Die Mannschaft und die Gauchos

Ich bin kein Fußballfan. Ich gucke gerne mal ein Fußballspiel, aber im Großen und Ganzen ist das eine andere Welt für mich. Ich lebe sozusagen in einer nichtfußballerischen Parallelgesellschaft. Viele Fußball-Rituale sind mir fremd, sie passen nicht zu mir und meinem Leben. Aber ich weiß, dass es sie gibt und dass sie zum Fußball dazugehören. Dass man nicht wirklich den Bayern die Lederhosen ausziehen will, obwohl man es lautstark singt, und dass Werder Bremen nicht wirklich nach Fisch stinkt, ist auch einem Fußballagnostiker wie mir bekannt.

Profi-Fußball wird von großen Jungs gespielt. (Und von vielen kleinen und großen Jungs geguckt. Und von immer mehr Mädchen und Frauen. Gut so! Und ja, es gibt auch Frauen-Fußball – bislang hat dieser aber noch nicht auch nur annähernd die gleiche Breitenwirkung wie der Männer-Fußball.) Die meisten Profi-Fußballer verdienen in den wenigen Jahren ihrer Profi-Karriere mehr als ich in meinem ganzen Leben – aber das ist okay. Sie haben ein außergewöhnliches Talent, das von sehr vielen Menschen nachgefragt wird, die bereit sind, für das Spiel und das Drumherum viel Geld auszugeben. Ein solches Talent habe ich nicht. Damit kann ich gut umgehen. Es gibt nur wenige Intellektuelle im Fußball – wie soll das auch anders sein? Wenn man sein ganzes Leben lang nur für den Sport gelebt hat, bleibt der Geist eben auf der Strecke. Das ist nicht schlimm. In der arbeitsteiligen modernen Gesellschaft geht das sogar noch besser als früher.

Schlimm wird es nur, wenn die Geisteseliten ihre Maßstäbe ihrer Welt an Profi-Fußballer anlegen. Dann kommt ein fürchterlicher Unsinn wie die Empörung über den Gaucho-Tanz der Nationalmannschaft vor dem Brandenburger Tor heraus.

http://youtu.be/1JtoMoHj9YM

Eine hochgeistige, geschmackvolle Aktion? Nö.

Eher primitiv, albern und ein wenig peinlich? Ja.

Passt diese Quatsch-Aktion zum Fußball? Aber klar doch.

Ist das ein Zeichen von Nationalismus, von Rassismus gar? Aber nein. Wer das behauptet, hat nun wirklich jegliches Maß verloren.

Die Showeinlage, nichts anderes ist es doch, ist ein Zeichen von überschäumender Kraft und Übermut, sie zeugt vom unwahrscheinlichen Glücksgefühl des Sieges.

Denn wer kann sich schon vorstellen, was in den Köpfen dieser jungen Männer vorgeht, die wissen, dass über eine Milliarde Menschen ihren Sieg über das Team Argentiniens, ihren Sieg über den göttlichen Messi verfolgt haben? Es ist wortwörtlich unvorstellbar.

Die deutsche Mannschaft ist eine gute Mannschaft. Es sind junge Männer, einige davon jünger als ich, wenige etwas älter, aber allen ist eines gemeinsam: Sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Das haben sie das ganze Turnier hindurch bewiesen. Sie haben ihre geschlagenen Gegner getröstet und in den Arm genommen. Waren nicht überheblich, nicht borniert.

Bei der Siegesfeier haben sie ein wenig über die Stränge geschlagen. Meine Güte! Die Augenbraue darf man da schon mal hochziehen, aber sie deshalb in Grund und Boden zu verdammen zeugt von einer regelrechten Kälte des Herzens. Auch in der Kritik soll man maßvoll sein.

Mannschaftlieder statt Nationalhymnen

Es ist gerade nix los, und wenn dann schon ein CDU-Ministerpräsident die Singpflicht für Fußball-Nationalmannschaften fordert, können wir ja auch mal etwas dazu vorschlagen: Nichts gegen die dritte Strophe des Deutschlandlieds. Wer einmal in einem Land war, dass weder Einigkeit, noch Recht oder Freiheit hat, versteht warum das so tolle Errungenschaften sind. Aber zum Beispiel die französische Mannschaft singt von Waffen und unreinem Blut, von Zorn und Rache und so weiter. Die italienische Mannschaft erklärt sich bereit für den Tod usw. Das ist natürlich ebenso historisch bedingt, wie in Deutschland. Vielleicht ist aber im 21. Jahrhundert ein friedliches Fußballspiel nicht der richtige Zeitpunkt zum Absingen derartiger Lieder.

Warum lässt man bei den Meisterschaften nicht einfach die Nationalhymnen weg und spielt stattdessen Mannschaftslieder, die etwas mit dem Sport zu tun haben und motivierend sind? Es könnte sogar jedes Mal so ein Wettbewerb wie der Bundesvision-Songcontest stattfinden, um ein neues tolles Mannschaftslied zu finden. Irgendwer kann dann damit noch Geld verdienen.

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Don’t cry for you, Argentina

Argentinien gegen Deutschland. Heute, im WM-Viertelfinale. Bei aller Sympathie für den göttlichen Maradona und den brillanten Messi: Deutschland muss gewinnen, damit meine FanBahnCard 25 noch einen Monat verlängert wird. I don’t cry for you, Argentina.

Und wie gut wäre bitte ein WM-Finale Deutschland-Holland?

PS: Sehr schön ist auch: kaum ist dat Merkel im Ausland, schwenken die Deutschen Fähnchen und treffen sich auf der Straße zum Feiern.

England is going home!

Die größten Fans der deutschen Elf sind natürlich Merkel und Westerwelle.

Zwischenbemerkung: kaum regieren die Tories, schon verliert England ein Spiel in historischer Höhe. Die Schmach von München ist gerächt.

Übrigens: das ominöse „zweite Tor“ Englands wurde natürlich völlig zu recht nicht gewertet! Hier der Beweis.

Also, Zusammenfassung: zuerst der Lena-Sieg, jetzt die England-Niederlage. Am Mittwoch wird gegauckt – und dann holt die SPD wieder die Kanzlerschaft. Deal?

PS: Merkel ist noch blöder als gedacht und drückt „Mitleid für England aus wegen des nicht gegebenen Tores“. Dass Merkel keine Ahnung von Politik hat, okay – aber keine Ahnung von Fußball, das geht gar nicht! Abtreten!