die diversen Subkulturen von dem Ansinnen, eine deutsche Mehrheitsgesellschaft zu definieren? Ist Abweichung von dieser Mehrheitsgesellschaft bald verboten? Müssen Techno-Liebhaber, Swinger-Club-Besucher und Hip-Hopper bald Gefängnis wegen Norm-Abweichung befürchten?

Dürfen in Deutschland nur Menschen leben, die zur Wirtschaftsleistung etwas beitragen? Was machen die, die das nicht können, aus welchen Gründen auch immer? Sind Nicht-Akademiker wertlos, wie Sarrazin insistiert?

Wer definiert überhaupt die deutsche Mehrheitsgesellschaft? Ich mag Wagner, die SPD und Döner, bin evangelischer Christ und Mitglied im Heimatverein, außerdem wurde ich schon als „Mustafa“ angesprochen. Wie passe ich da rein? Gibt es eine deutsche Mehrheitsgesellschaft? Wenn ja, wie sieht diese aus? Wie groß ist diese Mehrheit? Was haben Niederbayern mit Niedersachsen am Hut? Was hat der Arbeiter am Fließband mit dem Professor für Gräzistik gemeinsam? Was ist eine Parallelgesellschaft? Sind sudetendeutsche Trachtenzüge gefährliche Parallelgesellschaften?

Eine Antwort auf diese Fragen ist: die Debatte geht am eigentlichen Thema völlig vorbei. Es geht nicht um „deutsch“, „nicht-deutsch“, „un-deutsch“, „fremd“. Jedenfalls sollte es nicht darum gehen.

In Deutschland leben ist schön, weil es eben (fast) keine Vorschriften gibt, wie man zu leben hat: es ist okay, Fußball nicht zu mögen, es ist okay, nicht in die Kirche zu gehen, es ist okay, schwäbisch und sächsisch zu sprechen, es ist okay, schwul und Metzger zu sein, es ist okay, Taxifahrer zu sein, es ist okay, Millionär zu sein. Es ist okay, Moslem zu sein. Es ist, mit einem Wort, eine ziemlich offene Gesellschaft.

Diese offene Gesellschaft ist Kulturkämpfern notwendigerweise ein Dorn im Auge. Sie muss es sein, da sie „ihre“ eigene Kultur als überlegen betrachten. Sie ertragen es nicht, dass Menschen Eminem hören und Burger essen und die Vorzüge Brahms und Kafkas nicht erkennen. Sie wollen keine Raucherkneipen, auch wenn sie diese niemals besuchen würden, sie wollen Konsum und Kommerz.

Deutschland ist heute eine offene Gesellschaft in bester humanistischer Tradition. Die Menschen können sich frei entscheiden, wie sie ihr Leben verbringen wollen, ob sie rund um die Uhr arbeiten, ob sie Fußball oder Backgammon spielen, ob sie ihre Heimat lieben oder gegen Deutschland raven. Es liegt an den Menschen, was aus unserem Land wird.

Den Schlusssatz überlasse ich dem ollen Bert Brecht:

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s.
Und das liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.