BILD oder Wulff?

6. Januar 2012
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Die Affäre Wulff wird immer mehr zur Machtfrage. Jeder neue Aufmacher, mit dem die „BILD” das Treiben am Köcheln hält, ist auch als Angriff auf die Republik zu verstehen. Wulff ist nicht irgendein Minister, sondern er ist als Bundespräsident das Staatsoberhaupt. Ja: das Staatsoberhaupt darf sehr wohl kritisiert werden, auch hart im Ton — aber verbindlich in der Sache. Es geht nicht an, dass regelrechte Kampagnen gegen das Staatsoberhaupt gefahren werden, dass die Presse geradezu erwartet, der Bundespräsident muss zurücktreten, weil sie das jetzt so entschieden hat. Wenn die eigentliche Nichtnachricht „Wulff tritt nicht zurück” zum Aufmacher wird, dann läuft etwas falsch in diesem Land.

Ja, Wulff hat Fehler gemacht. Ja, Wulff ist ein mittelmäßiger Politiker, ja, er ist im Amt nicht gewachsen und wird ein mittelmäßiger Bundespräsident bleiben. Gauck wäre natürlich die bessere Wahl gewesen. Mit der Schande, Gauck nicht gewählt zu haben, müssen CDU, CSU, FDP und Linkspartei gleichermaßen umgehen.

Aber das ist nicht der Punkt.

Ob Wulff nicht nur moralisch, sondern auch juristisch Fehler nachzuweisen sind, das müssen Gerichte entscheiden. Dafür sind sie da. Diese Aufgabe hat nicht die Presse zu übernehmen. Wulff erweist der Republik mit seinem Beharren im Amt einen Dienst, er weicht nicht zurück, auch wenn die Kritik groß ist.

Finde ich Wulff gut? Nein. Hätte ich lieber Gauck im Amt gesehen? Oh ja.

Aber jetzt geht es um die Frage: Wulff oder „BILD”? Ich weiß nicht, warum „BILD” diese Affäre zur Machtfrage macht, ob es an Wulffs Aussprach „Der Islam gehört zu Deutschland” liegt oder um es ganz banal um die Auflage geht.

Es ist aber auch egal. Die Antwort ist für mich klar: immer für die Republik — also für Wulff.


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10 Responses to BILD oder Wulff?

  1. F.Alfonzo on 7. Januar 2012 at 08:33

    Mit der Schande, Gauck nicht gewählt zu haben, müssen CDU, CSU, FDP und Linkspartei gleichermaßen umgehen.”

    Unterschreib ich sofort.

    Ansonsten: Ich vertrete die Position von Joachim vom A’Team: Wulff passt perfekt zu Deutschland, der MUSS bleiben.

  2. jf on 7. Januar 2012 at 17:43

    Es ist nicht nur Bild, es ist ebenfalls das ZDF und praktisch alle anderen „Leitmedien”. Und dass es diese alberne Hetzjagd wegen nichts überhaupt gibt, liegt neben dem tölpelhaften Umgang des Präsidenten mit Presse und Öffentlichkeit vor allem daran, dass den noch nie jemand als Präsident wollte. Unvorstellbar, dass man vergleichbares mit einem Präsidenten Gauck angestellt hätte, denn der wäre von Beginn an im Volk beliebt und akzeptiert worden. Wulff hat direkt vom Ministerpräsidenten ins Schloss gewechselt, was ja an sich schon nicht gut ankommt.

    Wulff sollte gehen und das Amt am Besten gleich mit. Spart uns zig Millionen Euro im Jahr und den Verlust würde nichtmal jemand bemerken. Insofern kann ich die These, hier würde irgendwie die Republik angegriffen, nicht nachvollziehen. Das höchste ist gleichzeitig das unwichtigste Amt, dass es in Deutschland gibt.

  3. Aerar » Rekritik: BILD oder Wulff? on 7. Januar 2012 at 17:52

    […] Soeder verneint in seinem Artikel die Frage, ob die Bildzeitung recht handelt, wenn sie in einer kampagnenartigen Aktion versucht, […]

