Die Akte Kundus: Guttenberg allein auf weiter Flur – Deppendorfs Woche

ARD, 22. Dezember 2009:

Wer wusste wann was über die Geschehnisse in Kundus am 4. September, als zwei afghanische Tanklaster auf deutschen Befehl hin bombardiert wurden? Und warum verweigert Kanzlerin Angela Merkel eine Regierungserklärung zu diesem Thema, während Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nun im Kreuzfeuer steht? Darüber sprach Nicole Diekmann mit Ulrich Deppendorf, dem Leiter des ARD-Hauptstadtstudios.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=19iQfesr6zA&hl=de_DE&fs=1&]

Völkerrechtswidrig? Angemessen!

Süddeutsche Zeitung, 9.12.2009:

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kommt wegen des Luftschlags von Kundus in Erklärungsnot. Als Guttenberg am 6. November auf einer Pressekonferenz die Bombardierung zweier Tanklaster mit mehr als 100 Toten vehement verteidigte, lag ihm bereits ein Bericht des Roten Kreuzes vor, in dem der Angriff als „völkerrechtswidrig“ eingestuft wird. Trotzdem bezeichnete der Minister die Attacke als unvermeidlich und „in jedem Fall angemessen“.

Unglaublich. Der Kerl glaubt, er kann sich alles erlauben. Einen völkerrechtswidrigen Angriff als angemessen betrachten, das ist schon ein starkes Stück.

Wenn die SPD-Fraktion das nicht aufgreift und Guttenbergs Rücktritt fordert, dann weiß ich auch nicht weiter…

Kabinett Merkel II: FDP hat das Nachsehen

Merkels zweites Kabinett steht: 16 Minister inkl. Kanzlerin, davon 8 für die CDU, 3 für die CSU und 5 für die FDP. 5 Ministerposten für die FDP, das ist ordentlich – mehr war nicht drin, völlig klar. Aber: die FDP-Ministerien sind entweder weitgehend unbedeutend (Entwicklungshilfe), ein Pulverfass (Gesundheit), wenig spannend bis langweilig (Justiz) und werden von der Kanzlerin bewusst marginalisiert (Außenpolitik). „Kabinett Merkel II: FDP hat das Nachsehen“ weiterlesen

Guttenberg, der „Selfmade-Mann“

Heute bei BILD:

Obamas und Guttenbergs Laufbahnen sind beeindruckend. Beide sind Selfmade-Männer, haben sich hart hochgearbeitet.

Guttenberg, bayerischer Baron und Millionärserbe, als „Selfmade-Mann“ zu bezeichnen, das ist sogar für BILD-Verhältnisse beeindruckend dumm. Da muss man sich als BILD-Leser doch verarscht vorkommen?

Guttenberg: Ahnungslos. Aber betroffen.

GuttenbergDie Petition zu Internetsperren war bekanntermaßen erfolgreich. Statt dies jedoch zur Kenntnis zu nehmen und zu überlegen, ob da nicht doch irgendwas an der Kritik dran sein könnte, schwurbelt Guttenberg in der Tagesschau munter drauflos:

Das macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben.

Schon in Ordnung. Auf Ihre Betroffenheit verzichten
wir dankend.

Grafik entdeckt beim A-Team, mehr Infos zum Thema gibt’s bei Stefan Niggemeier.

Der „Adel“ und die Republik

Deutschland ist eine Republik. Der „Adel“ besitzt seit der Weimarer Verfassung in Deutschland keine Vorrechte mehr:

Öffentlich-rechtliche Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes sind aufzuheben.
Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden. (Artikel 109)

Trotzdem betreibt der SPIEGEL Hofberichterstattung rund um die Nachkommen von Wilhelm II (leider noch nicht online verfügbar). Trotzdem ist rund um Schloss Salem ständig vom „Haus“ Baden die Rede (ebenfalls nicht online verfügbar) – und nicht einfach von der Familie Baden, wie es richtig heißen sollte.

Dass die BILD 2008 fragte, wieviel blaues Blut denn in uns steckt – geschenkt.

Was sollte man mit diesem „blauen Blut“ übrigens anfangen? Stolz auf die Vergangenheit bräuchte man nicht zu sein: der „Adel“ hat immer wieder versagt und kam seinem Selbstverständnis als Elite nicht nach. Der (noch mit Vorrechten versehene) Adel konnte den größenwahnsinnigen Kaiser nicht vom Ersten Weltkrieg abhalten, hat die Weimarer Republik gemeinsam mit Kommunisten und Nazis sturmreif geschossen und schließlich bereitwillig im Zweiten Weltkrieg ein weiteres Mal gemeinsam mit den braunen Horden Feuer und Schwert über Europa gebracht.

Worauf sollte der „Adel“ also stolz sein?

Mir ist ein Dieter Bohlen lieber als zehn „von und zu“ Guttenbergs.