Deutsche Äpfel

Katharina Lotter bei der „Achse des Guten“:

Und Annike, in der 3. oder 4. Grundschulklasse, überzeugte die Schiedsrichter der Volksbank Wulfsen, ebenfalls Niedersachsen, mit ihrer ganz eigenen Art, das Klima zu schützen und gleichzeitig sogar Kritik an der Globalisierung zu üben – auch so ein Teufelszeug. Sie bekam einen 4. Preis für ihr Bild mit der Aussage: “Ich esse lieber Äpfel aus Deutschland als aus Neuzealand!”. Ein blondbezopftes Mädchen ist darauf zu sehen, umgeben von einem Kreis aus roten Äpfeln. Da staunt selbst der härteste Propagandist.

Ähem. Mh. Mhhh. Mhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh. Was soll man dazu bitte sagen? Geht’s noch? Was ist mit den Preisrichtern los? Und was bringen diese Lehrer bitte den Kindern bei?

Kurz verlinkt: Warum Juden nicht das Geschäft der Rassisten besorgen sollten

Alan Posener bringt einige sehr richtige Dinge auf den Punkt:

Zu den guten Traditionen des Diaspora-Judentums gehört es, sich mit anderen Minderheiten solidarisch zu erklären und ihnen beizustehen, wenn der Mehrheit, was immer wieder geschieht, die Sicherungen durchknallen. (Diese Sicherungen nennt man heutzutage „politische Korrektheit“.) Die Juden tun dies nicht, weil sie – etwa infolge eines besonderen Gens – von Natur aus Gut- oder Bessermenschen wären, sondern aus wohlverstandenem Eigeninteresse. […] Da sie immer vorgeben, für das einzig wahre Judentum und für Israel zu sprechen und auch ihre jüdischen Kritiker als „Antisemiten“ denunzieren, werden sie durch ihre lautstarke Unterstützung eines islamophoben Rassismus viele Muslime gegen die große, aber publizistisch nicht so gut vernetzte und nicht so skrupellose Mehrheit der Juden und gegen Israel aufbringen; und die arischen und christlichen Rassisten werden dann keinen Finger krümmen, um ihnen zu helfen. Oder hat man je von Thilo Sarrazin ein gutes Wort über heutige Juden oder gar über Israel gehört?

Unbedingt lesen. Denn es stimmt: Minderheiten sollten im eigenen Interesse nicht andere Minderheiten diffamieren und attackieren. Sondern sie im Gegenteil stützen und ihnen beistehen: Juden für Schwarze, Schwule für Rothaarige, Muslime für Hindus, etc. pp. Nur so haben Minderheiten eine Chance in der (gegen die) „Mehrheitsgesellschaft“.

(via)

Zum Sozialstaat

Erst der Sozialstaat hat die Armut der Massen beendet und Rechtssicherheit für die Schwachen hergestellt. Der neuzeitliche Kapitalismus kann nicht von jedem Einzelnen, jeder für sich allein, gebändigt werde, dazu braucht es Organisation und Struktur. Der Sozialstaat ist nicht perfekt, wohl wahr, aber ein „Asozialstaat“, wie von manch einem kommentiert, ist er mitnichten. Das zu postulieren ist schlichtweg wohlfeiles Geschwätz, oftmals überdies noch aus dem Munde von Sozialstaatprofiteuren (Studenten, Kindergeldempfänger, Professoren, etc. pp.) Dass es Unperfektheiten gibt ist unbestritten, aber der Sozialstaat ist eben von Menschenhand gemacht und demzufolge kann er nicht perfekt sein – deshalb ihn in Bausch und Bogen zu verdammen ist in der Tat die vollständige Absage an jegliche reformistisch-progressive Politik.

Das von Menschenhand geschaffene humanistische Projekt Sozialstaat gilt es zu verteidigen und zu verbessern. Das mag mitunter ermüdend und anstrengend sein, aber sich dieser Aufgabe zu verweigern ist nichts weniger als Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Fragen zur deutschen Mehrheitsgesellschaft

Was ist „deutsch“, was ist die deutsche Mehrheitsgesellschaft? Wann ist Integration abgeschlossen, was ist das Ziel von Integration? Wann ist man ein „guter Deutscher“? Muss man ein „guter Deutscher“ sein, um in Deutschland zu leben? Muss man Deutscher sein, um in Deutschland zu leben? Müssen alle in Deutschland Lebenden die deutsche Sprache beherrschen? Welche „deutsche Sprache“ überhaupt? Sind Dialekte bald verboten? Müssen Schwaben und Sachsen befürchten, abgeschoben zu werden?

Warum spricht niemand über die grandios gescheiterte Integration der Russlanddeutschen? Was halten eigentlich die diversen Subkulturen von dem Ansinnen, eine deutsche Mehrheitsgesellschaft zu definieren? Ist Abweichung von dieser Mehrheitsgesellschaft bald verboten? Müssen Techno-Liebhaber, Swinger-Club-Besucher und Hip-Hopper bald Gefängnis wegen Norm-Abweichung befürchten?

