Die Linke und die Präsidentenfrage

Ich habe von Anfang an nicht verstan­den, warum viele in meiner Partei es so kritisch sahen, dass Merkel die Linke nicht fragte, ob diese nicht einen gemein­sa­men Kandidaten mittra­gen würden. Mir persön­lich war von Anfang an klar, dass die Linke niemals (niemals!) auch nur entfernt daran gedacht hat, einen Konsenskandidaten, der rechts von Sahra Wagenknecht steht, mitzu­tra­gen.

Stattdessen wollte die Linke ihr übli­ches Spiel mit der Öffentlichkeit abzie­hen: einen auf wichtig machen, dann hinter­her mit diebi­scher Freude in alle Welt hinaus­po­sau­nen, warum sie den Kandidaten für ach so furcht­bar hält.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Der Linken geht es gut, wenn sie medial wahr­ge­nom­men wird. Durch mediale Präsenz werden die Wähler an die Linke erin­nert. Selbst wenn diese Wahrnehmung negativ ist, kann die Linke bei ihrer Klientel trotz­dem punkten, weil diese Klientel ohnehin schon weit­ge­hend immun gegen die mediale Schelte der Linken ist; im Gegenteil wird so eher das Gefühl bei den Anhängern verstärkt, dass alle gegen sie sind und sie deswe­gen jetzt erst recht gegen die Kartellparteien die Reihen schlie­ßen müssen. Das Schlimmste für die Linkspartei ist es hinge­gen, wenn sie igno­riert wird.

Dieses Spiel zieht sie natür­lich auch jetzt auf. Dass die mehr­fach umbe­nannte SED keinen Kandidaten wählen kann, der es offen­kun­dig an der nötigen Bewunderung für die DDR und Planwirtschaft vermis­sen lässt, bedarf keiner weite­ren Begründung. Jedoch werden weitere Gründe gesucht und in – häufig krass aus dem Kontext geris­se­nen – alten Aussagen Gaucks leid­lich gefun­den. So wird mitt­ler­weile auf seine poli­ti­schen Ansichten zu den Hartz-Reformen oder der Vorratsdatenspeicherung abge­stellt. Das hat schon etwas von Satire; erstens sagt der Bundespräsident sowieso tradi­tio­nell zu poli­ti­schen Einzelthemen wenig und hat noch weniger Einfluss und zwei­tens fragt man sich schon, warum die Linke einer­seits groß auf Überparteilichkeit pocht und ande­rer­seits offen­bar keinen Kandidaten akzep­tiert hätte, der nicht ihr Wahlprogramm rauf- und runter­be­tet.

Auch hier scheint das Kalkül zu gelten: Egal, wie negativ das Medienecho ist, es wird das Opferbild der Linken schon fördern und ihr damit ihre Anhänger sichern.

So gesehen frage ich mich schon, ob das Kandidaten-Chaos bei der Linken nicht auch zumin­dest zu einem gewis­sen Teil insze­niert ist, um sich noch ein biss­chen länger in öffent­li­cher Aufmerksamkeit sonnen zu können.

Deshalb meine Bitte an die Medien: Lasst es einfach sein! Fallt bitte nicht auf diese plumpe Effekthascherei herein! Es gibt nun wahr­lich drin­gen­dere Themen, die Berichterstattung eher verdient haben, als die Frage, welcher chan­cen­lose Clown da noch aufge­stellt wird.

11 Gedanken zu „Die Linke und die Präsidentenfrage“

  1. sie wissen aber schon was sie da schrei­ben, herr jansen???

    gehen wir das mal der reihe nach durch:

    in ihrer partei sahen das viele kritisch, das merkel die „linke“ nicht einbe­zog??
    sie sind aber schon der spd zuge­hö­rig? wer sind denn diese vielen???

    es ist gut, dass jemand im allge­mei­nen gauck-voll­rausch noch auf dem boden bleibt und auf ein paar dinge aufmerk­sam macht, über die sehr wohl nach­ge­dacht werden sollte!
    der werte herr präsi­dent in spe lässt da schon mitun­ter was von sich hören:

