Wer würde von einem Euro-Ausstieg profitieren?

Gerade macht die sog. „Alternative für Deutschland” (AfD) Furore mit ihrer Forderung, den Euro abzu­schaf­fen und die Deutsche Mark wieder­ein­zu­füh­ren.

Ich habe mir die Frage gestellt: Wer würde davon profi­tie­ren, würde diese AfD-Kernforderung umge­setzt?

Und meine Antwort ist eini­ger­ma­ßen über­ra­schend, viel­leicht ein wenig pole­misch, aber ich kann keinen unmit­tel­ba­ren Fehler erken­nen: Es wären v.a. die BeamtInnen, die von der Wiedereinführung der Deutschen Mark am meisten profi­tier­ten.

Warum ist das so?

Würde Deutschland aus dem Euro ausstei­gen und die Deutsche Mark wieder­ein­füh­ren (oder einen „Nord-Euro” etc.), würde die neue Währung Deutschlands wegen der hohen deut­schen Bonität massiv aufwer­ten. Internationales Kapital würde massen­haft nach Deutschland fließen. Die Exporte ins Ausland würden einbre­chen, da die deut­schen Produkte im Verhältnis zu teuer wären.

Wer also kein Interesse am Euro-Ausstieg haben kann, sind alle, die ihr Geld mit Export und Handel verdie­nen: Ergo alle Großkonzerne, ihre MitarbeiterInnen und ihre Zulieferer. Und der export­ori­en­tierte Mittelstand nicht minder. Denn dort würden zwangs­läu­fig massen­haft Jobs wegfal­len.

Gleichzeitig wäre das Geld auf einen Schlag viel mehr wert.

Und es gibt nur eine Berufsgruppe, die ihr Gehalt immer bekommt und unkünd­bar ist: BeamtInnen. (Selbst Renten können sinken.)

Insofern ist es durch­aus nicht unschlüs­sig, dass die „Partei der Professoren” AfD gegen den Euro agitiert und die Wiedereinführung der Deutschen Mark fordert.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

11 Gedanken zu „Wer würde von einem Euro-Ausstieg profitieren?“

  1. Aus ähnlich eigen­nüt­zi­gen Gründen trom­meln ja die großen Konzerne auch immer lustig für jedes neue Rettungspaket und machen seit Jahren ordent­lich Stimmung für die soge­nannte Rettungspolitik. Man sollte solche Einflussnahmen einfach igno­rie­ren. Zumindest, wenn man einen Weg finden will, mit dem sich die Krise beenden lässt. Was das angeht befin­den sich aller­dings sowohl die AFD, als auch die Regierung und ihre Verbündeten in der Opposition offen­sicht­lich auf dem Holzweg.

  2. Wir brau­chen die DM nicht zurück. Ein soge­nann­ter Nord-Euro wäre in der jetzi­gen Situation eher ange­mes­sen. Was aber viel wich­ti­ger ist: Länder wie Spanien, Portugal oder Griechenland brau­chen eine Währung, mit der sie ihre extrem hohen Arbeitslosenzahlen senken können.

    1. Spanien, Portugal und Griechenland werden aber keine eigene Währung einfüh­ren.
      Der Euro hat ihnen den Zugang zu billi­gen Krediten ermög­licht, ein Umstieg auf eine eigene Währung würde den Zugang verschlie­ßen.

      Realistisch betrach­tet ist die Wiedereinführung der D-Mark die einzige Chance für Deutschland aus dem Projekt Euro auszu­stei­gen und die einzige Chance für die Krisenländer ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertung zu erhöhen.
      Die Frage dabei ist sicher­lich wie weit das die Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland betrifft. Ich habe so meine Zweifel das Griechenland mehr Luxusautos, Grund- und Spezialchemie und Werkzeugmaschinen verkauft wenn Deutsche Exporte teurer werden…
      Niemand kauft sich einen Porsche, BMW oder Daimler weil dieser billi­ger ist als ein gleich­wer­ti­ges Auto aus Spanien oder Griechenland.

      Was spricht eigent­lich dagegen die deut­schen Beamten weiter­hin voll oder teil­weise mit Euro zu bezah­len ? ;-)
      Bei einem Euroausteig der BRD wird es sicher­lich eine Zeitlang die Möglichkeit geben wahl­weise mit Euro oder D-Mark zu zahlen…

  3. der Vergleich hinkt ein kleines biss­chen. auch due beamten alimen­tie­rung kann per gesetz gesenkt werden. da Änderungen daran aber
    im allg. lange brau­chen, bis sie umge­setzt werden stimmt die aussage bedingt.

  4. Und es gibt nur eine Berufsgruppe, die ihr Gehalt immer bekommt und unkünd­bar ist: BeamtInnen. (Selbst Renten können sinken.)

    Ob nun mit Euro oder Nordeuro: Wenn es für die breite Bevölkerung und die öffent­li­chen Haushalte immer enger wird, dann kommen auch irgend­wann auch die Beamten unter Druck. Höheres Pensionseintrittsalter, Diskussion über Witwenrente, weniger Beförderungen… Man braucht nur mal verglei­chen, wie unter­schied­lich schnell es in verschie­de­nen Verwaltungen und Bundesländern vom Inspektor zum Regierungsrat geht. Die Beamten sind nicht vor Anpassungen nach unten sicher.

  5. Lebensarbeitzeitverlängerung, Wochenarbeitszeitverlängerung, Versorgungsrücklage, Kürzung der Pension, Wegfall von Urlaubsgeld, Reduzierung auf 30% (und geplan­ter künf­ti­ger Wegfall) vom Weihnachtsgeld, kein Streikrecht und keine Chance, sich einen anderen seriö­sen Arbeitgeber zu suchen: ja wirk­lich, traum­hafte Zustände für die Beamten (in NRW).
    Wenn Ihnen, Herr Soeder, nicht mehr einfällt als im Beamtentum die Profiteure eines Euro-Ausstieges zu suchen, sollten Sie sich viel­leicht anderen Themen zuwen­den.

  6. Ich habe meine Zweifel, dass die AfD wirk­lich die Rückkehr der D-Mark fordert. Ließ mal das Programm der AfD oder hör Dir an was Lucke fordert. Der fordert alles mögli­che, nur nicht die Rückkehr zur natio­na­len Währung.

  7. „Die Exporte ins Ausland würden einbre­chen, da die deut­schen Produkte im Verhältnis zu teuer wären.”

    Bedeutet in anderen Worten:

    Momentan bekom­men wir für unsere Waren und Dienstleistungen nicht den Gegenwert, den sie eigent­lich haben. Gleichzeitig müssen wir für Importe mehr bezah­len, als sie eigent­lich wert sind.

    Die D-Mark hat gegen­über der Drachme in den 20 Jahren vor der Euro-Einführung um ca. 900% zuge­legt, gegen­über dem Franc um 200%, gegen­über dem Escudo um ca. 600%. ohne dass es zu ganz großen Einbrüchen in die Exporte dieser Länder gekom­men wäre.

    1. „Momentan bekom­men wir für unsere Waren und Dienstleistungen nicht den Gegenwert, den sie eigent­lich haben. Gleichzeitig müssen wir für Importe mehr bezah­len, als sie eigent­lich wert sind.”

      „Wir” gibt es nicht. Genau das habe ich ja oben aufge­zeigt.

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