Die Linke und die Präsidentenfrage

25. Februar 2012
By

Ich habe von Anfang an nicht verstanden, warum viele in meiner Partei es so kritisch sahen, dass Merkel die Linke nicht fragte, ob diese nicht einen gemeinsamen Kandidaten mittragen würden. Mir persönlich war von Anfang an klar, dass die Linke niemals (niemals!) auch nur entfernt daran gedacht hat, einen Konsenskandidaten, der rechts von Sahra Wagenknecht steht, mitzutragen.

Stattdessen wollte die Linke ihr übliches Spiel mit der Öffentlichkeit abziehen: einen auf wichtig machen, dann hinterher mit diebischer Freude in alle Welt hinausposaunen, warum sie den Kandidaten für ach so furchtbar hält.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Der Linken geht es gut, wenn sie medial wahrgenommen wird. Durch mediale Präsenz werden die Wähler an die Linke erinnert. Selbst wenn diese Wahrnehmung negativ ist, kann die Linke bei ihrer Klientel trotzdem punkten, weil diese Klientel ohnehin schon weitgehend immun gegen die mediale Schelte der Linken ist; im Gegenteil wird so eher das Gefühl bei den Anhängern verstärkt, dass alle gegen sie sind und sie deswegen jetzt erst recht gegen die Kartellparteien die Reihen schließen müssen. Das Schlimmste für die Linkspartei ist es hingegen, wenn sie ignoriert wird.

Dieses Spiel zieht sie natürlich auch jetzt auf. Dass die mehrfach umbenannte SED keinen Kandidaten wählen kann, der es offenkundig an der nötigen Bewunderung für die DDR und Planwirtschaft vermissen lässt, bedarf keiner weiteren Begründung. Jedoch werden weitere Gründe gesucht und in – häufig krass aus dem Kontext gerissenen – alten Aussagen Gaucks leidlich gefunden. So wird mittlerweile auf seine politischen Ansichten zu den Hartz-Reformen oder der Vorratsdatenspeicherung abgestellt. Das hat schon etwas von Satire; erstens sagt der Bundespräsident sowieso traditionell zu politischen Einzelthemen wenig und hat noch weniger Einfluss und zweitens fragt man sich schon, warum die Linke einerseits groß auf Überparteilichkeit pocht und andererseits offenbar keinen Kandidaten akzeptiert hätte, der nicht ihr Wahlprogramm rauf– und runterbetet.

Auch hier scheint das Kalkül zu gelten: Egal, wie negativ das Medienecho ist, es wird das Opferbild der Linken schon fördern und ihr damit ihre Anhänger sichern.

So gesehen frage ich mich schon, ob das Kandidaten–Chaos bei der Linken nicht auch zumindest zu einem gewissen Teil inszeniert ist, um sich noch ein bisschen länger in öffentlicher Aufmerksamkeit sonnen zu können.

Deshalb meine Bitte an die Medien: Lasst es einfach sein! Fallt bitte nicht auf diese plumpe Effekthascherei herein! Es gibt nun wahrlich dringendere Themen, die Berichterstattung eher verdient haben, als die Frage, welcher chancenlose Clown da noch aufgestellt wird.


Ähnliche Artikel:

11 Responses to Die Linke und die Präsidentenfrage

  1. jürgen on 26. Februar 2012 at 10:47

    sie wissen aber schon was sie da schreiben, herr jansen???

    gehen wir das mal der reihe nach durch:

    in ihrer partei sahen das viele kritisch, das merkel die „linke“ nicht einbezog??
    sie sind aber schon der spd zugehörig? wer sind denn diese vielen???

    es ist gut, dass jemand im allgemeinen gauck-vollrausch noch auf dem boden bleibt und auf ein paar dinge aufmerksam macht, über die sehr wohl nachgedacht werden sollte!
    der werte herr präsident in spe lässt da schon mitunter was von sich hören:

    Gauck: „Neulich erzählte mir mein Fahrer von seinem Cousin, der mit den gesamten Sozialleistungen ungefähr 30 Euro weniger als er hat. Mein Fahrer muss aber fast immer um fünf Uhr aufstehen. Er sei der Dumme in der Familie, aber er sagte mir auch: „Ich kann das nicht, ich kann nicht so dasitzen.“ Da habe ich gesagt, dass er denen erzählen soll, wie gut er sich mit Arbeit fühlt. Wir sehen ja auch in den Kreisen der Hartz-IV-Empfänger Leute, die politisch aktiv sind und auf eine Demonstration gehen. In diesem Moment verändert sich schon ihr Leben. Sie zeigen Haltung. Das ist sehr viel wichtiger, als dafür zu sorgen, dass die Alimentierung immer rundum sicher ist.“ [SZ]
    schämt der kerl sich nicht, das auch noch rauszuposaunen?? der noble herre bezahlt seinen kutscher auf hartz IV-niveau!!!

    die „linke“ wird von den medien sehr wohl ignoriert. ich sehe und höre mir bundestagsdebatten und statements zu aktuellen themen oft an. die reden der „linken“ muß ich mir meist auf youtube ansehen. sie werden von den medien sehr oft übergangen.
    dabei stelle ich fest: gysi, wagenknecht, lafontaine…usw. sind kompetent, haben nachvollziebare argumente. den genannten drei fehlenden sachverstand vorzuwerfen oder gar verfassungsfeindlichkeit ist wirklich unterste schublade. ich wüsste jetzt z.b. keinen in der spd, der es da mit lafontaine aufnimmt.

    zitat. „…So wird mittlerweile auf seine politischen Ansichten zu den Hartz-Reformen oder der Vorratsdatenspeicherung abgestellt. Das hat schon etwas von Satire; erstens sagt der Bundespräsident sowieso traditionell zu politischen Einzelthemen wenig und hat noch weniger Einfluss und zweitens fragt man sich schon, warum die Linke einerseits groß auf Überparteilichkeit pocht und andererseits offenbar keinen Kandidaten akzeptiert hätte, der nicht ihr Wahlprogramm rauf– und runterbetet“.

    dazu ist mehreres zu bemerken:
    die beiden themen hartz IV und vds betreffen nun mal einen nicht geringen teil unserer bürger.
    da wird es schon erlaubt sein, die ansichten des zukünftigen staatsoberhauptes zu überdenken.
    satire, weil er eh wenig zu sagen hat und keinen einfluss nimmt? dann nehmen wir doch z.b. .….dirk bach! der hat auch nix zu sagen und sein einfluss dürfte sich mangels sachkenntis in grenzen halten.

    sie müssen den bürger nicht als einen deppen hinstellen! das hat mit kohl damals angefangen: der idiotische satz, dass man seine politik nicht richtig verkauft habe. der bürger hats einfach nicht kapiert. die spd braucht einen BLÖD – reporter als „berater für kommunikation und kampagnen“!
    warum nicht gleich einen propaganda.….. ( das schreib ich jetzt nicht).
    die fdp hält die bürger für „zu dumm, um liberale zu wählen!“

    ich habe immer – bis einschließlich 1998 – spd gewählt. das ist mir gründlich vergangen!
    und glauben glauben sie bloß nicht, dass ich auf irgendein mediengekasper reinfalle – wie sie das den „linken“-anhängern unterstellen.

    • Alreech on 29. Februar 2012 at 10:57

      Je nachdem wie viele Kinder der Cousin von Gaucks Fahrer hat, kann es schon sein das unter dem Strich der Fahrer weniger bekommt…
      Dazu muß er nicht mal besonders schlecht bezahlt sein.

      Aber schön das Du dir über den Lohn von Gaucks Fahrer Gedanken machst.
      Über den wissen wir gar nichts, ist er z.B. fest angestellt mit 40 Stunden Woche, oder ein Taxi-Unternehmer der auch für andere Menschen fährt ?, schließlich lohnt sich ein eigener Fahrer kaum

      Wenn es um Fahrer geht wird ja meist darüber gemeckert was die da oben für Privilegien auf Kosten der Steuerzahler haben, während bei Hartz IV Empfängern gespart wird.