    Gauck: „Neulich erzählte mir mein Fahrer von seinem Cousin, der mit den gesam­ten Sozialleistungen unge­fähr 30 Euro weniger als er hat. Mein Fahrer muss aber fast immer um fünf Uhr aufste­hen. Er sei der Dumme in der Familie, aber er sagte mir auch: „Ich kann das nicht, ich kann nicht so dasit­zen.“ Da habe ich gesagt, dass er denen erzäh­len soll, wie gut er sich mit Arbeit fühlt. Wir sehen ja auch in den Kreisen der Hartz-IV-Empfänger Leute, die poli­tisch aktiv sind und auf eine Demonstration gehen. In diesem Moment verän­dert sich schon ihr Leben. Sie zeigen Haltung. Das ist sehr viel wich­ti­ger, als dafür zu sorgen, dass die Alimentierung immer rundum sicher ist.“ [SZ]
    schämt der kerl sich nicht, das auch noch raus­zu­po­sau­nen?? der noble herre bezahlt seinen kutscher auf hartz IV-niveau!!!

    die „linke“ wird von den medien sehr wohl igno­riert. ich sehe und höre mir bundes­tags­de­bat­ten und state­ments zu aktu­el­len themen oft an. die reden der „linken“ muß ich mir meist auf youtube ansehen. sie werden von den medien sehr oft über­gan­gen.
    dabei stelle ich fest: gysi, wagen­knecht, lafontaine…usw. sind kompe­tent, haben nach­voll­zie­bare argu­mente. den genann­ten drei fehlen­den sach­ver­stand vorzu­wer­fen oder gar verfas­sungs­feind­lich­keit ist wirk­lich unterste schub­lade. ich wüsste jetzt z.b. keinen in der spd, der es da mit lafon­taine aufnimmt.

    zitat. „…So wird mitt­ler­weile auf seine poli­ti­schen Ansichten zu den Hartz-Reformen oder der Vorratsdatenspeicherung abge­stellt. Das hat schon etwas von Satire; erstens sagt der Bundespräsident sowieso tradi­tio­nell zu poli­ti­schen Einzelthemen wenig und hat noch weniger Einfluss und zwei­tens fragt man sich schon, warum die Linke einer­seits groß auf Überparteilichkeit pocht und ande­rer­seits offen­bar keinen Kandidaten akzep­tiert hätte, der nicht ihr Wahlprogramm rauf– und runter­be­tet“.

    dazu ist mehre­res zu bemer­ken:
    die beiden themen hartz IV und vds betref­fen nun mal einen nicht gerin­gen teil unserer bürger.
    da wird es schon erlaubt sein, die ansich­ten des zukünf­ti­gen staats­ober­haup­tes zu über­den­ken.
    satire, weil er eh wenig zu sagen hat und keinen einfluss nimmt? dann nehmen wir doch z.b. .….dirk bach! der hat auch nix zu sagen und sein einfluss dürfte sich mangels sach­kenn­tis in grenzen halten.

    sie müssen den bürger nicht als einen deppen hinstel­len! das hat mit kohl damals ange­fan­gen: der idio­ti­sche satz, dass man seine politik nicht richtig verkauft habe. der bürger hats einfach nicht kapiert. die spd braucht einen BLÖD – repor­ter als „berater für kommu­ni­ka­tion und kampa­gnen“!
    warum nicht gleich einen propa­ganda.….. ( das schreib ich jetzt nicht).
    die fdp hält die bürger für „zu dumm, um libe­rale zu wählen!“

    ich habe immer – bis einschließ­lich 1998 – spd gewählt. das ist mir gründ­lich vergan­gen!
    und glauben glauben sie bloß nicht, dass ich auf irgend­ein medi­en­ge­kas­per rein­falle – wie sie das den „linken“-anhängern unter­stel­len.

    1. Je nachdem wie viele Kinder der Cousin von Gaucks Fahrer hat, kann es schon sein das unter dem Strich der Fahrer weniger bekommt…
      Dazu muß er nicht mal beson­ders schlecht bezahlt sein.

      Aber schön das Du dir über den Lohn von Gaucks Fahrer Gedanken machst.
      Über den wissen wir gar nichts, ist er z.B. fest ange­stellt mit 40 Stunden Woche, oder ein Taxi-Unternehmer der auch für andere Menschen fährt ?, schließ­lich lohnt sich ein eigener Fahrer kaum

      Wenn es um Fahrer geht wird ja meist darüber geme­ckert was die da oben für Privilegien auf Kosten der Steuerzahler haben, während bei Hartz IV Empfängern gespart wird.

