An der Spitze ist es einsam

In der Debatte zur Vereinbarung von Familie und Karriere ist eine wich­tige Unterscheidung zu treffen, die viel zu oft unter­bleibt.

Es gibt die „normale” Karriere, also den Einstieg in ein Unternehmen (gleich­wohl ob Staat, öffent­li­che Hand, Privatwirtschaft, Partei, etc.) und dann den lang­sa­men Aufstieg auf der Karriereleiter. Da muss die Politik alles tun, was notwen­dig ist, um hier eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicher­zu­stel­len. Also: 40-Stunden-Woche, klare Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch, Kinderbetreuung, etc. pp. Das ist der Bereich, der unge­fähr 90–95 Prozent der arbei­ten­den Bevölkerung angeht — die einen mehr, die anderen weniger. Viele wollen auch gar keine Karriere, sondern sind zufrie­den damit, ein gutes Leben zu führen und Arbeit und Privates klar zu trennen und dabei keine Existenzängste zu haben.

Neben der „norma­len” Karriere gibt es aller­dings noch eine andere Karriere: Die Spitzenkarriere. Das sind die Positionen, die für 90–95 Prozent der Menschen (Männer und Frauen) komplett uner­reich­bar sind, egal, wie sehr sie sich anstren­gen. Denn von diesen Spitzenpositionen (DAX-ManagerIn, BundesministerIn, etc. pp.) gibt es nicht gerade viele, das liegt ganz einfach in der Natur der Sache. In diesen Positionen sind Arbeitszeiten gefor­dert und eine persön­li­che Hingabe, die weit über das Übliche der „norma­len” Karriere hinaus­geht. Relevant ist dieser Bereich für maximal 5 Prozent der arbei­ten­den Bevölkerung. Es sind Obere-Oberschicht-Probleme, nicht die der Mittelschicht.

Das ist dennoch gleich­zei­tig der Bereich, der in den öffent­li­chen Debatten weit über Gebühr beach­tet wird, so auch aktuell:

Steinbrück trifft sich, unter jour­na­lis­ti­scher Begleitung, zum Mittagessen mit einer Frau, die vor Jahresfrist welt­weit Bewegung in die Debatte über Frauen- und Gleichstellungspolitik brachte. Er speist mit Anne-Marie Slaughter, der ehema­li­gen Stabschefin im US-Außenministerium, die 2011 ihren Topjob aufgab, der Kinder wegen, und ihre Entscheidung in einem aufse­hen­er­re­gen­den Aufsatz erläu­terte, der den Titel trug: „Warum Frauen immer noch nicht alles haben können” — sprich: Karriere und Familie.

Slaughters Perspektive ist einsei­tig und falsch. Stabschefin im US-Außenministerim ist eine Position, die für die meisten Männer und für die meisten Frauen völlig uner­reich­bar ist. Wer sich dafür entschei­det, so eine Position einzu­neh­men, hat die grund­sätz­li­che Entscheidung bereits getrof­fen. Und die Entscheidung bedeu­tet: Die Spitzenposition hat Vorfahrt, ein gere­gel­tes Familienleben ist gänz­lich unmög­lich. Das muss man einfach verste­hen und begrei­fen. Die Probleme eines Barack Obama, einer Angela Merkel und einer Anne-Marie Slaughter sind die exakt glei­chen — und sie haben nichts mit den Problemen der Frauen und Männern in „norma­len” Karrieren zu tun.

Wer also bei einer Debatte über die Vereinbarung von Familie und Beruf Slaughter (oder die Yahoo-Chefin) als Beispiel anführt, hat genau gar nichts verstan­den.

Die Frauenquote für DAX-Vorstände und -Aufsichtsräte ist trotz­dem richtig (jedoch aus anderen Gründen), don’t get me wrong — aber zu glauben, dass das auch nur ein winzi­ges kleines Stückchen mehr Geschlechtergerechtigkeit für die Masse der Frauen bringt, ist ein einzi­ger großer Fehler.

