Das Leistungsschutzrecht und seine Freunde

Wir Netzmenschen wissen es, das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist eine dumme Idee. Wie so oft hat Sascha Lobo einen der besten Hintergrundartikel geschrie­ben.

Aber warum ist das Leistungsschutzrecht für Presseverlage eine dumme Idee, warum kümmert uns das über­haupt? Kommen wir nicht fabel­haft mit unseren Blogs aus, warum reicht es uns nicht, über die dummen VerlegerInnen zu lachen?

Ich will gar nicht anfan­gen damit, zu argu­men­tie­ren, warum das Leistungsschutzrecht nicht funk­tio­nie­ren wird, ich werde nicht speku­lie­ren, was Google plant, ob Google dann die Verlage aus dem Google-Suchindex nimmt. (Das wäre in meinen Augen übri­gens ein Fall fürs Kartellamt, da Google in Deutschland ein Quasi-Monopol hat. Na gut, jetzt habe ich doch speku­liert.)

Es ist ja alles bekannt. Die meisten Verlage haben das Internet verpennt, haben Geld in „StudiVZ” und ähnli­che Kinkerlitzchen inves­tiert und nicht etwa in guten Journalismus. Die Verlage nutzen Google und wollen von Einträgen in der „robots.txt” nichts wissen, was rauf und runter von allen NetzaktivistInnen gluck­send vermerkt wird. Das ist ja auch okay, Schadenfreude ist erlaubt.

Aber trotz­dem.

Aber dennoch.

Aber, verdammt nochmal, es regt uns alle doch auf, dass die Verlage dieses kreuz­däm­li­che Leistungsschutzrecht durch­zie­hen wollen. (Von der Bundesregierung erwar­ten wir ja eh nichts mehr.) Dass sie sich von allen guten Argumenten nicht über­zeu­gen lassen wollen. Dass sie unsere Expertise, unsere Meinung, unser Wissen igno­rie­ren. Auch wenn es uns gar nichts betrifft, der neue Gesetzentwurf scheint ja BloggerInenn außen vor zu lassen.

Warum regt es uns so auf? Weil wir InternetbewohnerInnen gute Texte zu schät­zen wissen. Wir sind da gut protes­tan­tisch text­ver­haf­tet. Bilder finden wir zwar auch gut, beson­ders Katzenbilder, da sind wir katho­lisch, aber unser Schwerpunkt ist der Text. Plain Text. Und so oft wir uns auch über Zeitungen und ihre immer­glei­chen „dpa”-Meldungen lustig machen, so oft verlin­ken wir doch gute Texte, die neue Blickwinkel aufzei­gen. Die gut recher­chiert sind. In die viel Arbeit, viel Schweiß, viele Tränen geflos­sen sind. Die mit Herzblut geschrie­ben wurden. Die gibt es auch in Blogs, natür­lich. Gar keine Frage. Aber die meisten Blogs sind Hobby, wir brau­chen aber ständig neuen Nachschub an guten Texten. Wir sind Nachrichtenjunkies, immer auf der Suche nach dem nächs­ten Reportagenkick, nach sprit­zi­ger Meinung und fein servier­ter Glosse.

Insgeheim wissen wir nämlich alle, dass guter Journalismus eine ordent­li­che Redaktion benö­tigt, mit gut bezahl­ten RedakteurInnen, die sich keine Sorgen um Abmahnungen machen müssen. Meinungsfreiheit ohne gute Zeitungen ist ein leeres Wort.

Wir lieben Zeitungen, wir wollen sie verlin­ken, wir wollen sie zitie­ren, wir wollen nicht ohne sie sein. Wir wollen uns über sie aufre­gen, wir wollen sie loben. Wir wollen auch für sie bezah­len! Aber wir sind nicht dumm. Wir zahlen nicht zwei Euro für einen Einzelartikel, keine 200 Cent für ein paar Kilobyte.

Würden wir gemein­sam mit Zeitungen dafür kämpfen, dass ordent­li­che unab­hän­gige (öffent­lich-recht­li­che) Stiftungen einge­rich­tet werden, damit Journalismus möglich bleibt? Natürlich! Wir mögen sie ja, diese Zeitungen, die sich selbst für den Nabel der Welt halten.

