Peer Steinbrück und das Geld

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Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ist kein Massenmedium, sondern eine Sonntagszeitung der bürgerlichen Welt.

Peer Steinbrück hat diesem Medium ein Interview gegeben, in dem er sich u.a. wie folgt äußert:

Gerhard Schröder wollte nach dem Ende seiner Kanzlerschaft mal richtig Geld verdienen. Hatten Sie nach dem Ende Ihrer Ministerzeit auch so ein Gefühl?

Nein. Dieses Gefühl gab es nie. Im Übrigen finde ich allerdings, dass manche Debatte über die Bezahlung unserer Abgeordneten bis hin zur Spitze der Bundesregierung sehr schief ist. Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin. Abgeordnete des Bundestags arbeiten fast sieben Tage die Woche, durchschnittlich zwölf bis 13 Stunden. Sie sind gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt. Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement.

Verdient die Kanzlerin zu wenig?

Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig – gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.

Ist es nicht so, dass in der Wirtschaft zu viel und nicht in der Politik zu wenig verdient wird?

In der Wirtschaft werden Managergehälter in der Regel privatrechtlich ausgehandelt. Da hat die Politik nichts zu suchen. Die Politik kann höchstens Sorge dafür tragen, dass durch Steuern einiges abgeschöpft wird von den exorbitanten Gehältern, die teilweise gezahlt werden, oder diese nicht als Betriebsausgaben voll absetzbar sind.

Dazu hat Erik schon viel Richtiges gebloggt. Das ist sehr lesenswert für alle, die jetzt Medienschelte betreiben.

Erik beleuchtet allerdings nur die taktische Ebene. Ich bin auch inhaltlich anderer Meinung: PolitikerInnen werden in Deutschland angemessen bezahlt. Das sehe ich wie Gerhard Schröder. PolitikerIn zu sein ist kein normaler Job, sondern es ist etwas Besonderes. Die Aura, das Leuchten entsteht aus dem Gewählt-Werden, aus dem Vertrauen der Mehrheit der BürgerInnen, dass einE gewählte BürgerIn eine bestimmte Aufgabe auf Zeit übernimmt. Nicht das Geld ist der Grund, warum BürgerInnen die Bürde auf sich nehmen, in der Politik tätig zu sein – und eine Bürde ist es, Tag für Tag im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen und mehr oder weniger durchdachte Kritik aushalten zu müssen. Es ist aber auch eine Ehre. Es ist eine Ehre und eine Verpflichtung. Deutschland zu führen ist keine Aufgabe, die vergleichbar ist mit einer anderen Aufgabe in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen. Die Möglichkeit zu gestalten, Einfluss zu nehmen, zu führen – das ist einmalig.

Wer reich werden will, darf nicht in die Politik gehen. Das finde ich richtig so. Politik muss anschlussfähig sein zu normalen bürgerlichen Berufen. Die Perversion, dass ManagerInnen und Fußballprofis in einem Jahr mehr verdienen als andere in ihrem ganzen Leben, müssen wir im Kapitalismus aushalten. Das stimmt. Ein Maßstab für die Politik darf das jedoch niemals werden. Die Welt ist nicht gerecht. Es ist nicht gerecht, dass ManagerInnen und Fußballprofis so viel verdienen – wir müssen das aber aushalten. Die Lösung kann nicht sein, weitere Ungerechtigkeiten zu schaffen.

Worüber wir allerdings sehr wohl sprechen sollten, ist die beschämende Entlohnung von bspw. KrankenpflegerInnen und AltenpflegerInnen. Das ist eine Debatte, die es sich zu lohnen führt und die Einfluss hat auf das Leben vieler BürgerInnen. Und nicht die Frage, ob PolitikerInnen viel, sehr viel oder extrem viel verdienen sollen.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

8 Gedanken zu „Peer Steinbrück und das Geld“

  1. da sind wir einer meinung, herr soeder!
    allerdings habe ich – zumindest bisher – nicht das gefühl, dass wir beide diese meinung mit dem kanzlerkandidaten teilen.
    wieder dreht es sich um die selbsternannten „leistungsträger“ um die sich ein spd(!) – kanzler(kandidat) sorgen macht.
    über das thema in ihrem letzten absatz ( „….. worüber wir aller­dings sehr wohl spre­chen sollten……..“ ) habe ich von herrn steinbrück noch herzlich wenig gehört.
    aber sie dürfen mich drauf hinweisen, wenn er das mal tut!

    1. …. und dann noch was, herr soeder:
      ich bin bestimmt kein anhänger von verschwörungstheorien. aber ganz langsam komme ich zur überzeugung, dass die spd unterwandert ist.
      ich kanns mir bei gott nicht anders erklären!
      wie bitte, kann man im wahlkampf so ein thema herbeireden?
      ich meine: was muß merkel tun, um steinbrück kontra zu geben?
      die antwort: NIX !!
      sie braucht ihn einfach nur quasseln zu lassen!

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