Die Politik muss etwas errei­chen für die Masse der Menschen, für die Mittelschicht, für die norma­len Leute. Oberschichts-Angehörige wie Slaughter, Merkel und Obama kommen ganz fabel­haft über die Runden, ohne dass die Politik da etwas tun muss.

Wer sich für ein Leben an der Spitze entschei­det, entschei­det sich damit auch für die Einsamkeit. Das war immer so und wird auch immer so sein. Das ändern zu wollen verkennt nicht nur die Realität, nämlich dass niemand gezwun­gen wird, Spitzenjobs anzu­neh­men — es verkennt auch die realen Erfordernisse moder­ner, progres­si­ver Politik.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

25 Gedanken zu „An der Spitze ist es einsam“

  1. Also erstmal: Welchen Begriff von „(Obere) Oberschicht“ legst du denn hier zugrunde? Wenn über­haupt, kann man den ironie­frei doch nur im streng ökono­mi­schen Sinne als Bezeichnung für eine bestimmte Einkommensklasse verwen­den. Dann würdest du hier sagen, dass es zwar o.k. ist, viel Geld verdie­nen zu wollen, dass dafür dann aber Familie keine Option mehr ist. Das gilt — natür­lich — nur für Frauen, denn, wie dir sicher klar ist, haben viele (viel­leicht sogar die meisten) männ­li­chen Mitglieder dieser „oberen Oberschicht“ durch­aus Familien, nur, dass sich eben ihre Frauen darum kümmern. Solange du diese neo-libe­rale Vorstellung von Einkommen und Familie hast, zwingst du Frauen, sich zwischen einem Spitzeneinkommen und einer Familie zu entschei­den, Männer aber nicht. Noch schlim­mer wird es, wenn du mit „obere Oberschicht“ mehr als nur eine Einkommensklasse meinst — wenn du damit bestimmte Machtpositionen charak­te­ri­sierst. Denn dann unter­stützt du hier ein System, dass es nur Männern erlaubt, Macht und Familie zu haben, während Frauen sich wiederum zwischen Macht und Familie entschei­den müssen. Und das bedeu­tet, dass bestimmte Menschen, und damit bestimmte gesell­schaft­li­che Positionierungen, niemals in poli­ti­schen oder wirt­schaft­li­chen Führungspositionen zu finden sein werden, und das du das völlig in Ordnung findest. Das fände ich schon dann äußerst befremd­lich, wenn es in dieser Offenheit von einem FDPler geäu­ßert würde. Bei einem Sozialdemokraten macht es mich fassungs­los.

    1. Wie geschrie­ben: Ich finde Frauenquoten richtig, um eben dieses Muster aufzu­bre­chen.

      Gleichzeitig halte ich die Frage der Machtverteilung in der oberen Oberschicht für eine Frage niede­ren Ranges. Wer ganz oben mitspie­len will, muss eben Abstriche machen. Politik soll für die Masse der Menschen gemacht werden, nicht für die Elite.

      1. „ Politik soll für die Masse der Menschen gemacht werden, nicht für die Elite.“

        Aber so, wie du es hier vertei­digst, wird Politik dann zwangs­läu­fig VON einer Elite gemacht.

    2. Du verwech­selst formale Verhältnisse mit fakti­schen. In den Machtregionen, von denen Christian spricht, haben auch Männer viel­leicht formell eine Familie, weil sie mal gehei­ra­tet haben und ihre Frau Kinder bekom­men hat, faktisch aber nicht, eben weil sie den größten Teil des Tages ihrem Job nach­ge­hen.

      Bei Frauen ist aber schon der Einfluss von Kindern auf ihr Leben ein ganz anderer, was ihnen diese „fire and forget”-Strategie erschwert. Die Überwindung der Biologie durch den Feminismus ist in dieser Hinsicht noch nicht sehr weit fort­ge­schrit­ten. Christians Beschreibung wird übri­gens von den Erzählungen von Frauen gedeckt, die sich in Organisationshierarchien nach oben gear­bei­tet haben.

