2 oder 3 Surf-Tipps zur Qualität der Wirtschaftswissenschaft

Bei der Wirtschaftswoche behauptet Dieter Schnaas: „Ökonomen verstehen nichts von Wirtschaft“ – Seine These: Die Wirtschaftswissenschaft hat sich zu weit von der Realität entfernt, dabei war die Wissenschaft schon einmal weiter.

Wie das passieren konnte und was es uns gebracht hat, beschreibt Naomi Klein in ihrem Buch „Shock Doctrine„, zu dem es auch einen Film gibt.

In der Sternstunde Philosphie des Schweizer Fernsehens erklärt Tomáš Sedláček „Warum die Ökonomie ein kulturelles Phänomen ist„. Der 34-jährige tschechische Ökonom und einstiger Berater Václav Havels lässt sich auf einen Streifzug durch die Höhenflüge und Abgründe der Ökonomie ein und erklärt, was wir denn ändern müssten, um dem Krisenmodus zu entkommen.

Autor: Steffen Voß

Steffen Voß bloggt meistens unter kaffeeringe.de und twittert als kaffeeringe. Manchmal bloggt er auch beim landesblog.de Sein Motto ist: "Mach es selbst, oder wunder Dich nicht, wenn es nicht passiert."

16 Gedanken zu „2 oder 3 Surf-Tipps zur Qualität der Wirtschaftswissenschaft“

  1. Seit wann muß man etwas von Ökonomie verstehen, um als Experte zu gelten ?
    Naomi Klein hat Angelistik und Philosophie studiert und gilt dennoch als Globalisierungsexpertin.
    Die Grundüberlegung von Shock Doctrine ist übrigens recht nett.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Schock-Strategie

    Natürlich brauchte Thatcher (79 gewählt) einen Krieg um neoliberale Ideen umzusetzen… Vor dem Falklandkrieg (82) war Großbritannien bekanntlich ein Arbeiter und Bauern Paradies.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Winter_of_Discontent

    Was Naomi Klein vermutlich nicht erwähnt:
    Man braucht auch einen Krieg oder eine Krise um Neosozialistische Reformen umzusetzen.
    Um den real existierenden Sozialismus in Osteuropa aufzubauen ist z.B. ein Weltkrieg und stalinistischer Terror notwendig gewesen.

    So gesehen verwundert es nicht das alle Linken Parteien inklusiver der SPD für eine Vergemeinschaftung der Schulden der Euroländer eintreten.
    Im schlimmsten Fall führt das zu einer Krise in Deutschland (z.B. wenn die BRD für die Schulden der anderen Länder haften muss oder selbst unter steigenden Zinsen für Staatsanleihen zu leiden hat), die man dann gezielt dazu nutzen kann Neosozialistische Reformen einzuleiten.

    Wie z.B. die angedachten Vermögensabgaben. ;-)

    1. Zu Naomi Kleins Geschwalle hat Tyler Cowen bereits das Nötige gesagt: http://www.nysun.com/arts/shock-jock/63867/

      The energy of the book is real and there is no doubt it will mobilize most of its readers to higher levels of outrage and action. It’s probably the most effective brand of emotional nonfiction to be published this year. But when it comes to the underlying message, and the standards of evidence used to support it, „The Shock Doctrine“ is a true economics disaster.

      1. Wer braucht schon Beweise, wenn er Emotionen schürt und zur Aktion aufruft ?

        Mir gefällt die Grundüberlegung.
        Wendet man die auf die Rufe nach mehr staatlichen Kontrollen und Verstaatlichung an, dann wurde die Krise absichtlich von den Politikern herbeigeführt um ihre sinisteren Ziele zu verwirklichen.
        Es geht doch nichts über eine schöne Verschwörungstheorie. ;)

    1. 250 Experten schon im Eröffnungsabsatz vorzuwerfen das sie von ihrem Fach keine Ahnung haben ist sicherlich eine gute Einleitung.
      Das hat ein bisschen was vom Lehnstuhltrainer der genau erklärt, was die sportliche und geschäftliche Leitung des FC Bayerns besser machen kann.