Aber dieses Leistungsschutzrecht. Nein, wirk­lich. Warum machen es uns die so schwer, die wir doch so sehr lieben? Es ist manch­mal einfach zu mensch­lich.

Wir Hetencismänner und der Feminimus

Was ich in den letzten Tagen gelernt habe: als Gegenmodell zu Transgender gibt es auch Cisgender, also Menschen, deren biolo­gi­sches Geschlecht (sex) mit ihrem sozia­len Geschlecht (gender) über­ein­stimmt bzw. die sich so wohl­füh­len. Wir sog. „Cisgender” sind aller­dings auch keine einheit­li­che Masse, sondern noch­mals zu unter­tei­len in „Homocisgender” (Lesben, Schwule) und „Heterocisgender”. (Gibt es auch „Bicisgender”? Ich weiß es nicht.) Die „Heterocisgender” sind logi­scher­weise zu unter­tei­len in „Heterocismänner” und „Hetercisfrauen”.

Ich für meinen Teil gehöre also zu den „Heterocismännern”, in der „Szene” genannt „Hetencismann”. Ich bin also biolo­gisch ein Mann, fühle mich auch als Mann und finde Frauen attrak­tiv (nicht alle). Das nun aber macht mich angeb­lich auto­ma­tisch (!) privi­le­giert. Außerdem bin ich auch noch „weiß”, jeden­falls das, was man so als „weiß” versteht in dieser Gesellschaft. Damit bin ich nun also angeb­lich auto­ma­tisch doppelt privi­le­giert, da ja, wie jeder weiß, unsere Gesellschaft von weißen Hetero-Männern domi­niert wird. Dass ich persön­lich nichts davon habe, dass Ackermann Ackermann ist nicht Ackerfrau, ist irrele­vant — ich bin weiß, männ­lich, hetero, Punkt.

„Trotzdem” habe ich mich bisher ganz selbst­ver­ständ­lich als Feminist bezeich­net und mich auch so gefühlt; ohne umfas­sende theo­re­ti­sche Fundierung, das ist sicher­lich richtig, aber ich habe im Kleinen meinen Teil dazu beige­tra­gen, dass Gleichstellung und Gleichberechtigung keine hohlen Phrasen sind. Ich bin also bei Versammlungen immer für die quotierte Redeliste einge­tre­ten, habe mich bei Kongressen beschwert, wenn nur Männer auf dem Podium sitzen, etc. Weil ich der Meinung war, dass Feminismus eben nicht nur Frauen etwas angeht, sondern auch uns Männer. Weil ich es einfach richtig finde, dass Frauen nicht nur ein kleines Stückchen des Kuchens zusteht, sondern eben die Hälfte des Kuchens. Gut, das waren keine welt­be­we­gen­den Dinge, aber nach wie vor halte ich sehr viel von dem Grundsatz „think global, act local”. Aber auch, wenn es keine welt­be­we­gen­den Dinge waren — ich hätte es mir auch einfa­cher machen können. Ich hätte mir nicht den Missmut auf Versammlungen zuzie­hen müssen, ich hätte nicht als Einziger auf das Fehlen von Frauen hinwei­sen müssen — ich habe es getan und mir so manches Mal „das Maul verbrannt”, wie man so schön sagt. Gut, damit kann ich leben. Wenn man es sich zu einfach macht, dann ist das auch nichts.

Dem Feminismus, der von Nadine Lantzsch propa­giert wird und der auf Twitter von vielen Frauen, die ich sehr schätze, anschei­nend begrüßt wird, kann ich jedoch nichts abge­win­nen. Mir scheint, Lantzsch hat sich in den letzten Monaten und Jahren zuneh­mend radi­ka­li­siert. Wenn ein Artikel in den Schlusssatz gipfelt:

Ich weiß nicht, ob Feminismus die Hetencismänner braucht, um erfolg­reich zu sein. Denn an wessen Maßstäben wird schon Erfolg gemes­sen? Außerdem beinhal­ten die Punkte 3 und 4 einfach andere span­nende Perspektiven, die es sich lohnt, mal anzu­schauen, auszu­hal­ten, auszu­pro­bie­ren. Das Schlimmste, was uns passie­ren kann, ist, dass wir anfan­gen, unseren Horizont zu erwei­tern.