      1. und der nächste geck von gauck:
        ” das welt­weite inter­net bietet alle varaus­set­zun­gen, um die in den ersten zehn arti­keln unserer verfas­sung veran­ker­ten grund­rechte aller bürger in diesem land auszu­höh­len. dies gilt beson­ders für das recht auf freie meinungs­äus­se­rung und pres­se­frei­heit in artikel fünf — eine wesent­li­che grund­lage unserer funk­tio­nie­ren­den demo­kra­tie — und es gilt letzt­lich auch für den kern­satz unserer verfas­sung, den artikel eins des grund­ge­set­zes: die würde des menschen ist unan­tast­bar.”
        (insti­tut für vertrauen und sicher­heit im inter­net)

        … und natür­lich gilt es ganz beson­ders für artikel 10 des gg! ( 37 mio über­prüfte mails in 2010! eine verfünf­fa­chung von 2009! und 2011 haben sich die geheim­dienste bestimmt nicht ausge­ruht!)
        hat der herr davon nix mitbe­kom­men?

        ich warte eigent­lich nur noch auf eine bulle gegen das inter­net!

  2. Die SPD wählte schon 1932 Weimars Totengräber Hindenburg und 1964 den KZ-Baumeister Lübke. Sie wird eben auch den Nazi-Spross Gauck wählen.

    1. naja.…. ich komm langsam zu dem schluss, dass wir arbei­ter auf die falsche partei setzen.
      grad im moment über­lege ich,.…mir fällt eigent­lich so auf anhieb nichts ein, was diese partei für uns in ihrem bauch­la­den hätte.
      und schau dir bloß mal dieses elend an, das in grie­chen­land ange­rich­tet wird. „brutal” ist nicht über­trie­ben!
      die spd trägt das mit!

      1. Es gäbe da eine Partei, die sich für Menschen und Verfassung und gegen Krieg einsetzt. Sie wird vom Verfassungsschutz beob­ach­tet, unter Duldung vieler soge­nann­ter Sozialdemokraten.

        1. sie müssen das kind schon beim namen nennen:
          „die linke”.
          ich kenne den herr „alreech” nicht, aber er scheint auf dem besten weg zu sein, ein poli­ti­ker zu werden.
          sie sehen es an der antwort auf ihren kommen­tar.
          dabei weiß er ganz bestimmt den unter­schied zwischen beob­ach­ten (betr. die linke) und fördern (betr. die npd samt anhang)

      2. Bei der Griechenlandabstimmung diese Woche gab es mehr Nein-Stimmen aus Union gegen ihre eigene Kanzlerin als aus der SPD-Fraktion. Burgfriedenspolitik in der SPD ist aber nicht wirk­lich neu.

        1. Aufschwung auf Pump oder durch Umverteilung ist auch keine neue SPD Politik.

          Ich kann bei der SPD keine grund­le­gende Ablehnung der Griechenlandhilfe erken­nen, warum auch ?

          Einem Land Hilfsgelder zu verwei­gern weil man der Meinung ist das der Kreditnehmer und die Kreditgeber für ihr schlech­tes Wirtschaften eine Pleite verdient haben ist so was von neoli­be­ral…

          Dann lieber mit Steuergeldern bürgen und mit Konjunkturprogrammen — notfalls auf Pump — die grie­chi­sche Wirtschaft ankur­beln.
          Funktioniert doch immer, und entspricht alter neoso­zia­lis­ti­scher Lehrmeinung. Und die Schulden aus dieser Politik kann man ja abbauen, wenn es mal gut läuft… ;)

  3. „Dann lieber mit Steuergeldern bürgen und mit Konjunkturprogrammen — notfalls auf Pump — die grie­chi­sche Wirtschaft ankur­beln.”

    Hae? Wo wird denn bei der Griechenland„hilfe” die grie­chi­sche Wirtschaft ange­kur­belt? Die „Hilfs”-Steuergelder dienen dem Schuldendienst und sonst nichts. Und als Bedingung dieser „Hilfe” muss Griechenland sich erstmal kaputt-sparen. Das ist das Gegenteil von „Wirtschaft auf Pump ankur­beln”.

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