Dürfen in Deutschland nur Menschen leben, die zur Wirtschaftsleistung etwas beitragen? Was machen die, die das nicht können, aus welchen Gründen auch immer? Sind Nicht-Akademiker wertlos, wie Sarrazin insistiert?

Wer definiert überhaupt die deutsche Mehrheitsgesellschaft? Ich mag Wagner, die SPD und Döner, bin evangelischer Christ und Mitglied im Heimatverein, außerdem wurde ich schon als „Mustafa“ angesprochen. Wie passe ich da rein? Gibt es eine deutsche Mehrheitsgesellschaft? Wenn ja, wie sieht diese aus? Wie groß ist diese Mehrheit? Was haben Niederbayern mit Niedersachsen am Hut? Was hat der Arbeiter am Fließband mit dem Professor für Gräzistik gemeinsam? Was ist eine Parallelgesellschaft? Sind sudetendeutsche Trachtenzüge gefährliche Parallelgesellschaften?

Eine Antwort auf diese Fragen ist: die Debatte geht am eigentlichen Thema völlig vorbei. Es geht nicht um „deutsch“, „nicht-deutsch“, „un-deutsch“, „fremd“. Jedenfalls sollte es nicht darum gehen.

In Deutschland leben ist schön, weil es eben (fast) keine Vorschriften gibt, wie man zu leben hat: es ist okay, Fußball nicht zu mögen, es ist okay, nicht in die Kirche zu gehen, es ist okay, schwäbisch und sächsisch zu sprechen, es ist okay, schwul und Metzger zu sein, es ist okay, Taxifahrer zu sein, es ist okay, Millionär zu sein. Es ist okay, Moslem zu sein. Es ist, mit einem Wort, eine ziemlich offene Gesellschaft.

Diese offene Gesellschaft ist Kulturkämpfern notwendigerweise ein Dorn im Auge. Sie muss es sein, da sie „ihre“ eigene Kultur als überlegen betrachten. Sie ertragen es nicht, dass Menschen Eminem hören und Burger essen und die Vorzüge Brahms und Kafkas nicht erkennen. Sie wollen keine Raucherkneipen, auch wenn sie diese niemals besuchen würden, sie wollen Konsum und Kommerz.

Deutschland ist heute eine offene Gesellschaft in bester humanistischer Tradition. Die Menschen können sich frei entscheiden, wie sie ihr Leben verbringen wollen, ob sie rund um die Uhr arbeiten, ob sie Fußball oder Backgammon spielen, ob sie ihre Heimat lieben oder gegen Deutschland raven. Es liegt an den Menschen, was aus unserem Land wird.

Den Schlusssatz überlasse ich dem ollen Bert Brecht:

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s.
Und das liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

Antragsbuch Internet-LDK SPD Baden-Württemberg

Das Antragsbuch zur Internet-LDK der SPD Baden-Württemberg am 12. Juni ist mittlerweile verfügbar. Das Hauptthema der Konferenz wird Antrag N1 sein – der ziemlich gut ist, wie ich meine. Allerdings ist natürlich das Bessere der Feind des Guten, somit meine Frage: hat jemand Ideen und Vorschläge, was fehlt bzw. was missverständlich formuliert ist? Oder geht irgendwas gar überhaupt nicht?

Kommentare hochwillkommen!

Die Freiheit, die wir meinen

Ein Mensch der hungert kann und wird nicht von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen. Wir sprechen von negativer (abwehrender) und positiver (ermöglichender) Freiheit: Freiheit ist nicht nur die Abwesenheit von Zwang durch andere Menschen, sondern auch die Möglichkeit tatsächlich diese Freiheit zu leben.[1]

Wenn ich sagen soll, was mir neben dem Frieden wichtiger sei als alles andere, dann lautet meine Antwort ohne Wenn und Aber: Freiheit. — Willy Brandt

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Twitter-Kristina: im Wahlkampf für Netzsperren, heute angeblich dagegen

Spiegel Online hat mit der neuen Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (ehemals Köhler) ein bemerkenswert unkritisches Jubelperser-Interview geführt. Angeblich ist Schröder heute gegen Internetsperren. Im Wahlkampf war sie noch dafür, ebenso hatte und hat sie mit der Vorratsdatenspeicherung kein Problem, auch wenn sie jetzt angeblich auf die Piraten zugeht. Zudem der erneute Hinweis auf ein YouTube-Video, in dem Twitter-Kristina gegen die Türkei und den Islam agitiert und sich als Racheengel der verfolgten Christen in der Welt aufspielt. (Der Verweis auf einen Kristina-Tweet darf nicht fehlen.)

Wie glaubwürdig der Wandel von Twitter-Kristina ist, darf übrigens hinterfragt werden, da ihre eigene Partei laut netzpolitik.org nach wie vor hinter den Zensursula-Plänen steht.