      Wenn man sich durch Schnaas Text kämpft (S5) landet man irgendwann einmal bei dieser Forderung:
      Weder „mehr Markt“ noch „mehr Staat“ sind angemessene Forderungen in einer Geld-Welt, die sich durch eine systemische Verschränkung von Markt und Staat auszeichnet. Eine Chance zur Lösung der Krise besteht deshalb nicht darin, den Markt zugunsten des Staates auszubremsen, Banken gegen Steuerzahler auszuspielen, Ratingagenturen ihrer Kontrollfunktion zu berauben – und schon gar nicht in einer Politisierung des Geldes, wie sie den Occupy-Bewegten vorschwebt. Vielmehr geht es darum, die Funktionstüchtigkeit der Sphären Staat und Markt durch klar definierte Aufgabenbeschreibungen zu stärken – und sei es vorerst im Wege des Ausschlussverfahrens:

  2. Ich muss schon sagen, dass was in diesen Artikeln zur Sprache gebracht wird, stellt den Ökonomen ein Armutszeugnis… moment… nochmal lesen… oh yea, die kapieren die Theorie ja nicht… nix fuer ungut.

    Ich bin Ökonom und würde jeder Regierung davon abraten, Sozialplaner zu spielen… vielleicht auch deshalb, weil ich als Wirtschaftswissenschaftler nicht am Ende des Tages für das Versagen von Politschranzen verantwortlich gemacht werden will.

    1. die Gefahr sehe ich nicht.
      Wenn etwas schief geht dann musst Du doch nur die wahren Verantwortlichen zur Verantwortung ziehen.

      Wer ist beispielsweise für die Pleite des Nürburgringes verantwortlich ?
      Die Politiker die dort entschieden haben das der Staat investiert ?
      Die Ökonomen die sie beraten haben ?
      Oder die Reichen die zu wenig Steuern zahlen, weshalb der Staat nun leider keine 400 Millionen Euro für die Rettung aufwenden kann ?
      ;-)

      1. Ich find halt das Journalisten-Gelaber immer wieder gut:

        ‚Die Ökonomen haben versagt, weil sie die gegenwärtige Krise nicht vorausgesehen haben.‘

        Was hier versagt hat ist der Journalismus, der in den Euro-Gründerjahren kein Interesse an ökonomischer Kritik hatte :)

        Das ist einfach genial: Wenn du nie in den Unterricht kommst oder immer nur pennst, und dann in der Klausur nen 6er hast, schiebst du’s auf den Lehrer: Der hat mir das nicht richtig beigebracht.

    1. Ja, der Mann hat Recht.
      Es ist schon unverschämt, wie Deutschland mit seiner Niedriglohnpolitik seine Handelspartner in Europa niederkonkurriert.

      Würden wir Deutschen nicht alle lieber Peugeots, Fiats oder diese schicken griechischen Sportwagen fahren ?
      Aber die sind leider zu teuer, deswegen kaufen wir und der Rest der Welt lieber VW, Skoda, Porsche, BMWs oder Daimler, die dank Niedriglöhnen viel billiger sind als die französische, italienische oder griechische Konkurrenz.

      Auch die deutsche Chemieindustrie und der deutsche Maschinenbau sorgt mit seinen Niedriglöhnen ( etwa bei BASF oder bei Trumpf ) dafür das z.B. Griechenland kaum auf dem Weltmarkt für Chemikalien und Laserbearbeitungsmaschinen Fuß fassen kann.

      Natürlich sorgt auch Hartz IV und die durch Leiharbeit gesunkenen Löhne dafür das sich kaum noch jemand Importe aus den anderen EU-Ländern leisten kann.
      Spanische Tomaten, ein Urlaub auf Mallorca, ein Smart-Phone, ein I-Pad oder eine Playsstation oder andere Artikel aus Griechenland ? Dank den Niedriglöhnen in Deutschland für die Mehrheit der Deutschen unerreichbare Träumen. ;-)

