Nicht aufgeben. Weitermachen.

Meine gute Freundin Mina verzwei­felt ein wenig an den Strukturen der SPD. Und in einigen Punkten hat sie auch Recht.

Im Großen und Ganzen indes­sen ist es aber nicht so einfach. Ich zitiere mal rasch, was ich vor einem Jahr auf SPD.de geschrie­ben habe:

Und das ist dann auch der Knackpunkt. Die, die momen­tan die Macht haben, haben ja gar keinen Grund, die Macht einfach so abzu­ge­ben – warum sollten sie das denn tun? Darum müssen „wir“ auch kämpfen. Also: hinge­hen, Klappe aufrei­ßen, keine Angst vor großen Namen – einige Male wird es schief gehen und man bekommt verbal die Fresse poliert, man verliert eine Abstimmung, man wird nicht gewählt, man blamiert sich – so ist das nun einmal in der Politik. Das ist kein Ponyhof. Aber irgend­wann klappt es, man ist gewählt und kann selbst gestal­ten und muss nicht mehr darauf warten, dass die eigenen Ideen von Mandatsträgern und Funktionärinnen aufge­nom­men werden.

Dazu stehe ich noch immer.

Die SPD ist eine große Partei mit knapp 500.000 Mitgliedern. Davon sind unge­fähr 50.000 aktiv, 250.000 reine Passivmitglieder (aus welchen Gründen auch immer), der Rest irgendwo dazwi­schen. Ungefähr 10.000 sind sehr aktiv, das sind die, die die diver­sen Vorstandsämter (vom Ortsverein bis hoch zum Parteivorstand) beset­zen.

Und in einer Partei mit so vielen Menschen (wir waren mal mehr, geschenkt) ist die eigene Meinung eben nur eine Meinung unter vielen. Und man muss darum kämpfen, dass man eine Mehrheit bekommt.

Wie geht das?

Es ist eigent­lich einfach.

Das Zauberwort heißt: Organisation.

Räume bilden, in denen Gleichgesinnte Ideen debat­tie­ren können. In denen man merkt, dass man nicht allein ist, sondern dass auch andere die gleiche Meinung vertre­ten. (Zur Organisationsfrage kann man bspw. Alan Poseners Gastbeitrag für ROTSTEHTUNSGUT lesen.)

Was eigent­lich so einfach ist, ist gleich­zei­tig auch sehr schwer. Denn natür­lich kostet es Zeit und Kraft, Strukturen aufzu­bauen. Man braucht Ausdauer und darf sich von Rückschlägen nicht entmu­ti­gen lassen.

Alerdings ist eine Sache auch völlig klar: Man kann sich noch so sehr anstren­gen — Anspruch auf Erfolge gibt’s nicht. Wenn die Mehrheit anderer Meinung ist und sich nicht über­zeu­gen lässt, mit welchen Argumenten auch immer — dann ist die ganze Mühe verge­bens.

Für Neumitglieder ist das alles natür­lich noch einmal schwie­ri­ger. Völlig klar.

Was aber nicht gilt, ist: Den Kopf in den Sand zu stecken. Demokratie ist anstren­gend und mühsam. Und wer Einfluss haben will, muss demo­kra­tisch legi­ti­miert sein. Deshalb führt kein Weg am stei­ni­gen Weg vom Kreisverband bis zum Bundesparteitag vorbei. Und, nicht falsch verste­hen: Es werden nicht alle schaf­fen.

Aber die Mühe lohnt sich. Wenn man in der SPD eine Mehrheit erreicht hat, dann ist das was. Die Jusos schaf­fen es immer mal wieder — also geht rein in die Jusos, seid laut und zeigt der SPD, dass ihr was könnt.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

3 Gedanken zu „Nicht aufgeben. Weitermachen.“

  1. „…(wir waren mal mehr, geschenkt) …”
    dieser schein­bar unschein­bare einschub drückt genau das aus, was ich der spd in die ohren schreien möchte:
    die wursch­tig­keit, wie sie mit den hoff­nun­gen der menschen umgeht, die sie vertre­ten sollte!
    ne halbe million weniger.…… quod juctum… was juckts.…geschenkt!

  2. Ottmar Schreiner ist gestor­ben.
    Ich verneige mich vor einem groß­ar­ti­gen, kämp­fe­ri­schen Sozialdemokraten! Bei ihm war ich mir immer sicher, dass er auf unserer Seite stand. Er hinter­lässt eine riesen­große Lücke!!!

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