Mannschaftlieder statt Nationalhymnen

Es ist gerade nix los, und wenn dann schon ein CDU-Ministerpräsident die Singpflicht für Fußball–Nationalmannschaften fordert, können wir ja auch mal etwas dazu vorschlagen: Nichts gegen die dritte Strophe des Deutschlandlieds. Wer einmal in einem Land war, dass weder Einigkeit, noch Recht oder Freiheit hat, versteht warum das so tolle Errungenschaften sind. Aber zum Beispiel die fran­zö­si­sche Mannschaft singt von Waffen und unreinem Blut, von Zorn und Rache und so weiter. Die italie­ni­sche Mannschaft erklärt sich bereit für den Tod usw. Das ist natür­lich ebenso histo­risch bedingt, wie in Deutschland. Vielleicht ist aber im 21. Jahrhundert ein fried­li­ches Fußballspiel nicht der rich­tige Zeitpunkt zum Absingen derar­tiger Lieder.

Warum lässt man bei den Meisterschaften nicht einfach die Nationalhymnen weg und spielt statt­dessen Mannschaftslieder, die etwas mit dem Sport zu tun haben und moti­vie­rend sind? Es könnte sogar jedes Mal so ein Wettbewerb wie der Bundesvision-Songcontest statt­finden, um ein neues tolles Mannschaftslied zu finden. Irgendwer kann dann damit noch Geld verdienen.

1974 hat das mit dem Motivationslied gut geklappt:

  1. „Deutschlandlied” http://youtu.be/GB13nJZwCxw= Niemand singt mit. Alle gucken betroffen.
  2. „Fußball ist unser Leben” http://youtu.be/fLNTvA27ylI = Alle singen mit und wippen mit.

Am besten suchen sich die Spieler ihr Lied selbst aus — viel­leicht einfach ein Stadionlied. Dann singen sie es jeden­falls auch. Oder man lässt Sänger auf Singveranstaltungen singen und Sportler auf Sportveranstaltungen Sport machen. Dann kann man vor dem Anpfiff lieber noch einen pfif­figen Werbespot zeigen oder Kurznachrichten bringen.

Über Steffen Voß

Steffen Voß bloggt meistens unter kaffeeringe.de und twittert als kaffeeringe. Manchmal bloggt er auch beim landesblog.de Sein Motto ist: "Mach es selbst, oder wunder Dich nicht, wenn es nicht passiert."

11 Kommentare zu “Mannschaftlieder statt Nationalhymnen

  1. Machen wir doch gleich Nägel mit Köpfen: Die Mannschaften singen die Lieder, mit denen ihre Länder im ESC des glei­chen Jahres ange­treten sind.

    • Das wär fair. Ich hab da beim Schreiben auch schon drüber nach­ge­dacht. Aber wäre es nicht schön, noch eine Castingsendung zu haben?

      • Ok. Vielleicht könnte man sich den Vierjahreszeitraum zu Nutze machen und vor der EM die Nationalmannschaften in einem Casting die ESC-Beiträge der letzten vier Jahre vortragen lassen? Das Publikum wählt dann den „Song für Danzig” oder so.

    • Der Vorschlag kommt leider zu spaet… haette die Nationalmannschaft gerne Wadde Hadde Dude Da-singen hoeren :)

  2. Mir war gar nicht klar, was für schau­rige Texte es da anschei­nend zum Teil gibt. Aber wenn das schon so ist, ist es dann nicht irgendwie das klei­nere Problem, wenn sowas auch beim Fussball gesungen wird und nicht nur zum Beispiel bei offi­zi­ellen Staatsbesuchen? Beim Krieg auf dem Fussballplatz wird ja immerhin nur mit dem Ball geschossen und wenn was fällt, sinds Tore. Wenn Staaten das Gleiche machen, sieht die Sache ja leider schnell etwas anders aus. Insofern: ESC-Songs bitte künftig auch bei Staatsbesuchen!

  3. ich weis nicht, wäre es nicht sogar Zeit diese ganze EM/WM Geschichte zu entnationalisieren ? ;-)

    Warum mischt man die Teams nicht vor dem Turnier durch, und statt eine natio­nalen Auswahl mit Nationalflagge und –Hymne legen die Spieler basis­de­mo­kra­tisch Teamsymbol und Teamhymne fest.
    z.B. Hello Kitty als Symbol und irgend ein Ballermannhit als Lied.

    Mensch könnte dann auch noch einen Schritt weiter gehen und das Spielprinzip ändern. ;-)
    Bei diesen Konkurrenz-geprägten Spielen schlüpfen ja die Spieler in die Rolle eines Kämpfer der sich gegen einen Gegner durch­setzen muß.
    Solche Spiele fördern die neoli­be­rale Denkweise und stehen auch im Verdacht mitver­ant­wort­lich für diverse Amokläufe und Gewalttaten — etwa im Rockerdmilieu — zu sein.

    Die Spieler könnten ja den Konflikt konstruktiv-kritisch im offenen Dialog lösen, statt brutal auf den armen Ball einzutreten.

    • Das ist aber wenig basis­de­mo­kra­tisch. Die Fans sollten über Liquid Feedback die Handlungen der Spieler steuern können.

    • Gab es schon einmal. Der Sozialistische Arbeiter-Turn– und Sportbund hat das schon in der Weimarer Republik versucht: http://kfrng.de/gwhgk

      Durchgesetzt hat sich halt der DFB in seinen Preußischen Farben…

  4. Da lob ich mir doch die spani­sche Hymne, die hat keinen Text. Viel schlimmer als martia­li­sche texte von Nationalhymnen, auf die eh keiner groß achtet, finde ich aller­dings die Hohlköpfe, die in Stadien „Sieg” grölen, wenn das eigene Team gewinnt. Da sehe ich den ausge­streckten Arm im Geiste schon vor mir. Und das bei der vergan­genen EM in Ländern, in denen vor 70 Jahren die Wehrmacht gewütet hat.