Israel begeht Holocaust-Gedenktag

In Israel hat am Sonntagabend der Holocaust-Gedenktag (Yom Hashoah) begon­nen. An diesem Tag gedenkt der Staat alljähr­lich der sechs Millionen Juden, die im Holocaust ermor­det wurden. Im ganzen Land bleiben die Vergnügungsstätten geschlos­sen und werden Gedenkzeremonien abge­hal­ten.

Die zentrale Eröffnungszeremonie fand gestern Abend in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem im Beisein von Präsident Shimon Peres und Ministerpräsident Binyamin Netanyahu statt.

Auszüge aus der Rede von Präsident Peres:

„Wir waren allein, ohne ein eigenes Land. Die alli­ier­ten Bomber, die über Auschwitz flogen, warfen noch nicht einmal eine einzige Bombe auf die Massenvernichtungsanlagen ab.

Die Shoah hat endgül­tig gezeigt, dass es keine Alternative für ein eigenes Heimatland für uns gibt. Es gibt keinen Ersatz für die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte. Heute haben wir unser eigenes Heimatland errich­tet. Heute haben wir eine ausge­zeich­nete Armee, die den Respekt der Welt erwor­ben hat. Wir haben ein demo­kra­ti­sches System, dass den notwen­di­gen Schutz bieten und den nötigen Frieden anstre­ben kann. Dies ist die Antwort auf einen Feind, auf jeden Feind.

Selbst heute, nach der Shoah, gibt es ein Regime auf der Welt, dessen Führung aus Holocaust-Leugnern und Hetzern besteht. Dies sollte jede Person und jedes Gewissen scho­ckie­ren. Die fana­ti­sche Führung des Iran ist eine Bedrohung für die ganze Welt – nicht nur eine Bedrohung für Israel. Sie bedroht jedes Heim und jeden Ort. Sie ist eine wirk­li­che Gefahr für die Menschheit.

Die Nationen der Welt haben erklärt, dass sie einen nuklea­ren Iran nicht akzep­tie­ren werden. Nun müssen sie den Test ihres Versprechens bestehen.

Wir, das jüdi­sche Volk, waren Opfer von Rassismus, Verfolgung und Diskriminierung, aber niemals haben wir das Gebot vernach­läs­sigt, jeden Menschen zu respek­tie­ren. Denn gemäß unserer Tradition wurde jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaf­fen. Selbst in einer fins­te­ren Welt streb­ten und streben wir danach, den Nationen ein Licht zu sein.

Dies ist die Bedeutung des Staates Israel: Unser Volk physisch und unsere Tradition mora­lisch zu vertei­di­gen. Jeder Bürger Israels, unab­hän­gig von Religion oder Rasse, weiß, dass Israel das anti­ras­sis­tischste Land auf der Welt ist und bleiben wird.

Israel ist das histo­ri­sche Gedenken an die Opfer des Holocausts.“

Auszüge aus der Rede von Ministerpräsident Netanyahu:

„Alle zivi­li­sier­ten Völker auf der Welt, all jene, die für sich in Anspruch nehmen, die Lektion aus dem Holocaust gelernt zu haben, müssen die eindeu­tig verur­tei­len, die zur Auslöschung des jüdi­schen Staates aufru­fen. Der Iran bewaff­net sich sogar mit Atomwaffen, um dieses Ziel zu verwirk­li­chen, und bislang hat die Welt ihn nicht gestoppt. Die Bedrohung für unsere Existenz, unsere Zukunft, ist nicht theo­re­tisch. Sie kann nicht unter den Teppich gekehrt werden; sie kann nicht verharm­lost werden. Sie steht vor uns und der gesam­ten Menschheit und muss abge­wen­det werden.

Die erste Lektion besteht also darin, die, die uns bedro­hen, ernst zu nehmen. Die nächste Lektion rührt vom Verständnis sehr, dass Angriffen auf unser Volk seit jeher Wellen des Hasses voran­gin­gen, die den Boden für den Ansturm berei­te­ten. Daher muss die zweite Lektion, die wir aus dem Holocaust ziehen, darin bestehen, dass wir das wahre Gesicht des Hasses auf unser Volk offen­le­gen. Was wurde nicht alles gesagt gegen die Juden Europas? Im Mittelalter und in der Neuzeit wurden Juden immer wieder für die Übel der Welt verant­wort­lich gemacht – von Pest und Seuchen über Krieg und Revolution bis hin zu Wirtschaftskrisen. Der Hass war nicht nur unter den igno­ran­ten Massen einge­fleischt, sondern verbrei­tete sich und schlug tiefe Wurzeln in den Köpfen und Herzen von Europas führen­den Gelehrten und Philosophen.

Der jahr­hun­der­te­alte Hass auf die Juden erwacht heute von Neuem und nimmt die Form des Hasses auf den jüdi­schen Staat an. Auch heute gibt es solche, die den jüdi­schen Staat für alle Übel auf der Welt verant­wort­lich machen – von gestie­ge­nen Ölpreisen bis zur Instabilität in unserer Region. Es gibt solche, die sagen, dass diese Behauptungen, da fast die ganze Welt an sie glaubt, einen wahren Kern haben müssen. Ahad Ha’am sagte bereits, dass die weit verbrei­tete Akzeptanz von Ritualmordanklagen im Mittelalter beweist, dass etwas nicht dadurch wahr wird, dass die Mehrheit der Welt es glaubt.

Und die dritte Lektion ist, dass wir unser eigenes Schicksal in die Hand nehmen müssen. Unsere Beziehungen mit den führen­den Staaten der Welt, mit anderen Staaten im Allgemeinen sind extrem wichtig für uns, und wir inves­tie­ren in sie, nähren sie und entwi­ckeln sie fort. Aber wenn wir nicht die Fähigkeit besit­zen, uns selbst zu schüt­zen, wird die Welt uns nicht zur Seite stehen.“

Die voll­stän­dige Rede Netanyahus gibt es hier.

Weitere Informationen zum Yom Hashoah gibt es hier.

Quelle: Außenministerium des Staates Israel

Gedenkstunde des Deutschen Bundestages für die Opfer des Nationalsozialismus

„Vor 66 Jahren, am 27. Januar 1945, befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Der Jahrestag der Auschwitz-Befreiung ist der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 1996 findet dazu jähr­lich eine Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Bundestages statt.”