FDP: Jetzt ohne Logik

Peer Steinbrück hat sich zum Wahlausgang in Italien geäußert:

Steinbrück hatte am Dienstagabend einen Wahlkampfauftritt in Potsdam. Er sprach über die Mehrwertsteuer und die Bundesregierung, über die Rente mit 67 und, nun ja, über den Wahlausgang in Italien. „Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben“, sagte er. Gemeint waren die Ergebnisse von Ex-Premier Silvio Berlusconi und Komiker Beppe Grillo.

Große Aufregung! Alle entsetzt: Da spricht einer aus, was alle denken. Die FDP: Ganz besonders aufgeregt.

Eine Kostprobe:

Italiens schillernder Ex-Premier Silvio Berlusconi ist in Berlin nicht gerade beliebt – seine Skandale, Schmutzeleien und sein Populismus sorgen bei deutschen Politikern oft für Augenrollen. Dass SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nun ausgerechnet mit dem Cavaliere verglichen wird, dürfte ihn nicht freuen. Doch der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, verspottet ihn genauso. „Er mutiert zunehmend zu einem deutschen Peerlusconi“, sagte Wissing Handelsblatt Online.

Wissing! Zu versuchen, Steinbrück mit dem nur mäßig originellen Namenswitz „Peerlusconi“ zu schmähen, zeigt v.a., dass Steinbrück voll und ganz Recht gehabt hat. Denn als Lob kann Wissing das ja wohl kaum gemeint haben.

Ach, FDP. Einfach mal nur fünf Minuten nachdenken, bevor man sich komplett blamiert. Wäre das nichts?

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

5 Gedanken zu „FDP: Jetzt ohne Logik“

  1. Die Logik funktioniert eben auch in die andere Richtung. Zum schlechten Ruf Berlusconis gehört, dass er despektierlich über ausländische Politiker herzieht. Wenn Steinbrück ihn dann als „Clown“ bezeichnet (und damit indirekt alle Italienier beleidigt, die sich für Berlusconis Bündnis entschieden haben), tritt er also in seine Fußstapfen.

    Die Frage ist nicht, ob Steinbrück „Recht“ hat oder nicht (ist bei Wertungen gar nicht objektiv feststellbar), sondern ob jemand, der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland werden will, sich eines solchen Umgangstons gegenüber demokratisch gewählten Politikern anderer Länder befleißigt sollte. Oder eben besser nicht. Bei Strauß damals wurde oft kritisiert, dass er sich nicht im Griff habe und deswegen als Kanzler ungeeignet sei. Er scheint in dieser Hinsicht einen würdigen Nachfolger zu haben.

    1. „Zum schlechten Ruf Berlusconis gehört, dass er despek­tier­lich über auslän­di­sche Politiker herzieht.“

      Das gehört sicherlich *auch* dazu, ist aber wohl kaum der Hauptgrund, warum niemand Berlusconi ernst nimmt.

        1. Es ist trotzdem nicht nett Peer Steinbrück mit Berlusconi oder Beppe Grillo zu vergleichen. Die haben 29% beziehungsweise 25% der Wähler dazu gebracht für sie zu stimmen.

          Ob Peer Steinbrück von den Wähler auch so ernst genommen wird ?

  2. Mir wurd der Blog hier empfohlen als Alternative zum Peerblog.
    Und der Beitrag scheint den zunächst kleinen Fehler von Peer Steinbrück noch kleiner zu reden. Und unreflektiert die FDP zu diskreditieren wenn die SPD so weiter macht wird die 5% Hürde auch bald magisch. Soweit ich hier http://www.derwesten.de/politik/napolitano-und-gauck-rueffeln-steinbrueck-wegen-clown-zitat-id7672454.html
    gehört hab ging der „Clown“vergleich auch an Napolitano dem italienischen Premier der sich gerade auf Deutschland Tour befindet und ein Termin mit Steinbrück hatte. Dieses Treffen wurde abgesagt und Bundespräsident Gauck durfte etwas schlichten.

    Fehler sollte man eingestehen können um dann ohne faulen Beigeschmack aus der Sache gestärkt hervor zu gehen. Ich seh bei dem rotzfrechen Steinbrück keinerlei dieser Kompetenzen und anscheinend auch kaum jemand in der SPD der das fordert nur um die Kanzlerschaft nicht zu gefährden.

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