Nachlese „hart aber fair” zur Homo-Ehe

Gestern war ich im Publikum bei „hart aber fair”, das Thema war die Homo-Ehe. Die Diskussionsbeiträge waren zu weiten Teilen furcht­bar bis schlimm, die besten Beiträge hatte der schwule CDU-Abgeordnete Stefan Kaufmann aus Stuttgart. (Auch wenn er sich erkenn­bar zurück­ge­hal­ten hat.) Erschreckend fand ich die reak­tio­nä­ren Ergüsse des katho­li­schen Hetzredners und die der Vierfach-Berufsmutter, leider hat „Lucy” von den „No Angels” auch Anlass zum Fremdschämen geboten. Ich hätte ihr gerne recht gegeben, sie hat indes­sen v.a. hete­ro­nor­ma­tive Klischees („Männer können auch kochen”, „In einer lesbi­schen Ehe über­nimmt eine den männ­li­chen Part”, etc.) repro­du­ziert.

Aber nun ja, alles in allem haben sich die beiden Reaktionären selbst entlarvt. Eine Abordnung der Jungen Union war auch da, das waren die, die bei den dümms­ten Aussagen am lautes­ten geklatscht haben. Durchaus pein­lich für die CDU, aller­dings hat es mich nicht gewun­dert. Ein gewis­ser Rollback in der Jungen Union ist zu erken­nen, die jungen Leute (nur biolo­gisch, im Kopf sind die schon vergreist) wollten auch unbe­dingt ein Foto mit dem katho­li­schen Taliban.

Die ganze Debatte zur Homo-Ehe bzw. zur Gleichstellung von Homosexuellen zeigt indes­sen eine andere Sache schlag­licht­ar­tig: eine reine Mehrheitsdemokratie ohne Minderheitenschutz ist viel­leicht der Form nach demo­kra­tisch, aber wird Ansprüchen an eine moderne Demokratie nicht gerecht. Es liegt in der Natur der Sache, dass Minderheiten in einer reinen Mehrheitsdemokratie vom guten Willen der Mehrheit abhän­gig sind. Deshalb ist es so wichtig, einen starken Rechtsstaat zu haben. Weil Demokratie eben auch ziem­lich dikta­to­risch sein kann. Die Mehrheit hat nicht immer recht.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.