      Es gibt übri­gens keine Hierarchie, die es Frauen verbie­tet, Unternehmerin zu werden. Warum sich unter denen dennoch auch vergleichs­weise wenige Frauen finden, wäre viel­leicht auch mal ne Überlegung wert. Selbst wenn sie in gefähr­li­che „neoli­be­rale” Gefilde führt.

    3. Ich sehe es genauso. Dass nur wenige Menschen an der Spitze sein können, ist trivial. Es recht­fer­tigt aber nicht, dass wir eine struk­tu­relle Ungerechtigkeit haben, die dies beinahe ausschließ­lich weißen Männern erlaubt.

      Gerade in der Politik möchten ja auch andere Gruppen vertre­ten werden; das ist der Sinn einer reprä­sen­ta­ti­ven Demokratie. Ich möchte den poten­ti­el­len Vertretern so wenig unnö­tige Steine in den Weg gelegt sehen wie möglich, gerade wenn diese margi­na­li­sierte Gruppen vertre­ten wollen. Auch Probleme bei der Vereinbarkeit von poli­ti­scher Karriere und Familie gehören meiner Meinung nach zu den Steinen, die möglichst zu besei­ti­gen sind — damit ich besser von unseren Politikern vertre­ten werde!

      Und nein, ich denke nicht, dass es bei der poli­ti­schen Vertretung von Frauen ausreicht, wenn Männer diese über­neh­men. Ich denke auch nicht, dass es gut ist, wenn ausschließ­lich weiße Menschen uns in der Regierung reprä­sen­tie­ren. Ich möchte keines­wegs chau­vi­nis­tisch sein; es gibt Ausnahmen. Doch insge­samt ist das Konzept, dass hete­ro­se­xu­elle weiße Männer die Gesellschaft poli­tisch vertre­ten in der Vergangenheit geschei­tert, das heißt dieses System hat zur Marginalisierung von Bevölkerungsgruppen und zu deren Benachteiligung geführt.

      Die Geschichte zeigt, dass wir beim Thema „Gerechtigkeit” nicht alles auf sich selbst beruhen lassen können. Das sollte ein Sozialdemokrat eigent­lich wissen (Thema „freie Marktwirtschaft”). Gegen Benachteiligungen und insbe­son­dere gegen mangel­hafte poli­ti­sche Teilhabe bestimm­ter Gruppen muss in einer reprä­sen­ta­ti­ven Demokratie vorge­gan­gen werden, eine Laissez-faire-Einstellung bringt uns nicht weiter und führt letzt­lich dazu, dass Ungerechtigkeiten der Normalzustand bleiben.

      1. „Gegen Benachteiligungen und insbe­son­dere gegen mangel­hafte poli­ti­sche Teilhabe bestimm­ter Gruppen muss in einer reprä­sen­ta­tiven Demokratie vorge­gangen werden, eine Laissez-faire-Einstellung bringt uns nicht weiter”

        Du hast den obigen Text also nicht gelesen. Okay.

        1. Doch, habe ich. Warum hätte ich diese Seite besu­chen sollen, ohne den Text zu lesen, den du geschrie­ben hast? Vielleicht ist ja etwas unklar geblie­ben. Dann soll­test du viel­leicht so freund­lich sein, die Unklarheiten, die dich zu der Meinung veran­las­sen, ich hätte den Text nicht gelesen, zu erläu­tern und dich verständ­li­cher auszu­drü­cken.

          Schließlich willst du mich von etwas über­zeu­gen, oder warum hast du sonst den Text geschrie­ben?

          1. Zitat:

            Es gibt die „normale” Karriere, also den Einstieg in ein Unternehmen (gleich­wohl ob Staat, öffent­liche Hand, Privatwirtschaft, Partei, etc.) und dann den lang­samen Aufstieg auf der Karriereleiter. Da muss die Politik alles tun, was notwen­dig ist, um hier eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicher­zu­stellen. Also: 40-Stunden-Woche, klare Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch, Kinderbetreuung, etc. pp.

            Wenn Du das als „Laissez-faire-Einstellung” betrach­test, dann finden wir wohl nicht zusam­men.

