BILD oder Wulff?

Die Affäre Wulff wird immer mehr zur Machtfrage. Jeder neue Aufmacher, mit dem die „BILD” das Treiben am Köcheln hält, ist auch als Angriff auf die Republik zu verste­hen. Wulff ist nicht irgend­ein Minister, sondern er ist als Bundespräsident das Staatsoberhaupt. Ja: das Staatsoberhaupt darf sehr wohl kriti­siert werden, auch hart im Ton — aber verbind­lich in der Sache. Es geht nicht an, dass regel­rechte Kampagnen gegen das Staatsoberhaupt gefah­ren werden, dass die Presse gera­dezu erwar­tet, der Bundespräsident muss zurück­tre­ten, weil sie das jetzt so entschie­den hat. Wenn die eigent­li­che Nichtnachricht „Wulff tritt nicht zurück” zum Aufmacher wird, dann läuft etwas falsch in diesem Land.

Ja, Wulff hat Fehler gemacht. Ja, Wulff ist ein mittel­mä­ßi­ger Politiker, ja, er ist im Amt nicht gewach­sen und wird ein mittel­mä­ßi­ger Bundespräsident bleiben. Gauck wäre natür­lich die bessere Wahl gewesen. Mit der Schande, Gauck nicht gewählt zu haben, müssen CDU, CSU, FDP und Linkspartei glei­cher­ma­ßen umgehen.

Aber das ist nicht der Punkt.

Ob Wulff nicht nur mora­lisch, sondern auch juris­tisch Fehler nach­zu­wei­sen sind, das müssen Gerichte entschei­den. Dafür sind sie da. Diese Aufgabe hat nicht die Presse zu über­neh­men. Wulff erweist der Republik mit seinem Beharren im Amt einen Dienst, er weicht nicht zurück, auch wenn die Kritik groß ist.

Finde ich Wulff gut? Nein. Hätte ich lieber Gauck im Amt gesehen? Oh ja.

Aber jetzt geht es um die Frage: Wulff oder „BILD”? Ich weiß nicht, warum „BILD” diese Affäre zur Machtfrage macht, ob es an Wulffs Aussprach „Der Islam gehört zu Deutschland” liegt oder um es ganz banal um die Auflage geht.

Es ist aber auch egal. Die Antwort ist für mich klar: immer für die Republik — also für Wulff.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

10 Gedanken zu „BILD oder Wulff?“

  1. „Mit der Schande, Gauck nicht gewählt zu haben, müssen CDU, CSU, FDP und Linkspartei glei­cher­ma­ßen umgehen.”

    Unterschreib ich sofort.

    Ansonsten: Ich vertrete die Position von Joachim vom A’Team: Wulff passt perfekt zu Deutschland, der MUSS bleiben.

  2. Es ist nicht nur Bild, es ist eben­falls das ZDF und prak­tisch alle anderen „Leitmedien”. Und dass es diese alberne Hetzjagd wegen nichts über­haupt gibt, liegt neben dem tölpel­haf­ten Umgang des Präsidenten mit Presse und Öffentlichkeit vor allem daran, dass den noch nie jemand als Präsident wollte. Unvorstellbar, dass man vergleich­ba­res mit einem Präsidenten Gauck ange­stellt hätte, denn der wäre von Beginn an im Volk beliebt und akzep­tiert worden. Wulff hat direkt vom Ministerpräsidenten ins Schloss gewech­selt, was ja an sich schon nicht gut ankommt.

    Wulff sollte gehen und das Amt am Besten gleich mit. Spart uns zig Millionen Euro im Jahr und den Verlust würde nicht­mal jemand bemer­ken. Insofern kann ich die These, hier würde irgend­wie die Republik ange­grif­fen, nicht nach­voll­zie­hen. Das höchste ist gleich­zei­tig das unwich­tigste Amt, dass es in Deutschland gibt.

