Feiermann II

Zwei Ergänzungen zum Feiermann-Essen im Kanzleramt. Einmal im Schwarz-Gelb-Watchblog:

Mit seinem Zitat aus der Überschrift zog sich Ackermann übri­gens den Unmut der Kanzlerin zu und musste reumü­tig zu Kreuze krie­chen. Mittlerweile haben sich die beiden aber anschei­nend wieder vertra­gen, so dass für ausge­las­sene Partys im Kanzleramt durch­aus die Gefahr einer Wiederholung besteht. Wenn Frau Merkel es für geboten und richtig hält, mit dem Chef der größten deut­schen Privatbank und ausge­such­ten Wirtschaftsbossen intime Dinner zu veran­stal­ten, dann ist das ihre Sache. Für die Bürgerinnen und Bürger beant­wor­tet sich damit immer­hin die Frage, woher Merkel ihre zurück­hal­tende Meinung zum Themen „Begrenzung von Managergehältern“ und „Regulierung der Finanzmärkte“ hat. Ganz offen­kun­dig hat sie immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der bedroh­ten deut­schen Manager-Minderheit.

Und dann zur Rolle der Springer-Presse im BILDblog:

Ein und dieselbe Veranstaltung ist einzig­ar­tig, wenn es darum geht, dem Deutsche-Bank-Chef und Springer-Großaktionär zu schmei­cheln, und alltäg­lich, wenn die Kanzlerin aus der Schusslinie gebracht werden muss. Aber das ist ja nicht das erste Mal, dass „Bild” seine Darstellung abrupt ändert, wenn es der guten Sache dient. […] „Welt”, „Berliner Morgenpost”, „Hamburger Abendblatt” und „B.Z.” haben die Leser ihrer Zeitungen bis heute nicht infor­miert, dass ihr Vorstandsvorsitzender und ihre Verlegerin bei dem umstrit­te­nen Abend dabei waren — dabei trägt der Kommentar von „Welt”-Chef Thomas Schmidt zum Thema sogar den viel­ver­spre­chen­den Titel „Villa Merkel und ihre Gäste”.

Feiermann

Oberbänker Ackermann durfte bei Angela Merkel Geburtstag feiern und ein paar Spielkameraden einla­den. Das Problem hierbei sind nicht die Kosten: ein paar tausend Euro sind, bezogen auf den Staatshaushalt, Peanuts. Das habe ich bei der Debatte um Ulla Schmidts Dienstwagen so gesehen und formu­liert, und das sehe ich jetzt genauso. (Natürlich macht Kleinvieh auch Mist und Verschwendung ist niemals gut, aber man soll doch bitte die Kirche im Dorf lassen.)

Johannes Kahrs Kommentar hinge­gen ist tref­fend und richtig: „Das Kanzleramt ist kaum der rich­tige Ort, um Events der soge­nann­ten High Society zu veran­stal­ten. Dazu gibt es genü­gend Orte in Frankfurt, auf Sylt und in Blankenese. Und über­dies genü­gend Gastgeber, die das Ganze aus eigener Tasche bezah­len.”

Außerdem möchte ich mich Raysons Frage anschlie­ßen: „Also entwe­der sind wir ein Volk von Erbsenzählern, oder wir haben uns längst daran gewöhnt, dass unsere Regierung mit Konzernmanagern so sehr gemein­same Sache macht, dass die Einladung an sich als völlig normal erscheint. Letzteres würde einiges erklä­ren.”

Ackermann-Party

Unrechtsbewusstsein, Problembewusstsein? Zumindest bei Ackermann-Spielkamerad Frank Schirrmacher ist davon nichts zu spüren, er macht sich sogar noch über die Kritik und die Kritiker lustig: „Anders als manche meiner jour­na­lis­ti­schen Kollegen, die sich niemals zum Essen einla­den lassen und jedes Büffet verschmä­hen, bin ich schwach gewor­den. Wir sind weit gekom­men, in der Beschädigung der Würde nicht nur der Politiker, sondern auch der Verfassungsorgane, aber alles hat seinen Preis. Verzeihung kann ich nicht erwar­ten, aber Verständnis. Mit keinem Mitschuldigen habe ich geredet. Mein Bekenntnis kommt aus freiem Willen. Ich habe bekannt, nun richtet mich.”

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Der gemeine Bürger steht diesem Treiben ohnmäch­tig gegen­über. Hier ist ziviler Ungehorsam richtig wohl­tu­end, ob in Form einer Ackermann-Party für alle oder einer „Buchungsanfrage ans Kanzleramt zwecks Geburtstagsfeier”.

Bild: Bündnis 90/Die Grünen (CC-BY 2.0)