  2. Die Vorstellung, 90–95 Prozent der arbei­ten­den Bevölkerung würden eine „normale” Karriere machen und wären Mittelschicht, während der Rest eine „Spitzenkarriere” hinlegt, kommt mir mehr als reali­täts­fremd vor. Zum einen: Welcher Karrierebegriff liegt hier zu Grunde? Den einer Laufbahn, der mit zuneh­men­der Qualifikation und sozia­lem Aufstieg zusam­men­fällt? Nicht jede Berufsbiographie sieht das vor. Zum anderen: Was ist mit den Working Poor, prekär Beschäftigten, Mini-Jobber_innen etc.?

    Sozialdemokratische Politik, die ihre Konzepte von Vereinbarkeit an Spitzenkarrieren ausrich­tet, greift zu kurz. Sozialdemokratische Politik, die davon ausgeht, wir lebten in einer Welt, in der es nur Mittelschicht und Spitze gibt, macht sich lächer­lich.

  3. Sehr lobens­wert, Christian, dass du als Quotenbefürworter auf diesen Umstand aufmerk­sam machst, selbst auf die Gefahr hin, dass Leute wie ich dir dann Inkonsequenz vorwer­fen ;-)

    Eine Frauenquote im Management ist nur unter zahl­rei­chen Logikbrüchen zu begrün­den (oder ideo­lo­gisch, aber das geht ja meist Hand in Hand). Und eine Frauenquote in Aufsichtsräten ist gänz­lich absurd. Sollen doch Gewerkschaften und Betriebsräte mit gutem Beispiel voran­ge­hen und nur Frauen als Vertreterinnen dorthin schi­cken, dann haben wir da eine Super-Quote ;-) Ich fürchte nur, die haben dann diesel­ben Probleme wie bei der Besetzung von Managementpositionen.

          1. Politisch zunächst ja nicht. Dass das aber der nächste Schritt sein soll, ist klar.

            Auch wieder typisch und Zeichen für prak­ti­zierte Ideologie. Die logi­sche Reihenfolge wäre ja gerade die umge­kehrte. Aufsichtsräte brau­chen erfah­rene Vorstände auf der Anteilseignerseite.

    1. Eigentlich sollten die Landtage und der Bundestag mit guten Beispiel voran­ge­hen, in dem sie eine bestimmte Quote an Mandaten für Frauen reser­vie­ren.

      Und wenn dann der Wähler trotz­dem zu viele Männer wählt, wird die Wahl für ungül­tig erklärt oder eine Strafe erhoben.

  4. „Zitat:

    Es gibt die „normale” Karriere, also den Einstieg in ein Unternehmen (gleich­wohl ob Staat, öffent­liche Hand, Privatwirtschaft, Partei, etc.) und dann den lang­samen Aufstieg auf der Karriereleiter. Da muss die Politik alles tun, was notwen­dig ist, um hier eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicher­zu­stellen. Also: 40-Stunden-Woche, klare Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch, Kinderbetreuung, etc. pp.

    Wenn Du das als „Laissez-faire-Einstellung” betrach­test, dann finden wir wohl nicht zusam­men.”

    Oh, ich hatte also doch richtig gelesen. Du hast mich falsch verstan­den. Ich finde dein Engagement für die „norma­len” Menschen mit ihren „Durchschnittskarrieren” sehr lobens­wert.

    Aber in deinem obigen Text schreibst du:

    „Denn von diesen Spitzenpositionen (DAX-ManagerIn, BundesministerIn, etc. pp.) gibt es nicht gerade viele, das liegt ganz einfach in der Natur der Sache. In diesen Positionen sind Arbeitszeiten gefor­dert und eine persön­liche Hingabe, die weit über das Übliche der „norma­len” Karriere hinaus­geht. Relevant ist dieser Bereich für maximal 5 Prozent der arbei­tenden Bevölkerung. Es sind Obere-Oberschicht-Probleme, nicht die der Mittelschicht.”

