Warum ich bei Verdi ausgetreten bin

Ich bin vor unge­fähr zwei Jahren bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi einge­tre­ten, weil ich es richtig fand, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein. Ich finde es prin­zi­pi­ell noch immer richtig, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein — aber ich möchte nicht mehr Verdi-Mitglied sein. Denn ich sehe es einfach nicht mehr ein, mit meiner Mitgliedschaft die in meinen Augen völlig falsche Verdi-Netzpolitik zu unter­stüt­zen. Es ist nicht in meinem Interesse, dass Verdi einsei­tig die Interessen der Telekom vertritt. Es ist auch nicht im gesell­schaft­li­chen Interesse, dass Verdi einen Großkonzern wie die Telekom einsei­tig bevor­zugt. Warum bevor­zugt Verdi die Telekom? Weil dort aus histo­ri­schen Gründen Verdi hervor­ra­gend orga­ni­siert ist. Es ist eben­falls nicht in meinem Interesse, dass Verdi einsei­tig die Interessen der fest­an­ge­stell­ten RedakteurInnen vertritt und kein Auge für die frei­be­ruf­li­chen JournalistInnen hat.

Gleichzeitig habe ich mich jedes Mal neu geär­gert, wenn die Verdi-Zeitung bei mir in der Post lag — ich bin mit guten Gründen Mitglied der SPD und nicht Mitglied der Linkspartei. Wenn ich eine Linkspartei-Parteizeitung lesen wollte, würde ich sie bestel­len — ich möchte sie aber nicht lesen.

Der konkrete Anlass ist eigent­lich banal, aber auch sympto­ma­tisch: Verdi will mit einer reich­lich frechen Opt-Out-Lösung massive Beitragserhöhungen durch­set­zen. Da mache ich nicht mit, deshalb bin ich jetzt raus.

Verdi wird auch ohne mich bestehen können, aber immer­hin muss ich mich jetzt nicht mehr ärgern.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

3 Gedanken zu „Warum ich bei Verdi ausgetreten bin“

  1. Eine Gewerkschaft ist keine Volkspartei sondern eine Interessenvertretung. Dafür ist sie gut und man kann ihr nicht vorwer­fen, dass sie sich nicht den Kopf für ihre Gegner zerbricht. Wenn das nicht Deine Interessen sind, bist Du da falsch.

  2. Ähnliches auch bei Waffenexporten: Auch hier verhal­ten sich Gewerkschaften als Lobbyisten der Industrie und protes­tiert regel­mä­ßig gegen Verschärfungen bei Rüstungsexport-Richtlinien.

Kommentare sind geschlossen.