Mindestlohn? Maximallohn! Von Gleichheit und Gerechtigkeit

Geld ist ein Kommunikationsmittel: Auf dem sogen. freien Markt des Kapitalismus äußern wir unsere Bedürfnisse mit der Zahlungsbereitschaft für ein bestimm­tes Gut oder eine spezi­elle Dienstleistung. Unter diesen Spielregeln betrach­tet können die hunger­lei­den­den Menschen der dritten Welt noch so laut nach Nahrung schreien, solange sie kein Geld haben, um ihre Bedürfnisse auf dem Markt zu arti­ku­lie­ren, werden ihre Schreie unge­hört verhal­len und ihre drin­gend benö­tigte Nahrung an anderer, zahlungs­kräf­ti­ge­rer Stelle konsu­miert.

Aber ist das gerecht? Hatten wir nicht alle einmal den Traum der Demokratie: Ein Mensch, eine Stimme? Aber was zählt diese Stimme in dieser kapi­ta­lis­ti­schen Welt, wenn sie nicht von Geld unter­mau­ert ist? Richtig: Nichts! Um eine gerech­tere Welt inner­halb dieses Systems zu schaf­fen, braucht es also die gleiche Verteilung des einen Kommunikationsmittels Geld über alle Menschen und um uns diesem Ziel zumin­dest Schrittweise zu nähern, braucht es nicht nur einen Mindestlohn, sondern auch einen Maximallohn!

Je glei­cher eine Gesellschaft ist, desto glück­li­cher ist ihre Bevölkerung, dies belegen Kate Pickett und Richard Wilkinson in ihrem Werk “Gleichheit ist Glück” sehr eindrucks­voll mit Statistiken von UN, WHO und Unicef. Dabei bedeu­tet Gleichheit nicht Gleichmacherei, wie es uns die Konservativen so gerne einre­den wollen. Es geht nicht darum, dass alle das gleiche lernen, denken, sagen oder anzie­hen, im Gegenteil: Es geht um Gerechtigkeit! Die glei­chen Rechte vor dem Gesetz, die glei­chen Chancen auf ein selbst-bestimm­tes, erfüll­tes und glück­li­ches Leben, Gleichberechtigung und Gleichbehandlung unab­hän­gig von Geschlecht, Herkunft, Religion, Alter oder poli­ti­scher Ansicht. Es geht um die Frage, ob nicht alle Menschen für den Einsatz ihrer Lebenszeit den selben Lohn erhal­ten sollten, denn kein Menschenleben ist mehr wert als ein anderes! Damit haben auch all die Minuten unserer indi­vi­du­el­len Leben den glei­chen Wert, egal ob Manager_in oder Sekretär_in.

Die Ungleichheit von Löhnen ist die Wurzel für das auf dieser Welt ungleich verteilte Kapital. Seit dem Kapitalismus die Konkurrenz ausge­gan­gen ist, wird die Produktionssteigerung durch tech­no­lo­gi­schen Fortschritt fast gänz­lich von den Topgehältern der oberen 10% der Bevölkerung aufge­fres­sen. Keine Arbeitszeitverkürzung mehr, keine, alle arbei­ten­den Menschen umfas­sen­den Lohnerhöhungen, nur noch Kapitalanhäufung, aus denen wilde Spekulationen auf unge­zähm­ten Finanzmärkten entsprin­gen und die uns von einer Krise in die nächste Krise stützen.

Mehr noch: Die Ungleichverteilung des Kapitals ist die Quelle für Neid und Missgunst. Daraus resul­tie­ren Unglück, Gewalt, Kriminalität. Ungleichverteilung von Geld ist die Saat für eine Gesellschaft voller Misstrauen und Angst! Wollen wir wirk­lich so leben?

Wenn wir diese Welt wieder auf einen gerech­ten Weg bringen wollen, reicht es nicht aus zu Fragen, welchen Mindestlohn ein Mensch verdie­nen muss, um von seinem Gehalt ein menschen­wür­di­ges Leben führen zu können. Wir müssen uns auch fragen, ob es gerecht ist, wenn ein Mensch das zehn-, das hundert-, oder gar das tausend­fa­che des Gehaltes der anderen verdient. Ich fordere daher nicht nur den Mindestlohn, sondern ganz offen auch den Maximallohn!