    Hier wirfst du zum einen die DAX-ManagerIn mit der BundesministerIn durch­ein­an­der. Wenn du daran zwei­felst, dass die Förderung einer Dax-Managerin mehr Geschlechtergerechtigkeit für „normale” Frauen bedeu­tet, dann ist das eine Sache.
    Aber die Bundesministerin kann mein Leben beein­flus­sen! Dafür seid ihr Politiker doch da, oder nicht? Wozu brauche ich euch denn sonst über­haupt? Ihr seid doch nicht da, um Karriere zu machen oder die Ober-Oberschicht zu sein, sondern um mich zu vertre­ten, das ist euer JOB!

    Wenn also wegen geschlech­ter­spe­zi­fi­schen Benachteiligungen nur vergleichs­weise wenige Frauen Spitzenpolitikerinnen werden, dann betrifft das auch eine kleine Mittelschichtlerin wie mich, da ich in der Politik dann zu einem über­pro­por­tio­na­len Anteil von Männern (wie Herrn Gauck) vertre­ten werde; dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass meine Probleme nicht ernst genom­men werden und in der Politik nicht behan­delt werden.

    Ich spreche hier ausschließ­lich von Politikerinnen. Ich finde, ihnen muss gehol­fen werden, geschlechts­spe­zi­fi­sche Nachteile zu über­win­den. Ein Herr Obama hat diese Schwierigkeiten nicht in glei­cher Weise! Und ich habe einmal gelesen, dass Cem Özdemir von seinen poli­ti­schen Problemen berich­tete, als er versuchte, das neuge­bo­rene Kind für eine Weile zu betreuen und gleich­zei­tig Politik zu machen (was für Frauen oft die Norm ist).

    Ich möchte nicht, dass gute Politikerinnen wegen ihrer Entscheidung für ein Kind (und damit in vielen Fällen notge­drun­gen gegen die Politik) davon abge­hal­ten werden, mich zu vertre­ten! Das ist auch mein Problem, nicht nur das der Politikerinnen (also nicht nur ein Oberschichtenproblem)!

    Du als Politiker soll­test echt verste­hen, denn dein Job und der von Ministerinnen ist nicht, zur Oberschicht zu gehören, sondern Politik zum Beispiel für Mittelschichtler wie mich zu machen.

    Deshalb haben wir ja auch ein Politikergehalt. In den USA gibt es das nicht, und da kommen wegen der finan­zi­el­len Hürde nur die Reichen in die Politik. Du siehst ja am Beispiel der USA, wie gut es funk­tio­niert, wenn die Reichen die Armen vertre­ten. Das Gehalt für Politiker exis­tiert, damit Menschen keine finan­zi­elle Hürde über­win­den müssen, um in der Politik zu arbei­ten. Damit wird poli­ti­sche Aktivität auch für Leute möglich, die nicht Millionen auf dem Konto haben. Politikerinnen sollten auch bei der Familie/Beruf-Thematik keine Hürde über­win­den müssen, sonst schaf­fen es fast nur kinder­lose Frauen oder Männer in die Politik und das betrifft mich, es sei denn du behaup­test, Politik wäre sowieso wirkungs­los für mich. Das wäre aber eine selt­same Einstellung für dich als Politiker.

    1. „Du als Politiker soll­test echt verste­hen, denn dein Job und der von Ministerinnen ist nicht, zur Oberschicht zu gehören”

      Die Realität ist aber, dass BundesministerInnen zur Oberschicht gehören. Das bringt diese Machtstellung einfach mit sich.

      Und ja, da müssen Frauen sein. Deshalb bin ich ja auch für Frauenquoten in der Politik, ange­fan­gen auf der kommu­na­len Ebene bis hin zum Bundeskabinett.

      „Deshalb haben wir ja auch ein Politikergehalt. In den USA gibt es das nicht”

      Wie kommst Du auf die Idee?

      1. Hab mich vertan mit dem Politikergehalt — was ich im Kopf hatte war etwas anderes.

        Das macht aber die These nicht falsch, dass Politiker in den USA oftmals extrem reich sind und und dass es ärmeren kaum möglich ist, in die hohe Politik zu kommen. Chancengleicheit gibt es da nicht. Ehrlich, das ist bekannt, oder? Und wie die Reichen die Armen vertre­ten, das sieht man. Sollte einen Sozialdemokraten auf die Palme bringen.

