Beschneidung in Deutschland

In den letzten Monaten konnte die interessierte Öffentlichkeit staunend verfolgen, wie nach einem Urteil des Landgerichts Köln plötzlich das halbe Internet voll mit Experten (gefühlte 99 Prozent der Erregten waren männlich) zur Beschneidung, zum Humanismus und zum liberalen Judentum waren. Warum? Weil das Landgericht Köln urteilte, dass Beschneidung bei Jungen eine Körperverletzung sei und sich Ärzte strafbar machten, wenn sie diese durchführen. „Beschneidung in Deutschland“ weiterlesen

Kurz verlinkt: Warum Juden nicht das Geschäft der Rassisten besorgen sollten

Alan Posener bringt einige sehr richtige Dinge auf den Punkt:

Zu den guten Traditionen des Diaspora-Judentums gehört es, sich mit anderen Minderheiten solidarisch zu erklären und ihnen beizustehen, wenn der Mehrheit, was immer wieder geschieht, die Sicherungen durchknallen. (Diese Sicherungen nennt man heutzutage „politische Korrektheit“.) Die Juden tun dies nicht, weil sie – etwa infolge eines besonderen Gens – von Natur aus Gut- oder Bessermenschen wären, sondern aus wohlverstandenem Eigeninteresse. […] Da sie immer vorgeben, für das einzig wahre Judentum und für Israel zu sprechen und auch ihre jüdischen Kritiker als „Antisemiten“ denunzieren, werden sie durch ihre lautstarke Unterstützung eines islamophoben Rassismus viele Muslime gegen die große, aber publizistisch nicht so gut vernetzte und nicht so skrupellose Mehrheit der Juden und gegen Israel aufbringen; und die arischen und christlichen Rassisten werden dann keinen Finger krümmen, um ihnen zu helfen. Oder hat man je von Thilo Sarrazin ein gutes Wort über heutige Juden oder gar über Israel gehört?

Unbedingt lesen. Denn es stimmt: Minderheiten sollten im eigenen Interesse nicht andere Minderheiten diffamieren und attackieren. Sondern sie im Gegenteil stützen und ihnen beistehen: Juden für Schwarze, Schwule für Rothaarige, Muslime für Hindus, etc. pp. Nur so haben Minderheiten eine Chance in der (gegen die) „Mehrheitsgesellschaft“.

(via)

Falsche Freunde

Ein schöner Artikel bei der „Achse des Guten“, mit einer sehr richtigen Schlussfolgerung:

Kurz, irgendwann wird den radikalen Islamfeinden aufgehen, dass die Israelis JUDEN sind. Und dann wird es mit ihrem klebrigen Philosemitismus – wetten?! – schlagartig vorbei sein.

Auf diesen Eintrag bin ich via Ruprecht Polenz MdB gestoßen, dessen Facebook-Profil ich übrigens als Debattenort sehr empfehlen kann. (Am Rande bemerkt: Polenz‘ Buch „Die Türkei gehört in die EU“, erschienen in der Edition Körber-Stiftung, ist ebenfalls bemerkenswert. Beizeiten komme ich hoffentlich zu einer Rezension.)

Angemerkt sei noch dieses: so sehr ich Broder schätze, in der Sache „Islamkritik“ hat er sich völlig verrannt. Es ist nicht zu erklären, warum sich Broder so sehr für Sarrazin und dessen Machwerk einsetzt. Der Zentralrat der Juden verhält sich hier bedeutend klüger – denn es ist ja kein Geheimnis, dass das jüdische Leben in Deutschland nach wie vor nicht als Normalität akzeptiert wird. Ein einfacher Beleg dafür ist, dass jüdische Einrichtungen und Veranstaltungen durch Sicherheitskräfte und Sicherheitsschleusen geschützt werden müssen. Deshalb ist es richtig, wenn sich Vertreter von Religionen gegen die Feinde des Religiösen beistehen.