Klöckners Pyrrhussieg

König Pyrrhus war ein großer Feldherr, der der noch jungen Republik Rom um 280 v. Chr. herbe Niederlagen beibrachte. Nach einer Schlacht soll er verzwei­felt „Noch ein solcher Sieg und ich bin verlo­ren!” ausge­ru­fen haben. Denn die freien Bürger Roms kämpf­ten so tapfer, so voller Hingabe, dass ihre Niederlage ein viel zu teuer erkämpf­ter Sieg mit hohen Verlusten für die sieg­rei­chen Truppen Pyrrhus’ war. Ein Pyrrhussieg eben.

Julia Klöckner war einmal Weinkönigin und hält sich auch für eine große Strategin. Sie ist Vorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz und darf sich in der Tat der Tatsache rühmen, die völlig zerstrit­tene CDU in Helmut Kohls Heimat auf Linie gebracht zu haben. Klöckner hat die CDU-Fraktion im Griff, Verhaltensauffällige gibt es dort nicht mehr. Klöckner dachte daran, ihre neu erwor­bene Stärke frontal gegen Kurt Beck zu richten. Denn der Nürburgring kostet unsin­nige Millionen, Geld, das das Land Rheinland-Pfalz anderswo besser gebrau­chen könnte.

Ein Misstrauensantrag musste also her, der erste seit 60 Jahren. Klöckner wütete gegen Beck, gegen die „grünen Lemminge”, gegen die SPD, was man eben so macht, wenn man in der Opposition ist.

Das Ziel Klöckners war offen­sicht­lich: Mit möglichst viel Dreck werfen, Staub aufwir­beln, die Presse anfeu­ern, Trubel erzeu­gen. Der SPD maxi­ma­len Schaden zufügen. Wenn man der neues­ten Umfrage Glauben schen­ken mag, dann mit Erfolg: Die CDU hat deut­lich zuge­legt, die SPD verlo­ren. Ein gefühl­ter Sieg für Klöckner also, wenn die Abstimmung im Landtag auch klar für Beck ausging.

Aber ach, der Sieg war eben nur gefühlt. Denn was hat Klöckner letzt­end­lich erreicht? Sie hat die Grünen noch fester an die SPD geschmie­det, obwohl die Grünen in Rheinland-Pfalz mitnich­ten natür­li­che Verbündete der SPD waren. Niemand jenseits der CDU stimmte gegen Beck, die rot-grüne Mauer war so hart wie Beton. Vor der Wahl stand Schwarz-Grün unter der moder­nen Julia Klöckner zeit­wei­lig durch­aus ganz ernst­haft im Raum, diese Perspektive ist nun auf lange Zeit zerbro­chen.

Es ist nicht klug, sich mutwil­lig der eigenen Optionen zu berau­ben.

Genau!

Am 19.12.2010 ist in der „Welt” ein Interview mit der netten Julia zu lesen:

Die Welt: Frau Klöckner, Sie wollen aus „Rheinland-Filz” Rheinland-Pfalz machen. Spüren Sie eine Wechselstimmung im Land?

Julia Klöckner: Ja, denn die Leute haben es satt, wenn mit ihren Steuergeldern Parteifreunde der SPD versorgt werden.

Und, jetzt der Hammer: am 20.12.2010, auch in der „Welt”:

Die derzei­tige Parteivorsitzende und Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am 27. März, Julia Klöckner, zeigte sich „empört“ und „enttäuscht“ von den neuen Erkenntnissen. Sie kündigt an,„umgehend klar Schiff zu machen“. Die Altlasten würden besei­tigt. „Wir sind von dem dama­li­gen Landes- und Fraktionsvorsitzenden Böhr hinters Licht geführt worden“, sagte Klöckner.

Genau! Immer die anderen! Empört ist sie, die Julia. Als stell­ver­tre­tende CDU-Landesvorsitzende (2006−2010) bekommt man ja auch so wenig mit, gell?

Die Bimbes-CDU ist wieder da. Super.