Warum Thierse Recht hat…

Erst einmal sollte man die Geschichte nicht ganz so ernst nehmen. Aber wenn man es denn tun will, sollte man eines beden­ken: Sowohl der Reiche als auch der Arme haben das gleiche Recht unter der Brücke zu schla­fen. Aber nur der Reiche hat eine echte Wahl.

Diese Erkenntnis ist eine der Wurzeln der Sozialdemokratie, die diese Unfreiheit ausglei­chen will („Freiheit, Gleichheit, Solidarität”). Die türki­schen Einwanderer aus Christians Beispiel haben zumeist nicht die freie Wahl des Stadtteils oder des Wohnorts gehabt. Sie sind dort hin gegan­gen, wo sie sich eine Wohnung leisten und Arbeit finden konnten. Das ist bei den „Schwaben” anders. Die haben die freie Wahl.

Wie Tom in den Kommentaren zu Christians Artikel schrieb: Das ist Lokalkolorit: Köln gegen Düsseldorf. Hamburg gegen Bayern — zwei auf Augenhöhe. Das tut keinem weh.

Autor: Steffen Voß

Steffen Voß bloggt meistens unter kaffeeringe.de und twittert als kaffeeringe. Manchmal bloggt er auch beim landesblog.de Sein Motto ist: "Mach es selbst, oder wunder Dich nicht, wenn es nicht passiert."

11 Gedanken zu „Warum Thierse Recht hat…“

  1. Nein. Es gibt „die Türken” so wenig wie „die Schwaben”. Kleine Kabbeleien unter Hessen, Badenern, Schwaben etc. sind eine Sache, das kann aller­dings nicht Grundlage für eine ernst­hafte „Analyse” sein.

    (Und natür­lich sind nicht alle Schwaben reich und nicht alle Türken arm.)

    1. Natürlich kann man Menschen nicht auf ein einzi­ges Merkmal redu­zie­ren, ohne dass jede Aussage krum wird. Ohne Stereotypen und Verallgemeinerungen kann kann man aber über­haupt keine Aussagen mehr treffen. Man muss sich nur bewusst sein, dass man sie benutzt.

      Kultur an sich ist niemals stabil und niemals konsis­tent. Kulturelle Unterschiede sind per se nichts Negatives und in jeder Gesellschaft vorhan­den. Kultur ist ein konti­nu­ier­li­cher, inter­sub­jek­ti­ver Aushandlungsprozess, in dem jeder jeden
      beein­flusst — auch die domi­nie­rende Kultur kann sich profund ändern.

      Sieh Thierse als Beitrag zu diesem Aushandlungsprozess. ;-)

      1. Also wäre Antisemitismus z.B. nicht so übel, wenn er sich gegen die angeb­lich mäch­tige jüdi­sche Lobby oder Bankiers wendet?

        Nee, sorry, Fremdenfeindlichkeit wird nicht dadurch besser oder schlech­ter, dass man genau so arm oder reich ist wie die Fremden.

  2. Wo ist denn die Augenhöhe bei „Einheimischer” gegen „Fremder”? Bei „gewalt­be­rei­ter Mob” gegen „Typ, der hier nicht hinge­hört”? Thierse hat Unrecht. Die Aussage mit der Augenhöhe ist Quatsch. Es geht insge­samt gegen ein Unwohlsein gegen­über Fremden und Veränderungen — oder aber um Feindseligkeit gegen Sündenböcke. Das ist sicher etwas anderes, ob diese Feindseligkeit gegen­über Schwaben oder gegen­über Türken ausge­lebt wird, aber das liegt dann vor allem an Lobby, an Macht und Anderem. Scheiße ist es in jedem Fall.

  3. Schon schlimm, man kann nicht mal mehr die Schwäbische Besetzung Berlins kriti­sie­ren ohne das man als frem­den­feind­lich diffa­miert wird.

    Ultrarechte Schwaben versu­chen ihr barba­ri­sche Sitten und Essgewohnheiten (Kehrwoche & Wecken ) den Bewohner Berlins aufzu­drü­cken, und sie stören mit ihrer Siedlungen das fried­li­che Zusammenleben der Völker.

    Kritik an der schwä­bi­schen Siedlungspolitik ist legitim, nicht frem­den­feind­lich ! ;-)

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