        „Die Realität ist aber, dass BundesministerInnen zur Oberschicht gehören. Das bringt diese Machtstellung einfach mit sich.”

        Klar. Wir bräuch­ten auch mehr Spitzenpolitiker mit Hintergrund aus der Unterschicht. Das IST ein Problem. Trotzdem bezahle ich den Politiker nicht, damit er zu einer Schicht gehört oder Karriere macht, sondern damit er mich vertritt. Und damit wird er zu meinem Problem, zu einer „Person öffent­li­chen Interesses”. Das öffent­li­che Interesse ist mein Interesse. Deshalb bin ich auch weniger daran inter­es­siert, Frauen als Vorstände zu fördern, aber sehr daran, fähige Frauen in die Spitzenpolitik zu bringen.

        „Und ja, da müssen Frauen sein. Deshalb bin ich ja auch für Frauenquoten in der Politik, ange­fangen auf der kommu­nalen Ebene bis hin zum Bundeskabinett.”

        Dann wären wir uns ja einig, wenn nicht die leidige Frage bliebe, ob die Frauen das hinkrie­gen, Politik und Familie mitein­an­der zu verein­ba­ren (und ob sie nicht ausschei­den, wenn das nicht möglich ist.) Ich finde halt, da sollte man was tun.

        Ich möchte hier auch darauf hinwei­sen, dass die SPD ja durch­aus über Gruppierungen verfügt, die sich für Frauenthemen stark machen. Allerdings läuft da wohl auch nicht alles glatt mit dem promi­nen­ten Spitzenpersonal:

        http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sigmar-gabriel-irritiert-spd-frauen-a-834212.html

        Zitat von Elke Ferner: „„Wir werden eben immer noch als sehr männ­li­che Partei wahr­ge­nom­men, und wenn in der ersten Reihe des Bundestages nur Männer sitzen, wirkt das eben auch entspre­chend”

        Selbst Herr Gabriel möchte ja die Belange von Frauen in der SPD nicht als Nischenthema verste­hen, wie aus dem Artikel hervor­geht.

        Aber wenn man angeb­lich so gerne Frauen in der vorders­ten Reihe hätte, warum dann nicht aktiv was unter­neh­men gegen die Probleme, mit denen sie sich bei Aufnahme einer poli­ti­schen Karriere herum­schla­gen? Vielleicht setzt ihr ja wirk­lich die Frauenquote im Kabinett durch, wenn ihr die Bundestagswahl gewinnt (das bleibt abzu­war­ten), aber warum denkt ihr nicht darüber nach, wie man es Frauen leich­ter machen kann, die Frauen hier draußen zu vertre­ten? Im Gegenteil, du plädierst hier dafür, derlei Hilfestellungen zu unter­las­sen, weil das ja deiner Meinung nach nur wenige Personen betrifft.

        Viele Frauen fühlen sich von Herrn Gabriel oder Herrn Steinbrück nicht vertre­ten, trotz der Bemühungen Steinbrücks, mit promi­nen­ten Amerikanerinnen im Restaurant zu dinie­ren um die Probleme der Frauen zu disku­tie­ren. Klar, ihr habt Malu Dreyer und Hannelore Kraft auf Landesebene. Ihr seid nicht die CSU (und das erwarte ich von euch auch, da ich sicher nicht die CSU wählen würde.) Aber auf Bundesebene?

        Ihr verliert dadurch Wählerstimmen. Viele Frauen wählen nicht mehr wie ihre Ehemänner, die möchten ihre Themen selbst bestim­men. Sie lassen sich nicht mehr sagen, dass Alltagssexismus unwich­ti­ger ist als Mali. Prinzipiell würde ich es zwar auch begrü­ßen, wenn Männer meine Interessen in meinem Sinn vertre­ten würden, aber oft funk­tio­niert das einfach nicht beson­ders gut, wenn die Männer weit­ge­hend unter sich sind.

