Wenige Sätze zu Stuttgart 21

Stuttgart 21 wird vermut­lich deut­lich mehr kosten, als von der Deutschen Bahn als Bauherrin geplant. In einem gewis­sen Umfang war das zu erwar­ten, was aktuell an Mehrkosten verbrei­tet wird, sprengt jedoch den Rahmen, mit dem ich gerech­net habe.

Es wäre klug, würde die Bahn das Projekt Stuttgart 21 einstel­len und versu­chen, jetzt noch das Beste aus dem zerstör­ten Bahnhof zu machen — irgend­wie. Ein priva­tes Unternehmen würde bei einem vergleich­bar großen Projekt vermut­lich jetzt die Reißleine ziehen.

Aber: Die Bahn ist kein priva­tes Unternehmen. Die Bahn hat zwar die Rechtsform einer Aktiengesellschaft, wobei 100% der Aktien beim Bund liegen. Die Bundesregierung ist Alleineigentümerin der Bahn und betrach­tet Stuttgart 21 als das, was es ist: als poli­ti­sches Projekt.

Und ein poli­ti­sches Projekt dieser Größenordnung darf nicht schei­tern. Nicht im Wahljahr 2013 und erst recht nicht, nachdem die CDU wegen Stuttgart 21 schon Baden-Württemberg verlo­ren hat. Diesen Triumph, Stuttgart 21 zu verhin­dern, wird Schwarz-Gelb den Grünen nicht gönnen.

Was passie­ren wird: Der Bahn-Aufsichtsrat wird „ganz genau” prüfen, das Missmanagment des Bahn-Vorstands anpran­gern, viel­leicht muss jemand gehen — und dann werden die Mehrkosten „mit Bauchschmerzen” geneh­migt werden.

So läuft das eben, wenn ein Projekt durch­ge­zo­gen werden soll.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

3 Gedanken zu „Wenige Sätze zu Stuttgart 21“

  1. Wieso ist der Stuttgarter Hauptbahnhof zerstört ?
    Bislang wurde nur die Seitenflügel abge­ris­sen, die vorher Büros und Lagerflächen behei­ma­tet haben.
    Alle anderen Teile des Bahnhofes — die Schalterhalle, die Geschäfte und die Bahnsteige sind immer noch in Betrieb und keines­wegs zerstört.

    Am sinn­volls­ten und billigs­ten wäre es übri­gens den ICE Halt nach Bad Cannstatt oder an den Flughafen zu verle­gen.
    Bad Cannstatt ist schon jetzt ein Durchgangsbahnhof den sämt­li­che Züge die den Stuttgarter HBF Richtung Osten verlas­sen anfah­ren.
    Ein Querverbindung zum Nordbahnhof würde es auch erlau­ben den Stuttgarter Sackbahnhof zu umfah­ren.

    1. Christian, nicht ganz so pessi­mis­tisch. Ich bin selbst über­rascht, dass die Bahn jetzt schon die (von den Gegnern im prognos­ti­zier­ten) Kostensteigerungen bekannt macht. Ich dachte dies passiert erst, wenn das Projekt bereits unum­kehr­bar ist. Dies ist aber, wie Alreech zu recht schreibt, nicht der Fall.
      Mit ihren Zahlen zwingt die Bahn sowohl die Landes- als auch die Bundespolitik entgül­tig „Farbe” zu beken­nen. Entweder Aus-bzw. Umstieg oder Finanzierung bis zum bitte­ren Ende. (Wobei selbst Befürwortern wie z.B. Ute Kumpf inzwi­schen schwant, dass bei den bisher genann­ten 6.8 Mrd.noch längst nicht das „Ende der Fahnenstange” erreicht ist.)
      Die Zahlen der Bahn würden es den poli­tisch Verantwortlichen aber auch erlau­ben, die sozu­sa­gen „letzte Ausfahrt” aus dem Projekt zu nehmen. Ich denke, die Bundes-SPD geht inzwi­schen auf Distanz zu S21. Die span­nende Frage ist, wie sich die Landes-SPD posi­tio­nie­ren wird. Falls die Landes-SPD weitere Gelder für S21 locker macht, werden die durch die Volksabstimmung zu gedeck­ten Gräben inner­halb der Partei wieder aufbre­chen.
      http://spdnet.sozi.info/bawue/kvboeblingen/herrenberg/dl/GLAUBWUeRDIG_BLEIBEN-Final.pdf

      1. Nach einem Ende von S21 würden die Probleme für Landes SPD und Grüne erst anfan­gen.

        Denn anders als es die S21 Gegner erwar­ten bedeu­tet ein Ende von S21 eben nicht die Umsetzung von K21, sondern ein Neustart der sich über mehrere Jahre hinzie­hen kann — und eben auch in einer billi­ge­ren, aber schlech­te­ren Lösung endet.
        Z.B eine Verlagerung des ICE Haltes an den Flughafen oder an den Bahnhof Bad Cannstatt und einer entspre­chen­den Führung der Neubaustrecke.

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