Wulff: Bundespräsident von Gysis Gnaden?

Der schwarz-gelbe Bundespräsidentenkandidat Christian Wulff ist im ersten Wahlgang klar geschei­tert: maximal 600 von 644 schwarz-gelben Wahlleuten stimm­ten für Muttis Liebling. Der rot-grüne Kandidat Joachim Gauck konnte 499 Stimmen erzie­len, das sind 39 mehr, als Rot-Grün Wahlleute hat. Luc Jochimsen, die Kandidatin der Linkspartei, erhielt 126 Stimmen. Die abso­lute Mehrheit dieser Bundesversammlung liegt bei 623 Stimmen. Das bedeu­tet: hätten die Wahlfrauen und Wahlmänner der Linkspartei geschlos­sen für Gauck gestimmt, dann wäre Joachim Gauck im ersten Wahlgang mit 625 Stimmen gewählt worden. Falls Wulff nun im zweiten Wahlgang gewählt werden sollte, dann darf er sich als Bundespräsident von Gysis Gnaden betrach­ten. Am Ende des Tages hätte dann die Linkspartei die Regierung Merkel geret­tet — schwarz-gelb-dunkel­rot, das Bündnis der Zukunft?

Warum eigentlich Wulff und nicht Lammert?

Warum Mutti Merkel entschie­den hat, dass Christian Wulff Bundespräsident werden soll und Norbert Lammert es nicht werden durfte, begrün­det die „FAZ” u.a. so:

Er könnte die Prüfungsrechte des Staatsoberhauptes über Gebühr stra­pa­zie­ren, war gesagt worden, und zur Begründung verwie­sen Skeptiker darauf, schon als Bundestagspräsident habe Lammert seine partei­po­li­ti­sche Unabhängigkeit bewie­sen.

Und die „FAZ” findet das normal. Die findet das völlig normal. Was für ein Land.

Mit Netz und doppeltem Boden

Christian Wulff will als Ministerpräsident erst nach der Wahl zum Bundespräsidenten zurück­tre­ten. Der angeb­li­che Grund sei Respekt vor der Bundesversammlung, da man das Ergebnis nicht vorweg nehmen wolle.

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Mit Netz und doppel­tem Boden sich für das höchste Staatsamt zu bewer­ben, das hat nichts mit Respekt zu tun, sondern mit Feigheit.

Das letzte Aufbäumen der rheinisch-katholischen Männerpartei

Der Person Angela Merkel haftet auf mehr­fa­che Art und Weise etwas Unglaubliches an: ostdeutsch, protes­tan­tisch, Frau, keine CDU-Seilschaften. In der alten Adenauer-CDU wäre eine Angela Merkel nicht einmal Ortsverbandsvorsitzende gewor­den, in der Post-Kohl-CDU schaffte sie es bis zur Vorsitzenden und Kanzlerin.

Dieser Erfolg Angela Merkels kann jedoch nicht darüber hinweg­täu­schen, dass die alte rhei­nisch-katho­li­sche Männerpartei, die CDU, noch immer exis­tiert. „Das letzte Aufbäumen der rhei­nisch-katho­li­schen Männerpartei“ weiter­le­sen

Rot-Grün nominiert Joachim Gauck. „Wir träumten vom Paradies und wachten auf in Nordrhein-Westfalen.”

Da hat uns die CDU mal wieder schön veral­bert: nicht Ursula von der Leyen, sondern Christian Wulff, Träger des BigBrotherAward 2005, soll neuer Bundeshorst bzw. Bundeswulff werden. Zumindest dann, wenn es nach Merkel und Westerwelle geht. Die CDU, eine 27-Prozent-Partei, wäre dann in der vorzüg­li­chen Lage, alle wich­ti­gen Staatsämter zu beset­zen: Bundespräsident, Bundeskanzler, Bundestagspräsident. Warum CSU und FDP das mit sich machen lassen, ist mir nicht so ganz klar, aber nunja — die werden schon wissen, was sie tun (oder auch nicht). Blogger-Genosse Kluge nennt Christian Wulff den „Mann ohne Eigenschaften mit der leisen beschwich­ti­gen­den Stimme”; gefällt mir sehr gut. Besser als die Bundesuschi wäre der Bundeswulff natür­lich, klar — aber gut? Ich wäre besten­falls desin­ter­es­siert. Ein lang­wei­li­ger Mann, der bundes­weit nur dann in die Schlagzeilen kommt, wenn er First-Class-Flugtickets abzockt — eins, zwei, Einheitsbrei. Ist es Fisch, ist es Fleisch? Nein, es ist Bundeswulff! (Warum Wulff übri­gens seine aktive poli­ti­sche Karriere mit 50 Jahren beendet, ist mir nicht klar. Er hätte noch Kanzler werden können. Das ist jetzt vorbei.) „Rot-Grün nomi­niert Joachim Gauck. „Wir träum­ten vom Paradies und wachten auf in Nordrhein-Westfalen.”“ weiter­le­sen

Na toll… und was jetzt?

Eine neue Sau wird durchs Dorf getrie­ben. Auf ihrem Rücken sitzt Christian Wulff. Der Mann ohne Eigenschaften, mit der leisen beschwich­ti­gen­den Stimme soll neuer Bundespräsident werden.

Nicht nur, dass mich das Defizit an Demokratie in dem ganzen Verfahren stört und das wilde Vorschlagen von Politikern in Amt und Würden, deren Wohl und Wehe von Merkel, Westerwelle und Seehofer abhän­gen.

Darüber hinaus ägert es mich, dass nun solch schöne Konstruktionen wie „Bundeshorst” oder die kurz­zei­tige „Bundesuschi” bei Wulff nur schwer möglich sind: Bundeschristian? Bundeswulff? Das is doch nichts. Nächster bitte!

Migranten in der CDU: Kruzifix nochmal!

Die desi­gnierte Sozialministerin Niedersachsens Aygül Özkan (CDU) hat erklärt, Kruzifixe hätten in Klassenzimmern von staat­li­chen Schulen nichts verlo­ren, außer­dem sei sie für den EU-Beitritt der Türkei. Die Entscheidung Wulffs, eine Muslima zur Ministerin zu machen, wurde noch vor wenigen Tagen frene­tisch gefei­ert, als genia­ler Schachzug eines Mannes, der noch Kanzler werden will. „Migranten in der CDU: Kruzifix nochmal!“ weiter­le­sen