Unternehmerische Freiheit ist zu respektieren

Einige Verlage, die Kinder– und Jugendbücher verlegen, haben ange­kün­digt, bestimmte Begriffe aus ihren Büchern zu strei­chen und durch andere Begriffe zu ersetzen. Keine große Sache, sollte man meinen.

Umgehend brach ein solcher Sturm im deut­schen Feuilleton aus, dass man sich schon an den Historikerstreit erin­nert fühlte.

Dabei ist die Debatte völlig schwachsinnig.

Denn es geht hier um die unter­neh­me­ri­sche Freiheit. Wenn ein Verlag ein Buch in einer Neuauflage in einer anderen Fassung veröf­fent­li­chen möchte, dann ist dagegen gar nichts zu sagen. (Es sei denn natür­lich, der Verlag hat die dazu notwen­digen Rechte nicht — aber dafür gibt es ja Urheber– und Verwertungsrechte und JuristInnen.)

Denn die diversen DebattenteilnehmerInnen haben schlicht und ergrei­fend nicht begriffen, dass es nicht um text­kri­ti­sche Editionen geht. Es wird keine „Geschichtsfälschung” betrieben, wenn Neuausgaben von Werken zwecks kommer­zi­eller Verwertung verän­dert werden. Verlage wollen Geld verdienen. Das dürfen sie.

Auch von „Zensur” zu spre­chen ist nichts anderes als schwach­sinnig: Denn „Zensur” kann nur der Staat ausüben. Wenn ich hingegen mich entscheide, in meinen Texten auf einen bestimmten Begriff zu verzichten, dann ist das einzig und allein meine eigene Entscheidung. Und wenn ich mich entscheide, andere Menschen zu verachten, die bestimmte Begriffe benutzen, dann ist das auch meine eigene private Entscheidung.

Allgemein: Wer glaubt, die kultu­relle Zukunft Deutschlands sei abhängig von Kinderbüchern, hat eh einen kompletten Hau weg und wird von mir als kultu­reller Nichtskönner und Gernegroß betrachtet.

Über Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

2 Kommentare zu “Unternehmerische Freiheit ist zu respektieren

  1. Und damit man das ange­staubte Zeug weiterhin verkaufen kann, wurde aus dem Grammophon im Gemeinschaftsraum von Hanni und Nanni längst der Plattenspieler. Und niemand regt sich drüber auf.