Dann stehe ich hier ziem­lich ratlos davor. Was für ein Feminismus soll das denn sein, der glaubt, ohne unge­fähr 40–45 Prozent der Bevölkerung auszu­kom­men? Und wie kommt man auf die Idee, dass dieser Feminismus auch nur für die Mehrheit der Frauen attrak­tiv ist?

Lantzsch erweist dem Feminismus mit ihren Tiraden einen Bärendienst — es ist gut, dass „wir”, die wir hier auf Twitter und in den Blogs aktiv sind, nach wie vor in einer Blase leben und die Allgemeinheit von unseren Diskursen nichts mitbe­kommt; der Feminismus hat tragi­scher­weise eh schon einen schlech­ten Ruf, Artikel wie der von Lantzsch tragen nicht zur Besserung bei.

Oder sollte man als Hetencismann Lantzsch folgen und das ganze Feminismus-Ding ad acta legen, weil man ja eh nicht erwünscht ist? Nein, das wäre albern. Es wäre eine ziem­lich einfa­che Reaktion auf eine sehr einfa­che Sichtweise der Welt, die viel komple­xer ist, als sie von Lantzsch darge­stellt wird.

Vgl. seeliger.cc: Ich sag euch mal was, Netzfeministinnen! (24.10.2011)
Vgl. metalust.wordpress.com: Seufz … (28.10.2011)
Vgl. maedchenmannschaft.net: Noah Sow erlebt „Festival du Racisme” (29.10.2011)
Vgl. juliaschramm.de: Wahrheit und Normen (30.10.2011)
Vgl. medienelite.de: Der Gaze Effekt und Feminismus. (31.10.2011)
Vgl. rebellmarkt.blogger.de: Manchen geht ein Licht auf (31.10.2011)

Das Wikio-Blog-Ranking für April 2011

Gerade habe ich per Mail das neue Wikio-Blog-Ranking für April 2011 erhal­ten. Wenn ich es richtig sehe, dann ist dieses kleine Blog ein wenig in der Lesergunst gestie­gen. Danke!

1 netzpolitik.org
2 CARTA
3 NachDenkSeiten
4 Der Spiegelfechter
5 Schall und Rauch
6 SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin
7 Lummaland
8 WEISSGARNIX
9 anna­list
10 NPD-BLOG.INFO
11 Zettels Raum
12 LobbyControl
13 Oeffinger Freidenker
14 DirekteAktion
15 Duckhome
16 polit­platsch­quatsch
17 Freiheitsworte
18 Lafontaines Linke
19 binsenbrenner.de
20 Lupe
21 Rot steht uns gut
22 polit­platsch­quatsch
23 ODEM.blog
24 Womblog
25 Endstation Rechts — Newsfeed
26 Guardian of the Blind
27 Mit pira­ti­gen Grüßen
28 redblog (nach­rich­ten gegen den main­stream)
29 Querblog.de
30 Das rote Blog

Bloggen bei SPD.de

Ich blogge jetzt auch bei SPD.de, Arbeitstitel: „Soederei der Woche”:

Pünktlich zum Guttenberg-Rücktritt sage ich: jetzt geht’s los. Jetzt wird endlich in die Hände gespuckt. Und wir stei­gern das Seitenabrufzahlenprodukt. Als @fraeulein_tessa mich einst fragte, ob ich nicht Lust hätte, auf SPD.de zu bloggen, da dachte ich nicht lange nach. Ich sagte ja und hatte damit ein Date. Und es ward Sommer. Frohlocket, Ihr LeserInnen! Meine Beiträge sollen künftig unter dem Leitmotiv „Soederei der Woche“ stehen – was nicht heißt, dass ich jede Woche etwas schreibe, und was auch nicht heißt, dass ich nur einmal in der Woche blogge. Da halte ich es wie der alte Adenauer: was inter­es­siert mich mein blödes Geschwätz von gestern? (Den Neologismus „Soederei“ habe ich übri­gens beim FDP-Generalsekretär Lindner gegut­ten­bergt, als dieser sich mit der Gurkentruppe aus Bayern kabbelte – danke für diese fabel­hafte Anregung an dieser Stelle.)

Kommentare bitte dort.

Was sind das für Leute?

Ich habe nur eine Frage: was sind das für Leute?