      1. Vielleicht beschäftigst du dich nochmal ausführlicher mit dem Thema.
        …. oder auch nicht – ist auch egal!
        Sieht eh so aus, als würde der ganze Euro-Laden bald auseinanderfliegen. Und die „faulen“ Südländer wollen mit Deutschland sowieso nichts mehr zu tun haben.
        Es ist für mich unfassbar mit welcher Ignoranz, Arroganz, wilhelminischer Großkotzigkeit („an den Griechen ein Exempel statuieren!“ … das könnte Willem zwo gesagt haben!), mit welcher anwidernden Zurschaustellung wirtschaftlicher Potenz leichtfertig ein mühsam aufgebautes Europa an die Wand gefahren wird.
        Bei all der tollen Exportweltmeisterei wird nur eines vergessen:
        Die Kundschaft! Und der Kundschaft geht es garnicht gut! Das sollte jedem Exportkaufmann Sorgen bereiten…. und tut es offensichtlich auch schon! Bei einigen scheint ganz langsam ein Lämpchen aufzugehen.
        Naja….nicht grade bei „ihrer Kompetenz“ Phillip Rösler, dem Mann in der Nachfolge Ludwig Erhards….. oh Mann , allein der Gedanke!!!Wenn der Kasper nicht so ne Lachnummer wäre müsste man heulen!
        Aber grade deshalb ist es auch irgendwie einzusehen: Solange wir so einen witzigen Wirtschaftsminister und so einen Stammtischunterhalter wie den Dampfplauderer Söder haben wird kaum einer einem langweiligen Ökonomen Heiner Flassbeck zuhören.

        1. mit welcher anwidernden Zurschaustellung wirtschaftlicher Potenz leichtfertig ein mühsam aufgebautes Europa an die Wand gefahren wird.

          Du regst dich 14 Jahre zu spät auf. Damals wurden die Voraussetzungen geschaffen. Was heute passiert, ist nur die Konsequenz aus dem Handeln in jener Zeit.

          Solange wir so einen witzigen Wirtschaftsminister und so einen Stammtischunterhalter wie den Dampfplauderer Söder haben wird kaum einer einem langweiligen Ökonomen Heiner Flassbeck zuhören.

          Das Problem bei Flassbeck ist nicht die Langeweile, sondern die falsche Analyse.

          1. Die Kundschaft die z.B. Maschinen wie vom Freiburger Maschinenbauer Schmidt Solar kaufen kann sitzt übrigens in China, nicht in Griechenland.
            Aber keine Angst, viele Maschinen und Halbmaterialien welche früher Deutsche Firmen geliefert haben stellen die Chinesen inzwischen selber her.

            Die Kundschaft die sich einen Daimler, BMW oder Audi leisten kann geht es auch recht gut.
            Diese Autos werden nicht gekauft weil sie billiger sind als ihre französischen oder italienischen Konkurrenzprodukte, sondern weil ihnen der Kunde eine höhere Qualität zuschreibt. Das trifft für viele andere Produkte der deutschen Exportindustrie ebenfalls zu.

            Wer behauptet das sich deutsche Produkte nur aufgrund des niedrigen Lohnniveaus in Deutschland verkaufen ignoriert nicht nur diese Tatsache, er beleidigt auch den deutschen Arbeiter der diese Qualitätsprodukte erzeugt.

            Ich kann nur jeden Linken Aktivisten empfehlen sich bei Schichtwechsel vor die Werkstore eines Deutschen Industriebetriebes zu stellen um dem Arbeiter bei verlassen des Werks zu erklären das sich die Produkte die er herstellt nur aufgrund des billigen Preises verkaufen, und das sie teurer werden müssen damit der Kunde lieber bei der billigeren europäischen Konkurrenz kauft.
            Ganz sicher begeistert er damit die Angehörigen der Arbeiterklasse wieder für linke Ideen.

          2. nein, ich rege mcih nicht 14 jahre zu spät auf, ich rege mich s e i t 14 jahren auf! das ist ein unterschied!
            und „falsche analyse“???? nun…… wennn alle sparen, sprich: kein geld ausgeben……. wer kauft dann?
            wenn „schwäbische hausfrau“ kein geld ausgibt, dann verkauft daimler, wo „gatte von schwäbischer schafft“ keine daimler mehr!
            falsche analyse? wer kein geld hat, gibt keines aus!
            jetzt bin ich auf deine antwort gespannt!

  3. nein, ich rege mcih nicht 14 jahre zu spät auf, ich rege mich s e i t 14 jahren auf!

    Über die Einführung des Euro?

    falsche analyse? wer kein geld hat, gibt keines aus!

    Das ist richtig. Und auch unproblematisch. Problematisch wird es erst, wenn man dem, der kein Geld hat, welches geben will, damit er es dann ausgeben kann.

    Entweder man schenkt es ihm. Das ist die beste Methode. Es müssen sich nur genug Generöse finden.