        Wenn wir uns wirk­lich einig sind, und du Kandidatinnen an der Spitze deiner Partei ebenso begrü­ßen würdest wie ich, dann würdest du was dafür tun, dass ihnen Steine aus dem Weg genom­men werden, damit sie dorthin kommen, wo sie gut Politik für mich machen können, und dafür, dass sie nicht im Kinderzimmer enden oder ganz auf Kinder verzich­ten müssen (was viele ableh­nen — so ist unsere Gesellschaft nun einmal). Und wenn Wähler wie ich den Eindruck haben reprä­sen­tiert zu werden, kriegt ihr unsere Stimmen. So funk­tio­niert das doch, oder?

  5. Pragmatismus in allen Ehren — wenn dabei der Blick aufs große Ganze verlo­ren geht und die Machtstrukturen außer acht gelas­sen werden, läuft man leider Gefahr, nur an Symptomen herum­zu­dok­tern und auf der Stelle zu treten.

    Ich halte die zentrale Aussage des Textes („was ganz oben passiert, ist nicht unsere Baustelle”) für erschre­ckend naiv (schließ­lich geht es dabei, wie chi-tace-accon­sente schon schrieb, um die Gruppe der Entscheidungsträger, die maßgeb­lich die Lebens- und Arbeitsbedingungen aller Menschen fest­le­gen) und daher in der Konsequenz für gefähr­lich reak­tio­när.

    Das altbe­kannte Mantra „Spitzenjobs lassen sich halt einfach nicht mit Familie verein­ba­ren” wieder­zu­käuen, ist zudem ausge­spro­chen denk­faul sowie völlig mut- und visi­ons­los.
    Wollen wir uns denn wirk­lich einfach damit abfin­den, dass die großen, wich­ti­gen Entscheidungen in diesem Land auch zukünf­tig nur von Männern bzw. von kinder­lo­sen Frau getrof­fen werden?

    1. „Wollen wir uns denn wirk­lich einfach damit abfin­den, dass die großen, wich­tigen Entscheidungen in diesem Land auch zukünf­tig nur von Männern bzw. von kinder­losen Frau getrof­fen werden?”

      Für mich ist das Ergebnis entschei­dend.

      Und, am Rande bemerkt: „Kinderlosigkeit” ist ganz sicher kein Makel.

      1. „Und, am Rande bemerkt: „Kinderlosigkeit” ist ganz sicher kein Makel.”

        Autsch, was für ein geschmack­lo­ser, billi­ger Angriff. Natürlich ist Kinderlosigkeit kein Makel!
        Es ist viel­mehr ein Makel unserer Gesellschaft, dass Frauen mit Kindern sehr viel schlech­tere Chancen haben, in Führungspositionen zu gelan­gen, als Frauen ohne Kinder. Und dass bei Männern die Kinderfrage in der Regel gar nicht erst gestellt wird!

        „Für mich ist das Ergebnis entschei­dend.”

        Sie halten also daran fest, dass es völlig neben­säch­lich sei, wie groß der Frauenanteil unter den Entscheidungsträgern in der „Oberschicht” ist, solange die Politik sich nur genug um die breite Masse der „norma­len” Frauen kümmert?

        1. Sie halten also daran fest, dass es völlig neben­säch­lich sei, wie groß der Frauenanteil unter den Entscheidungsträgern in der „Oberschicht” ist, solange die Politik sich nur genug um die breite Masse der „norma­len” Frauen kümmert?

          Da ich das nie geschrie­ben habe, muss ich daran auch nicht fest­hal­ten.

    2. „Das altbe­kannte Mantra „Spitzenjobs lassen sich halt einfach nicht mit Familie verein­baren” wieder­zu­käuen, ist zudem ausge­spro­chen denk­faul sowie völlig mut– und visi­onslos.
      Wollen wir uns denn wirk­lich einfach damit abfin­den, dass die großen, wich­tigen Entscheidungen in diesem Land auch zukünf­tig nur von Männern bzw. von kinder­losen Frau getrof­fen werden?”

      Sehe ich genauso.

Kommentare sind geschlossen.