Auf dem Weg zur welt­wei­ten Überwindung des kapi­ta­lis­ti­schen Unrechts, ist die Wiedergeburt des sozia­lis­ti­schen Vaterlandes und die Befreiung Westdeutschlands eine unum­geh­bare Etappe.

Quelle: http://dierostigelaterne.wordpress.com/about/

Der Bericht kann nicht umhin zu erwäh­nen das es im neoka­pi­ta­lis­ti­schen Rumänien noch viele Menschen gibt die nost­al­gisch sind nach der Epoche Ceaușescu, dessen Sozialismus und Vorzüge.

Ein unver­meid­li­cher Hieb geht auch nach den Staatssicherheitsorgane der SR Rumänien, die „über 7000 Informanten verfügt habe auf eine Bevölkerung von 22 Million“, was ja in Wirklichkeit nur ein Beweis ist der dama­lige Einheit von Volk, Staat und Parteiführung ist.

Quelle: http://dierostigelaterne.wordpress.com/2010/07/24/ehepaar-ceau%c8%99escu-exhumiert/

Ich finde es Klasse wie sich Egon Krenz verhält. Die Hetze des Reporters in Panorama ist erbärm­lich. Die Mauer wurde gebaut weil der Westen hoch quali­fi­zierte Arbeitskräfte entzo­gen hat, welche im Osten ausge­bil­det wurden.

Bei J E D E M Vergleich schnei­det die DDR viel besser ab.

Ach ich würd auch lieber wieder in der DDR leben…1989 war ich sech­zehn Jahre, also in der zehnten Klasse. Ich selbst kann also über viele Dinge nicht reden, weil ich sie einfach nicht erleben durfte. Jedoch kann ich mit Fug und Recht behaup­ten, dass ich eine wunder­bare Kinderzeit und Jugend genie­sen konnte, ohne dass sich meine Eltern Sorgen um Essen, Klamotten für meine Schwester und mich oder Geld für Schulbücher oder Pausenmilch machen mussten.Wir hatten kein Telefon, dafür schrie­ben wir mit Mädchen, die wir im Ferienlager kennen­lern­ten und Oma schickte zu Feiertagen ein Päckchen mit Geschenken und Süßigkeiten.

Ich hatte das grosse Glück 40 Jahre meines Lebens in der DDR zu verbrin­gen.

Quelle: http://www.woschod.de/2009/02/01/interview-mit-egon-krenz/

Ob eines Tages Plätze und Straßen nach Mitgliedern der RAF benannt werden, ist auch nach einer sieg­rei­chen prole­ta­ri­schen Revolution in Deutschland offen. Die progres­sive Seite der RAF war ihr 28 Jahre währen­der jako­bi­nis­ti­scher Krieg gegen mittel­al­ter­li­ches Gerümpel in Deutschland. Sie hat in der Linie gestan­den: „Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren“ (1.), ein geflü­gel­ter Halbsatz, der auf einen Text von Ulrike Meinhof zurück­geht.

Quelle: http://leninunserallerlehrer.wordpress.com/2010/07/01/1444/

Ist das groß ange­legte Satire? Was ist mit diesen Leuten los?

(Via „Demokratisch — Links”.)

„Ich lese und empfehle Ihren Blog allenthalben”

Im Frühjahr 2009 schrieb Frank Schirrmacher, FAZ-Herausgeber, an den Blogger Thomas ‚weiss­gar­nix’ Strobl: „Ich lese und empfehle Ihren Blog allent­hal­ben. Wollen wir nicht was zusam­men machen?”

Drei Dinge sind daran fest­zu­ma­chen:

  1. Frank Schirrmacher liest Blogs und empfiehlt sie auch. Was ihn mir direkt sympa­thi­scher macht. Die FAZ scheint in guten Händen zu sein.
  2. Ein gutes Blog muss nicht von einem Verlag betrie­ben werden. Qualität setzt sich durch. (Mit Strobl kann ich nicht mithal­ten.)
  3. Dies kombi­nie­rend: Medien müssen sich warm anzie­hen. Wenn selbst ein Herausgeber der FAZ einem Blog zuge­steht, eine so hohe Qualität aufzu­wei­sen, um empfeh­lens­wert zu sein, dann heißt das was.