Unheimliche rot-schwarze Stabilität

In Berlin haben wir quasi alle Zutaten, die theoretisch benötigt werden, um eine Regierung in den Abgrund zu reißen.

Ein Regierungschef, der auf dem Tiefpunkt seiner Karriere angelangt ist und eine wichtige Machtposition aufgeben musste.

Eine Regierungskoalition, die von keinem der Partner und auch von ihren AnhängerInnen nicht gewollt wurde, weil die Partner sich eigentlich inhaltlich fremd sind.

Ein Milliardenprojekt, das völlig aus dem Ruder läuft und alle Beteiligten überfordert.

Ein kleiner Koalitionspartner, der auch noch intern mit Querelen zu kämpfen hat.

Eine völlig neue junge Partei, die mit den alten Skandalen nichts zu tun hat und somit gegen „die da oben“ auftrumpfen könnte.

Und trotzdem.

Trotzdem liegt Rot-Schwarz in den aktuellen Umfragen nach wie vor vorne.

Trotzdem kommen die Piraten nicht mehr an ihr Wahlergebnis von annähernd 10 Prozent heran.

Trotzdem ist die Linkspartei auf dem absteigenden Ast.

Die Grünen könnten als einzige Partei deutlich zulegen im Vergleich zum Wahlergebnis. Aber mit welchem Ergebnis? Die Regierung komplett ablösen könnten sie dennoch nicht, es ist weit und breit keine Mehrheit gegen Rot-Schwarz in Sicht.

Es ist alles in allem regelrecht unheimlich, wie stabil Rot-Schwarz in Berlin ist. Ich kann mir das jedenfalls nicht erklären.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.