  4. f.luebberding on 8. Januar 2012 at 00:57

    Christian

    Es gibt keine Machtfrage. Das ist schlichter Unsinn. Diekmann kann genausowenig wie ich einen neuen Bundespräsidenten bestimmen. Es geht um einen schlichte Frage: ist das Handeln von Wulff mit dem Amt vereinbar oder nicht? Dazu muss man aber erst einmal klären, welche Bedeutung dieses Amt hat. Wer alle Politiker für korrupt hält, wer politische Kultur für eine hohle Phrase hält, wird mit Wulff kein Problem haben. Ihm ist das Amt völlig egal, also auch das, was Wulff damit anstellt. Dann kann man sich tatsächlich an Diekmann abarbeiten. Allerdings habe ich mich sowohl mit der Bild beschäftigt, als auch oft genug mit Springer Journalisten diskutiert. Mit Kollegen der FAZ übrigens auch. Mir braucht niemand etwas über einen kritischen Umgang erzählen. Aber in diesem Fall wohlfeile Diekmann Schelte zu beschreiben, wo es tatsächlich in der Causa Wulff keinen einzigen professionellen Grund dafür gibt, ist wirklich absurd. Man kann sich allerdings kritisch mit dem Verhältnis zwischen Diekmann und Wulff befassen als noch alles im besten Einvernehmen ablief. Das bestimmte auch offenkundig Wulffs Handeln.

    • klaus rose on 9. Januar 2012 at 19:45

      An die Bildreaktion .….…

      es ist einfach beschämend und genau das Niveau, was diese Redaktion ( insbesondere Herrn Diekmann ) auszeichnet bzw. belastet.
      Ich habe nie etwas für dieses Medium übrig gehabt.
      Leider habe ich mich für einige Journale aus diesem Mediumimperium interessiert, welche ich noch für objektiv gehalten habe.
      Nach diesen neuerlich umglaublich indiskreten Veröffentlichungen, welche rein der Selbstdarstellung dieses Chefredakteurs nutzen sollen, werde ich alle Verbindungen zu diesem Verlag abbrechen und somit die abonnierten Zeitung kündigen.
      Mehr kann ich leider nicht tun.
      Leider, ich bedauere es sehr und hoffe nur, dass sich viele Mitbürger dieser Entscheidung anschliessen werden.
      Klaus Rose

  5. f.luebberding on 8. Januar 2012 at 01:00

    Christian

    Nur noch zur Info. Ich habe im vergangenen Jahr Wulff für die bessere Wahl gehalten, nicht Gauck. Unter anderem deshalb, weil ich mit der Überhöhung des Amtes nichts anfangen konnte. Mir hatte ein Amateur im Amt wie Köhler gereicht.

    • Christian Soeder on 8. Januar 2012 at 21:09

      Interessant. Also sind wir wirklich völlig anderer Meinung. Spannend.

  6. Alex on 8. Januar 2012 at 23:08

    Ich finde besonders interessant, dass nicht nur Bild, sondern auch Welt und FAZ, also praktisch alle halbwegs relevanten konservativen Medien, die Kampagne gegen Wulf gefahren haben.
    BILD hat die Tonbandansage an die FAZ geleakt, wvon der sie erstmals publiziert wurde, und die Welt hat mit dem Verweis auf eine vergleichbare Geschichte vor einigen Monaten nachgelegt.
    Das ein CDU-Präsident von den konservativen Medien kollektiv abgeschossen wird ist m.W. einmalig.
    Gewissermaßen auf einer Stufe mit dem unglaublichen Timing, mit dem die CDU ihrem „Traumpartner” den Dreikönigstag versaut hat. Es fällt mir verdammt schwer zu glauben, dass die saarländische Ministerpräsidenten ihr Timing des Koalitionsknalls ohne Placet aus Berlin durchgeführt hat.
    Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde.

    (Mal völlig ab davon, dass Wulff ebenso wie die saarländische Koalition höchst mittelmäßig ist und hier alle Tatbestände der Korrumpierbarkeit sowie versuchten Medienmanipulation versucht hatte, die nicht akzeptiert werden sollten, wenn man den Weg italienischen Weg zu Berlusconien vermeiden will.)

    • klaus rose on 9. Januar 2012 at 19:50

      wieso sind Sie erstaunt ????

      Was glauben Sie, wer hinter dieser Pressekampagne steht ???

      Wenn Sie im Visier dieses Mediums stehen, haben Sie keine Chance.!!
      Das ist eben Bild und deren Redakteure…

      Gnadenlos .….

  7. Erling Plaethe on 9. Januar 2012 at 13:58

    Wieso hat Joachim Gauck eigentlich die 45 Stasi Mitarbeiter damals als er deren Chef war, beschäftigt?
    Um es vorwegzunehmen; die dreisteste, verhöhnenste und am meisten die Intelligenz beleidigenste Begründung für mich ist:
    „Weil die sich so gut auskannten.”

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