NobelpreisträgerInnen veröffentlichen Erklärung zum Klimawandel

Ich bin sehr stolz, dass ich bei der dies­jäh­ri­gen Abschlusstagung von NobelpreisträgerInnen und akade­mi­schem Nachwuchs auf der Insel Mainau teil­neh­men darf. Diese eh schon groß­ar­tige Tatsache wird noch zusätz­lich dadurch getoppt, dass heute die anwe­sen­den NobelpreisträgerInnen sich zum Klimawandel äußern und die Welt dazu aufru­fen, ihn zu bekämp­fen. Anlässlich der 21. UN-Klimakonferenz soll eine neue inter­na­tio­nale Klimaschutz-Vereinbarung in Nachfolge des Kyoto-Protokolls verab­schie­det werden.

Die Erklärung wurde von NobelpreisträgerInnen der Disziplinen Physiologie oder Medizin, Physik und Chemie unter­zeich­net. Der Sprecher der Initiatoren ist Brian Schmidt, ein ameri­ka­ni­scher Astrophysiker. Schmidt ist in Montana und Alaska aufge­wach­sen und studierte Physik und Astronomie an der University of Arizona. 1993 promo­vierte er an der Harvard University mit einer Arbeit über Supernovae (kurz­zei­tige, beson­ders hell leuch­tende Explosionen von Sternen).

Foto: theau­ci­tronCC BY-SA 2.0

Hier die Erklärung im Volltext:

Mainauer Deklaration 2015 zum Klimawandel

Wir unter­zeich­nen­den Wissenschaftler, die mit Nobelpreisen ausge­zeich­net wurden, sind an den Bodensee gekom­men, um unsere Erkenntnisse mit viel­ver­spre­chen­den jungen Forschern zu teilen, die wie wir aus der ganzen Welt kommen. Vor fast 60 Jahren hat hier auf der Insel Mainau ein ähnli­ches Treffen der Nobelpreisträger statt­ge­fun­den. Sie gaben eine Erklärung zu den Gefahren der neu entdeck­ten Nuklearwaffen-Technologie ab — eine Technologie, die durch Fortschritte in der Grundlagenforschung entstand. Bisher konnten wir einen Atomkrieg vermei­den, obwohl die Bedrohung immer noch besteht.

Nachfolgende Generationen von Wissenschaftlern haben dazu beige­tra­gen, die Welt immer wohl­ha­ben­der zu machen. Dieser Wohlstand wurde auf Kosten eines welt­weit rasch anstei­gen­den Rohstoffverbrauchs erzielt. Wenn wir dem nicht entge­gen­steu­ern, so wird die Erde schließ­lich nicht mehr in der Lage sein, den Bedürfnissen der Menschheit gerecht zu werden und unsere ständig zuneh­mende Nachfrage nach Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Und dies wird zu einer umfas­sen­den mensch­li­chen Tragödie führen. Bereits jetzt beob­ach­ten Klimaforscher die nega­ti­ven Auswirkungen mensch­li­chen Handelns.

Als Reaktion auf die Möglichkeit eines durch Menschen verur­sach­ten Klimawandels haben die Vereinten Nationen den Zwischenstaatlichen Ausschuss über Klimaveränderung IPCC ins Leben gerufen, um den Regierungen der Welt einen Überblick über den aktu­el­len Stand der maßgeb­li­chen wissen­schaft­li­chen Erkenntnisse zu vermit­teln. Auch wenn er bei weitem nicht perfekt ist, so glauben wir doch, dass die Bemühungen, die zum aktu­el­len Fünften Sachstandsbericht des IPCC geführt haben, eine der besten Informationsquellen über den heuti­gen Kenntnisstand zum Klimawandel hervor­ge­bracht haben. Wir behaup­ten das nicht als Experten auf dem Gebiet des Klimawandels, sondern viel­mehr als eine viel­fäl­tige Gruppe von Wissenschaftlern, die Hochachtung vor der Integrität des wissen­schaft­li­chen Prozesses haben und ein tiefes Verständnis dafür aufbrin­gen.

Obwohl über das genaue Ausmaß des Klimawandels noch Ungewissheit herrscht, so sind die Schlussfolgerungen der wissen­schaft­li­chen Community, die im jüngsten IPCC-Bericht enthal­ten sind, alar­mie­rend — vor allem im Zusammenhang mit den genann­ten Risiken, die eine Aufrechterhaltung des mensch­li­chen Wohlstands ange­sichts eines Anstiegs der globa­len Durchschnittstemperatur von mehr als ein 2 ° C mit sich bringen würde. Im Bericht kommt man zu dem Schluss, dass die von Menschen verur­sach­ten Treibhausgasemissionen die wahr­schein­li­che Ursache der derzei­ti­gen globa­len Erderwärmung sind. Prognosen mittels Klimamodellen weisen darauf hin, dass diese Erwärmung mit großer Wahrscheinlichkeit im kommen­den Jahrhundert zu einer Temperatur führen wird, die mehr als 2 ° C über dem vorin­dus­tri­el­len Niveau liegt, sofern die von Menschen verur­sach­ten Treibhausgasemissionen in den kommen­den Jahrzehnten nicht dras­tisch gesenkt werden.

Der Bewertung des IPCC zufolge muss die Welt rasche Fortschritte bei der Senkung aktu­el­ler und zukünftiger Treibhausgasemissionen erzie­len, um die wesent­li­chen Risiken des Klimawandels zu mini­mie­ren. Wir sind der Meinung, dass die Nationen der Welt die Chance der UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 nutzen und entschlos­sen handeln müssen, um die künftigen Emissionen welt­weit zu begren­zen. Dieses Ziel wird die Zusammenarbeit aller Nationen erfor­dern, ganz gleich, ob Industriestaat oder Entwicklungsland, und es muss in Übereinstimmung mit aktu­el­len wissen­schaft­li­chen Bewertungen bis in die Zukunft aufrecht­erhal­ten werden. Untätigkeit würde bedeu­ten, dass wir künftige Generationen der Menschheit einem unzu­mut­ba­ren Risiko ausset­zen.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.