Ich bin vor ungefähr zwei Jahren bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eingetreten, weil ich es richtig fand, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein. Ich finde es prinzipiell noch immer richtig, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein — aber ich möchte nicht mehr Verdi-Mitglied sein. Denn ich sehe es einfach nicht mehr ein, mit meiner Mitgliedschaft die in meinen Augen völlig falsche Verdi-Netzpolitik zu unterstützen. Es ist nicht in meinem Interesse, dass Verdi einseitig die Interessen der Telekom vertritt. Es ist auch nicht im gesellschaftlichen Interesse, dass Verdi einen Großkonzern wie die Telekom einseitig bevorzugt. Warum bevorzugt Verdi die Telekom? Weil dort aus historischen Gründen Verdi hervorragend organisiert ist. Es ist ebenfalls nicht in meinem Interesse, dass Verdi einseitig die Interessen der festangestellten RedakteurInnen vertritt und kein Auge für die freiberuflichen JournalistInnen hat.
Gleichzeitig habe ich mich jedes Mal neu geärgert, wenn die Verdi-Zeitung bei mir in der Post lag — ich bin mit guten Gründen Mitglied der SPD und nicht Mitglied der Linkspartei. Wenn ich eine Linkspartei-Parteizeitung lesen wollte, würde ich sie bestellen — ich möchte sie aber nicht lesen.
Der konkrete Anlass ist eigentlich banal, aber auch symptomatisch: Verdi will mit einer reichlich frechen Opt-Out-Lösung massive Beitragserhöhungen durchsetzen. Da mache ich nicht mit, deshalb bin ich jetzt raus.
Verdi wird auch ohne mich bestehen können, aber immerhin muss ich mich jetzt nicht mehr ärgern.
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Eine Gewerkschaft ist keine Volkspartei sondern eine Interessenvertretung. Dafür ist sie gut und man kann ihr nicht vorwerfen, dass sie sich nicht den Kopf für ihre Gegner zerbricht. Wenn das nicht Deine Interessen sind, bist Du da falsch.
Ähnliches auch bei Waffenexporten: Auch hier verhalten sich Gewerkschaften als Lobbyisten der Industrie und protestiert regelmäßig gegen Verschärfungen bei Rüstungsexport-Richtlinien.