Prädikat Quotenfrau

Da sich der Verein PolitCamp leider aufge­löst hat und ich nicht weiß, wie lange die Webseite politcamp.org noch betrieben werden wird, habe ich diesen kurzen Artikel von mir aus dem Oktober 2011 hierher gerettet — ich finde ihn nach wie vor gut und stehe nach wie vor dahinter.

Wie jetzt? Die Quote ist diskri­mi­nie­rend und das sei schlimm? Aber nicht doch! Die Quote ist diskri­mi­nie­rend und das ist auch richtig so. Als Quotenfrau an einen Vorstandsposten zu kommen, als Quotenfrau einem Mann vorge­zogen zu werden, als Quotenfrau einen Platz auf einem Podium zu besetzen – das ist alles keine Schande. Im Gegenteil! Es ist nichts weniger als die Sichtbarmachung der Gesellschaft, in der wir leben, in der nämlich die recht­liche Gleichstellung zwischen Mann und Frau erreicht ist, die aber viele versteckte Arten der Diskriminierung kennt, die den meisten Menschen noch nicht einmal bewusst sind. Kein Angriff, sondern eine lako­ni­sche Feststellung.

Frau muss in der Lage sein, damit umzu­gehen. Das heißt: sich selbst nicht beschämen, dass man ja „nur“ Quotenfrau ist, sondern diesen als Negativbezeichnung gedachten Begriff als Auszeichnung vor sich als Banner tragen: „Ja, ich bin Quotenfrau, und das ist auch gut so.“ Warum auch nicht? Nur so geht es! Wir alle entkommen nicht den Zwängen dieser Gesellschaft, sie zu verän­dern braucht es Zeit und mutige Menschen. Und ja, es gehört Mut dazu, einem Mann zu sagen: „Hey, Du bist viel­leicht sogar besser als ich, mir egal – denn ich bin hier die Quotenfrau.“ Das ist frech, das ist dreist – und es ist der einzig gang­bare Weg. Denn dieses Leben ist nun einmal nicht fair oder gerecht. Nur die Harten kommen in den Garten, so ist das nun einmal. Und sich selbst als Quotenfrau hinzu­stellen, den Spott zu ertragen, die Häme, die in der Kaffeepause hinter dem eigenen Rücken ausge­schüttet wird – dazu muss man ganz schön hart sein.

Also, liebe Frauen: Quote, ja bitte! Quotenfrau, aber klar doch! Seid mutig, seid gierig, seid frech!

Über Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

Ein Kommentar zu “Prädikat Quotenfrau

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