Schlegl, Özdemir und die Grünen: Wenn Satire zum investigativen Journalismus wird

Dieses Video, das im Rahmen der Satiresendung (!) „Extra 3” entstan­den ist, ist in vieler­lei Hinsicht bemer­kens­wert. Tobias Schlegl stellt in diesem Video dem Grünen-Parteivorsitzenden Cem Özdemir die Frage, warum er denn in Gorleben gegen den Castor demons­triere, obwohl der ehema­lige Umweltminister und heutige Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin 2001 gesagt hat: „Gegen diese Transporte [Castor] sollten Grüne in keiner Weise … protes­tie­ren.” Özdemir kontert nicht etwa mit einem frechen Spruch, oder einer ausge­feil­ten Antwort, sondern meint, er sei hier um zu essen und dass er nicht Jürgen Trittin sei (kein Scherz). Und, sehr erstaun­lich: er betrach­tet Claudia Roth und sich selbst als „Oberhäuptling” (das Ganze in gram­ma­ti­ka­lisch frag­wür­di­ger Art und Weise). Ich ziehe ja den basis­de­mo­kra­ti­schen Anspruch der Grünen schon länger in Zweifel, aber so unver­hoh­len hat das noch kein Grünen-Spitzenpolitiker gesagt: die Fraktion und die Basis zählen nichts, die Parteivorsitzenden zählen alles. Auf die kriti­sche Nachfrage nach der „subop­ti­ma­len” schwarz-grünen Koalition antwor­tet Özdemir — nichts. Abgesehen von der genia­len Feststellung, dass sein Brötchen lecker sei und Schlegl doch auch probie­ren möge.

Fazit: Arroganz der Macht, Basisferne, Hybris. Das macht den Grünen-Parteivorsitzenden aus.

Und, nicht minder drama­tisch: Satire muss die Aufgabe der norma­len Medien über­neh­men. Denn in welcher Sendung wurden die Grünen-Spitzenpolitiker auf den Widerspruch im Handeln und Tun hinge­wie­sen? Es ist dies nunmehr Auftrag der aufge­klär­ten demo­kra­ti­schen Öffentlichkeit, hier für Klarheit zu sorgen.

Es wird Zeit, die Grünen zu fragen, warum ihr Umweltminister Trittin nicht nach einem alter­na­ti­ven Endlager gesucht hat, als Rot-Grün regierte.

Meine Vermutung ist: weil die Endlager-Frage unge­klärt bleiben soll, weil sie unge­klärt bleiben muss, wenn die Grünen Wahlen gewin­nen wollen. Denn in vielen Interviews mit „norma­len” Leuten wird immer wieder klar: vor allem die unge­klärte Endlagerfrage regt die Menschen auf. Gäbe es ein siche­res Endlager, dann wäre die Atomkraft-Frage nicht derma­ßen pola­ri­sie­rend. Ich für meinen Teil bin aus ökono­mi­schen Gründen gegen die Atomkraft, weil ich einen funk­tio­nie­ren­den Strommarkt will und keinen von Großkonzernen domi­nier­ten Markt. Die Endlager-Frage ist für mich nicht der entschei­dende Faktor. Aber dies ist bei vielen Leuten grund­le­gend anders. Die Grünen-Strategen schei­nen dies zu wissen und entspre­chend agieren sie auch.

Würgen Rüttgers, Atom-Merkel, Liberal-Sparbuch, Steinbrück

Merkels Atom-Politik: Erst die Partei und die Atomlobby, dann das Land
Schwarz-Gelb dachte, dass das Thema Atom der Bevölkerung nicht mehr wichtig ist. Schwarz-Gelb hat sich getäuscht. Am Samstag protes­tier­ten 50.000 Demonstranten gegen die Atompläne von Schwarz-Gelb. Darunter auch zahl­rei­che Landwirte mit rund 350 Traktoren aus dem nieder­säch­si­schen Wendland mit seinen Atomstandorten Gorleben und Asse. Schwarz-Gelb hat sich verrannt. Trotz erwie­se­ner Störanfälligkeit und Unsicherheit gerade älterer Atom-Reaktoren hält Schwarz-Gelb unbe­lehr­bar an ihrem Atom-Kurs fest. Aus ideo­lo­gi­schen Gründen machen sich CDU/CSU und FDP zum poli­ti­schen Arm der Atomindustrie und verhin­dert einen schnel­len Umstieg auf rege­ne­ra­tive Energien.

Merkel muss Rüttgers zur Ordnung rufen
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil forderte Angela Merkel auf, den stell­ver­tre­ten­den Parteivorsitzenden der CDU Jürgen Rüttgers „zur Ordnung” zu rufen. Dieser hatte sich auf öffent­li­chen Parteiveranstaltungen abfäl­lig über rumä­ni­sche Arbeiter geäu­ßert. Die SPD-Führung habe Rüttgers Äußerungen mit „Empörung und Abscheu” zur Kenntnis genom­men, erklärte Heil im Anschluss an eine Telefonschaltkonferenz des SPD-Präsidiums am Montag in Berlin. „Wer versucht, auf dem Rücken anderer Nationalitäten Wahlkampf zu machen, der muss zur Ordnung gerufen werden”. Dies sei nun „die Aufgabe von Merkel”.

Das libe­rale Sparbuch: Sozialabbau und Kürzungen beim Umwelt- und Klimaschutz
Mit ihrem Drei-Stufen-Steuertarif verspricht die FDP Steuersenkungen von 80 Mrd. Euro. Wird Guido Westerwelle nach der Finanzierbarkeit der Steuerversprechen der FDP gefragt verweist er stets auf das libe­rale Sparbuch der FDP: „Wir haben jedes Jahr eine Liste von 400 Kürzungsvorschlägen veröf­fent­licht, wo aus unserer Sicht Geld verplem­pert wird“ (Sonntag Aktuell, 16.8.09). Selbst die CDU kriti­sierte die libe­rale Streichungsliste als „libe­ra­les Spaßbuch” und als nicht realis­tisch (Reuters, 2.9.09). Was aber hinter den Kürzungen steckt, zeigen wir in diesem Blog: Für Westerwelle ist „Geld verplem­pern“ die Unterstützung für sozial Schwache sowie die des Klima- und Umweltschutzes. Die FDP will ihre Steuersenkungen durch Sozialabbau und auf Kosten der Umwelt durch­set­zen. CDU und CSU schwei­gen hinge­gen immer noch, wie sie ihre Steuerversprechen von 20 Milliarden Euro finan­zie­ren wollen.

Peer Steinbrück: Wir sind wieder da!
Wer noch an Umfragen geglaubt hat, durfte am 30. August einen Kurs in poli­ti­scher Realität absol­vie­ren: Die Union hat im Saarland und in Thüringen zwei­stel­lig verlo­ren. Ihre Ministerpräsidenten sind krachend abge­wählt worden. Schwarz- gelb hat in beiden Ländern keine Mehrheit. Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein- Westfalen hat die CDU zum zweiten Mal nach 2004 wich­tige Städte an uns und unsere Bürgermeisterkandidaten verlo­ren, andere haben wir souve­rän behaup­tet und unseren Vorsprung weiter ausge­baut. Für alle drei Wahlen gilt erstens: Das Runterschreiben und Runterdemoskopieren der SPD hat nichts genutzt. Und zwei­tens: Die Arroganz der Union, die sich schon über die Verteilung von Posten beglückte, hat sich bitter gerächt. Wir waren eine klare, eine bessere Alternative. Wir haben gekämpft, und das hat sich gelohnt. Wir sind wieder da. Und das tut gut.