  3. Christian

    Es gibt keine Machtfrage. Das ist schlich­ter Unsinn. Diekmann kann genau­so­we­nig wie ich einen neuen Bundespräsidenten bestim­men. Es geht um einen schlichte Frage: ist das Handeln von Wulff mit dem Amt verein­bar oder nicht? Dazu muss man aber erst einmal klären, welche Bedeutung dieses Amt hat. Wer alle Politiker für korrupt hält, wer poli­ti­sche Kultur für eine hohle Phrase hält, wird mit Wulff kein Problem haben. Ihm ist das Amt völlig egal, also auch das, was Wulff damit anstellt. Dann kann man sich tatsäch­lich an Diekmann abar­bei­ten. Allerdings habe ich mich sowohl mit der Bild beschäf­tigt, als auch oft genug mit Springer Journalisten disku­tiert. Mit Kollegen der FAZ übri­gens auch. Mir braucht niemand etwas über einen kriti­schen Umgang erzäh­len. Aber in diesem Fall wohl­feile Diekmann Schelte zu beschrei­ben, wo es tatsäch­lich in der Causa Wulff keinen einzi­gen profes­sio­nel­len Grund dafür gibt, ist wirk­lich absurd. Man kann sich aller­dings kritisch mit dem Verhältnis zwischen Diekmann und Wulff befas­sen als noch alles im besten Einvernehmen ablief. Das bestimmte auch offen­kun­dig Wulffs Handeln.

    1. An die Bildreaktion .….…

      es ist einfach beschä­mend und genau das Niveau, was diese Redaktion ( insbe­son­dere Herrn Diekmann ) auszeich­net bzw. belas­tet.
      Ich habe nie etwas für dieses Medium übrig gehabt.
      Leider habe ich mich für einige Journale aus diesem Mediumimperium inter­es­siert, welche ich noch für objek­tiv gehal­ten habe.
      Nach diesen neuer­lich umglaub­lich indis­kre­ten Veröffentlichungen, welche rein der Selbstdarstellung dieses Chefredakteurs nutzen sollen, werde ich alle Verbindungen zu diesem Verlag abbre­chen und somit die abon­nier­ten Zeitung kündi­gen.
      Mehr kann ich leider nicht tun.
      Leider, ich bedauere es sehr und hoffe nur, dass sich viele Mitbürger dieser Entscheidung anschlies­sen werden.
      Klaus Rose

  4. Christian

    Nur noch zur Info. Ich habe im vergan­ge­nen Jahr Wulff für die bessere Wahl gehal­ten, nicht Gauck. Unter anderem deshalb, weil ich mit der Überhöhung des Amtes nichts anfan­gen konnte. Mir hatte ein Amateur im Amt wie Köhler gereicht.

  5. Ich finde beson­ders inter­es­sant, dass nicht nur Bild, sondern auch Welt und FAZ, also prak­tisch alle halb­wegs rele­van­ten konser­va­ti­ven Medien, die Kampagne gegen Wulf gefah­ren haben.
    BILD hat die Tonbandansage an die FAZ geleakt, wvon der sie erst­mals publi­ziert wurde, und die Welt hat mit dem Verweis auf eine vergleich­bare Geschichte vor einigen Monaten nach­ge­legt.
    Das ein CDU-Präsident von den konser­va­ti­ven Medien kollek­tiv abge­schos­sen wird ist m.W. einma­lig.
    Gewissermaßen auf einer Stufe mit dem unglaub­li­chen Timing, mit dem die CDU ihrem „Traumpartner” den Dreikönigstag versaut hat. Es fällt mir verdammt schwer zu glauben, dass die saar­län­di­sche Ministerpräsidenten ihr Timing des Koalitionsknalls ohne Placet aus Berlin durch­ge­führt hat.
    Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde.

    (Mal völlig ab davon, dass Wulff ebenso wie die saar­län­di­sche Koalition höchst mittel­mä­ßig ist und hier alle Tatbestände der Korrumpierbarkeit sowie versuch­ten Medienmanipulation versucht hatte, die nicht akzep­tiert werden sollten, wenn man den Weg italie­ni­schen Weg zu Berlusconien vermei­den will.)

    1. wieso sind Sie erstaunt ????

      Was glauben Sie, wer hinter dieser Pressekampagne steht ???

      Wenn Sie im Visier dieses Mediums stehen, haben Sie keine Chance.!!
      Das ist eben Bild und deren Redakteure…

      Gnadenlos .….

  6. Wieso hat Joachim Gauck eigent­lich die 45 Stasi Mitarbeiter damals als er deren Chef war, beschäf­tigt?
    Um es vorweg­zu­neh­men; die dreis­teste, verhöh­nenste und am meisten die Intelligenz belei­di­genste Begründung für mich ist:
    „Weil die sich so gut auskann­ten.”

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