Warum ich bei Verdi ausgetreten bin

Ich bin vor unge­fähr zwei Jahren bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi einge­treten, weil ich es richtig fand, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein. Ich finde es prin­zi­piell noch immer richtig, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein — aber ich möchte nicht mehr Verdi-Mitglied sein. Denn ich sehe es einfach nicht mehr ein, mit meiner Mitgliedschaft die in meinen Augen völlig falsche Verdi-Netzpolitik zu unter­stützen. Es ist nicht in meinem Interesse, dass Verdi einseitig die Interessen der Telekom vertritt. Es ist auch nicht im gesell­schaft­li­chen Interesse, dass Verdi einen Großkonzern wie die Telekom einseitig bevor­zugt. Warum bevor­zugt Verdi die Telekom? Weil dort aus histo­ri­schen Gründen Verdi hervor­ra­gend orga­ni­siert ist. Es ist eben­falls nicht in meinem Interesse, dass Verdi einseitig die Interessen der fest­an­ge­stellten RedakteurInnen vertritt und kein Auge für die frei­be­ruf­li­chen JournalistInnen hat.

Gleichzeitig habe ich mich jedes Mal neu geär­gert, wenn die Verdi-Zeitung bei mir in der Post lag — ich bin mit guten Gründen Mitglied der SPD und nicht Mitglied der Linkspartei. Wenn ich eine Linkspartei-Parteizeitung lesen wollte, würde ich sie bestellen — ich möchte sie aber nicht lesen.

Der konkrete Anlass ist eigent­lich banal, aber auch sympto­ma­tisch: Verdi will mit einer reich­lich frechen Opt-Out-Lösung massive Beitragserhöhungen durch­setzen. Da mache ich nicht mit, deshalb bin ich jetzt raus.

Verdi wird auch ohne mich bestehen können, aber immerhin muss ich mich jetzt nicht mehr ärgern.

Über Christian Soeder

Christian Soeder schreibt zu netzpolitischen Themen, über die SPD und die Gesellschaft generell. Feminist.

3 Kommentare zu “Warum ich bei Verdi ausgetreten bin

  1. Pingback: Links anne Ruhr (17.07.2012) » Pottblog

  2. Eine Gewerkschaft ist keine Volkspartei sondern eine Interessenvertretung. Dafür ist sie gut und man kann ihr nicht vorwerfen, dass sie sich nicht den Kopf für ihre Gegner zerbricht. Wenn das nicht Deine Interessen sind, bist Du da falsch.

  3. Ähnli­ches auch bei Waffenexporten: Auch hier verhalten sich Gewerkschaften als Lobbyisten der Industrie und protes­tiert regel­mäßig gegen Verschärfungen bei Rüstungsexport-Richtlinien.