Four more years

Barack Obama wurde als US-Präsident recht deut­lich wieder­ge­wählt.

Die Gründe sind, wie immer, viel­fäl­tig — zentral ist aber: das weiße Amerika gibt es nicht mehr. Romney konnte nur bei weißen männ­li­chen Amerikanern eine Mehrheit holen (dort aller­dings deut­lich), Minderheiten haben in über­deut­li­cher Art und Weise für Obama gestimmt.

Die Republikaner sind auf Bundesebene einfach nicht mehr mehr­heits­fä­hig, jetzt nicht und in vier Jahren erst recht nicht mehr, da der Bevölkerungsanteil der weißen Amerikaner weiter­hin relativ abneh­men wird. Durch die Wahlkreiseinteilung und das Mehrheitswahlrecht sind die Republikaner aller­dings in der Lage, deut­lich die Mehrheit im Abgeordnetenhaus zu errin­gen — daran wird sich wohl auch so bald nichts ändern. Dort sind die fana­ti­schen Tea-Party-Sektierer auch in der Lage, Mandate zu errin­gen, denn dort sind sie lokal veran­kert und die Bevölkerung ist relativ homogen. In den Senat schaf­fen es weiter­hin im Wesentlichen nur die Moderaten der Parteien, denn auf Staatenebene ist die Bevölkerung durch­aus hete­ro­gen — Radikale haben es da sehr schwer.

Die zentrale Frage für die USA ist, in welche Richtung sich die GOP entwi­ckeln wird. Werden sich die Verrückten und die Rassisten durch­set­zen und die Republikaner noch weiter nach rechts schie­ben (im deut­schen etablier­ten Parteiensystem ist die heutige GOP schon nicht mehr darstell­bar), oder werden die mode­ra­ten Republikaner die Irren aus der Partei Lincolns und Reagans entfer­nen? Daran entschei­det sich, ob die GOP noch einmal die Chance bekommt, einen Präsidenten zu stellen — denn niemals werden Minderheiten einen Präsidenten wählen, der von Rassisten, Frauenhassern und Wahnsinnigen gestützt werden.

Barack Obama muss jetzt keine Rücksicht mehr auf seine Wiederwahl nehmen, er kann jetzt so Politik machen, wie er es für richtig hält. Jetzt wird sich entschei­den, was für ein Präsident er sein will.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.