    Oder man leiht es ihm. Da beginnen die Probleme, denn wenn der Schuldner das Geld nicht investiert, sondern konsumiert, wird der Gläubiger nur vergeblich auf Rückzahlung hoffen können. Das kann übel werden, wenn diese Vermögensillusion auf Gläubigerseite platzt und der Gläubiger seinerseits Schuldner von anderen ist…

    Oder aber man druckt einfach frisches Geld und drückt es dem ohne Geld in die Hand. Das hat den Vorteil, dass man sehr schnell sehr viele Menschen glücklich machen kann. Es dauert, bis die Menschen merken, dass nur die Teilnehmer an den ersten mit diesem Geld getätigten Transaktionen Grund zur Freude haben, für alle anderen das Leben aber immer teurer wird. Und nebenan steigen, für viele eine positive Sache, nach und nach die Werte von Aktien oder Immobilien. Doch irgendwann, wenn der letzte Depp morgens aufgestanden ist und gekauft hat, ruft einer „Der Kaiser ist nackt!“, und die Preise dieser Aktiva rauschen in den Keller – Konkurse, Insolvenzen, das ganze Programm.

    Die Krise hat keine Lösung, sie ist eine. Sie beseitigt Illusionen. Die Gläubiger haben nicht investiert, sondern unfreiwillig verschenkt. Und die Beschenkten sind nicht reicher geworden, weil sie das Geschenk sofort wieder konsumiert haben. Ihre Einkommenserzielungsposition wurde nur einige Jahre künstlich angehoben. Die ganzen „Euro-Rettungen“ haben nur den Zweck, die Illusionen irgendwie dennoch am Leben zu erhalten, weil die Wahrheit viel zu weh tun würde. Auch und gerade der Politik selbst.

  4. die schwäbische Hausfrau hat mehr Geld ausgegeben als ihr Mann bei Daimler verdient.

    Sie hat ihr Haus und ihren Daimler auf Raten gekauft, auch den Urlaub auf den Malediven wurde auf Pump finanziert.
    Natürlich mussten die Kinder auch nicht neben dem Studium arbeiten, dafür hat die schwäbische Hausfrau einen Kredit aufgenommen, den sie abzahlt.
    Man musste ja schließlich mit den anderen Nachbarn mithalten, die sich das alles leisten konnten.
    Leider ist inzwischen die Schufa drauf gekommen das sie mehr Zins und Tilgung zahlen muß als ihr Mann verdient, und keiner will ihr mehr Kredit geben.

    Aber die schwäbische Hausfrau hat den Schuldigen an ihrer Misere schon ausgemacht, es ist die Ausländische Konkurrenz die dafür sorgt das ihr Mann zu wenig verdient.
    Jetzt fordert sie das die Ausländische Konkurrenz gefälligst teurer werden soll, damit ihr Mann wieder mehr Geld verdient.

    Ausserdem hat sich einen zweiten Schuldigen gefunden:
    Einer ihrer Nachbarn hat sich nicht sofort einen dicken Daimler, eine schönes Haus und tolle Reisen gegönnt.
    Nein, der hat jeden Cent in seine Firma gesteckt. Inzwischen läuft die nach ein paar guten Jahren so gut, das sich der Nachbar das schönste Haus in der Siedlung und den dicksten Daimler leisten kann.
    Zu Recht sagt sich die schwäbische Hausfrau das sowas doch total unsozial ist und das ihr reicher Nachbar etwas von seinem Wohlstand abgeben soll, damit andere die sozialer sind als er den verteilen.

    Ach ja, anders als ihr reicher Nachbar hat sie ihr Geld natürlich in einem Bausparvertrag und in eine Lebensversicherung eingezahlt.
    Sowohl die Bausparkasse als auch die Lebensversicherung haben ein Teil in Form von Bankeinlagen und Staatsanleihen angelegt, und damit dieses Kapital für Kredite verfügbar gemacht.
    Wenn jetzt die Banken pleite gehen und die Staatsanleihen nicht zurück gezahlt werden, dann ist ein Teil des Kapitals der schwäbischen Hausfrau weg…

    Und Schuld daran ist auch ihr reicher Nachbar, der zwar kein Bausparvertrag und keine Lebensversicherung hat, aber der zu den Reichen zählt wegen denen ja bekanntlich die Banken gerettet werden müssen.

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