      • jürgen on 29. Februar 2012 at 13:08

        und der nächste geck von gauck:
        ” das weltweite internet bietet alle varaussetzungen, um die in den ersten zehn artikeln unserer verfassung verankerten grundrechte aller bürger in diesem land auszuhöhlen. dies gilt besonders für das recht auf freie meinungsäusserung und pressefreiheit in artikel fünf — eine wesentliche grundlage unserer funktionierenden demokratie — und es gilt letztlich auch für den kernsatz unserer verfassung, den artikel eins des grundgesetzes: die würde des menschen ist unantastbar.„
        (institut für vertrauen und sicherheit im internet)

        … und natürlich gilt es ganz besonders für artikel 10 des gg! ( 37 mio überprüfte mails in 2010! eine verfünffachung von 2009! und 2011 haben sich die geheimdienste bestimmt nicht ausgeruht!)
        hat der herr davon nix mitbekommen?

        ich warte eigentlich nur noch auf eine bulle gegen das internet!

  2. Rauhbein on 28. Februar 2012 at 01:50

    Die SPD wählte schon 1932 Weimars Totengräber Hindenburg und 1964 den KZ-Baumeister Lübke. Sie wird eben auch den Nazi-Spross Gauck wählen.

    • jürgen on 28. Februar 2012 at 16:01

      naja.…. ich komm langsam zu dem schluss, dass wir arbeiter auf die falsche partei setzen.
      grad im moment überlege ich,.…mir fällt eigentlich so auf anhieb nichts ein, was diese partei für uns in ihrem bauchladen hätte.
      und schau dir bloß mal dieses elend an, das in griechenland angerichtet wird. „brutal” ist nicht übertrieben!
      die spd trägt das mit!

      • aSak on 29. Februar 2012 at 17:03

        Es gäbe da eine Partei, die sich für Menschen und Verfassung und gegen Krieg einsetzt. Sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet, unter Duldung vieler sogenannter Sozialdemokraten.

        • Alreech on 29. Februar 2012 at 17:51

          NaJa, man sollte das Engagement der NPD gegen den Krieg nicht überbewerten.

        • jürgen on 1. März 2012 at 16:36

          sie müssen das kind schon beim namen nennen:
          „die linke”.
          ich kenne den herr „alreech” nicht, aber er scheint auf dem besten weg zu sein, ein politiker zu werden.
          sie sehen es an der antwort auf ihren kommentar.
          dabei weiß er ganz bestimmt den unterschied zwischen beobachten (betr. die linke) und fördern (betr. die npd samt anhang)

      • klaus on 29. Februar 2012 at 18:39

        Bei der Griechenlandabstimmung diese Woche gab es mehr Nein-Stimmen aus Union gegen ihre eigene Kanzlerin als aus der SPD-Fraktion. Burgfriedenspolitik in der SPD ist aber nicht wirklich neu.

        • Alreech on 29. Februar 2012 at 19:29

          Aufschwung auf Pump oder durch Umverteilung ist auch keine neue SPD Politik.

          Ich kann bei der SPD keine grundlegende Ablehnung der Griechenlandhilfe erkennen, warum auch ?

          Einem Land Hilfsgelder zu verweigern weil man der Meinung ist das der Kreditnehmer und die Kreditgeber für ihr schlechtes Wirtschaften eine Pleite verdient haben ist so was von neoliberal…

          Dann lieber mit Steuergeldern bürgen und mit Konjunkturprogrammen — notfalls auf Pump — die griechische Wirtschaft ankurbeln.
          Funktioniert doch immer, und entspricht alter neosozialistischer Lehrmeinung. Und die Schulden aus dieser Politik kann man ja abbauen, wenn es mal gut läuft… ;)

  3. einwand on 29. Februar 2012 at 20:10

    Dann lieber mit Steuergeldern bürgen und mit Konjunkturprogrammen — notfalls auf Pump — die griechische Wirtschaft ankurbeln.”

    Hae? Wo wird denn bei der Griechenland„hilfe” die griechische Wirtschaft angekurbelt? Die „Hilfs”-Steuergelder dienen dem Schuldendienst und sonst nichts. Und als Bedingung dieser „Hilfe” muss Griechenland sich erstmal kaputt-sparen. Das ist das Gegenteil von „Wirtschaft auf Pump ankurbeln”.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Wir sind dabei

re:publica 12

Facebook

Switch to our mobile site